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Mutter Natur öffnet Schatzkiste der Heimat

Vogel: der Waldkauz
Vogel: der Waldkauz FOTO: alan1951/Fotolia
Senftenberg. Die Lausitz hat eine vielfältige Flora und Fauna zu bieten. Darunter sind Tiere und Pflanzen, die als Organismen des Jahres besonders ins Blickfeld der Bürger gerückt werden sollen. Profunde Naturkenner bestätigen: Auch überraschende Entwicklungen sind zu verzeichnen. Kathleen Weser

Der Waldkauz ist in Parkanlagen, großen Gärten und Mischwäldern mit alten Laubbäumen auch in der Region heimisch. Randbereiche von ehemaligen Industriebrachen hat der Vogel des Jahres ebenfalls erobert. Das erklärt Karlheinz Krengel aus Sorno, der die heimische Vogelwelt seit vielen Jahren beobachtet. Waldkauze brauchen Nischen und Höhlen in alten Bäumen. "Der Bestand ist leicht rückläufig, aber noch recht gut", stellt Karlheinz Krengel fest. "In diesem Jahr hat der Waldkauz bislang noch wenig von sich hören lassen", erzählt er weiter. Bei ruhigem, klaren Wetter ertöne der Ruf deutlich, an trüben Tagen nur kurz. Im Raum Fischwasser, Sorno und Oppelhain (Elbe-Elster) ist der Waldkauz heimisch, ebenso im Grünhauser Forst und im Suden bei Grünewalde (Oberspreewald-Lausitz). "Häufig ist der hauptsächlich in der Dämmerung aktive Vogel in unserer Gegend nie gewesen", erklärt der Vogelkundler. "Der typische Pfiff des Waldkauzes ist oft in nächtlichen Filmszenen zu hören, obwohl das mit dem gezeigten Biotop meist überhaupt nicht in Einklang zu bringen ist", sagt Krengel, der die heimischen Vögel gut am Ruf erkennen kann. "Ich bin am Waldrand aufgewachsen. Da lernt man das", erklärt er bescheiden. In den 60er-Jahren habe er sein erstes Bestimmungsbuch bekommen. In den 80er-Jahren sei er in den Kulturbund eingetreten und aktiver Naturschützer geworden. Den Kranich hat er im Altkreis Finsterwalde erfasst.

Die Gottesanbeterin ist 1998 in Berlin an alten Bahngleisen erstmals nachgewiesen worden. Ingmar Landeck, Biologe im Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften (FIB) Finsterwalde, bestätigt: Nachdem das Insekt im Jahr 2013 auch bei Welzow (Spree-Neiße) entdeckt worden ist, haben die Meldungen über den Einwanderer in die Lausitzer Bergbaufolgelandschaft massiv zugenommen. Die Art ist besonders geschützt. Und der Neubürger kam ursprünglich vermutlich mit der Bahn aus dem Mittelmeerraum in die Region. Das ist genetisch nachgewiesen. Denn die Weibchen legen ihre Eier an trockenen und warmen Orten, auch an Güterwaggons, ab. An den Rändern von Schienenwegen, die von Gebüschen und Stauden bestanden sind, ist das Tier hier zu Lande zuerst entdeckt worden. Auch in Nochten (Kreis Görlitz) ist die Einwanderin aus dem Mittelmeerraum heimisch. Grünhaus, Meuro, der Ilseweiher, der Sedlitzer See mit einem Großaufkommen, Jänschwalde und Schlabendorf sind auch dokumentiert. Einen Wohnsitz hat die Gottesanbeterin auch am Krankenhaus in Senftenberg.

Die Goldene Acht ist ein für die Region typischer Wanderfalter, erklärt Thomas Wiesner aus Lauchhammer. Der Schmetterling liebt Luzernefelder und ist häufig zu finden. "Der Falter ist in Brandenburg weit davon entfernt, in seinem Bestand gefährdet zu sein", bestätigt auch Ingmar Landeck. Er sei relativ anspruchslos, reagiere aber allergisch auf intensive Nutzungen seines Lebensraumes. In mehreren Bundesländern sei die Goldene Acht deshalb durchaus schon sehr rar geworden. Der Schmetterling ist auf blütenreiche Areale angewiesen, um genug Nektar zu finden. "Das wird für alle Falter immer schwieriger", schätzt der Biologe ein. Weniger stark gemähtes Grünland und Wiesen mit verschiedenen Kleearten und Kronwicken, auch Schmetterlingsblüher genannt, brauche die Art.

Die Gemeine Keiljungfer, die Libelle des Jahres, liebt kleine natürliche und vor allem saubere Fließgewässer. Gleichförmige, stark strömende Gewässer - die Experten nennen das den Klospüleffekt - meidet das Tier konsequent. Denn der macht den Flussgrund hart. Die Larven der Keiljungfer aber graben sich in den weichen Sand des Flussbettes ein und lauern hier auf Beute. Die meisten Vorhaben dieser Libelle sind an der Schwarzen Elster nachgewiesen, bestätigt der Insektenkundler Thomas Wiesner aus Lauchhammer. Nach dem Bau und der Inbetriebnahme der Kläranlagen sei der Heimatfluss wieder deutlich sauberer geworden. Auch an die Binnengräben in der Elster-Niederung ist die Gemeine Keiljungfer dann zurückgekehrt. Das Tier entfernt sich nicht weit von seinem Hausgewässer.

Auch im Lausitzer Seenland findet die Libelle an teilweise bewegten Ufern einen günstigen Lebensraum, bestätigt Ingmar Landeck vom Institut für Bergbaufolgelandschaften in Finsterwalde. Nördlich der Elsterniederung ist die Art nicht zu finden. Erst im Spreewald taucht die Gemeine Keiljungfer dann nachweislich wieder auf, so der Biologe.

Das Judasohr landet bei Lothar Jankowiak aus Finsterwalde durchaus in der Pfanne. Eine besondere Empfehlung für den Gaumen ist der Pilz des Jahres aber nicht. "Er hat wenig Eigengeschmack, füllt aber die Pfanne", erklärt der Sachverständige. In der Region sei das Judasohr überall zu finden. Auch jetzt im Winter und vor allem an schwarzem Holunder. Die weiße Varietät indes sei selten. Der Pilz ernährt sich von Holz, auch von anderen Laubbäumen. Verwandt ist das Judaohr mit schwarzen Pilzen, auch Chinapilze genannt, die in Asien angebaut werden. Vor Pilz arten auf Holz warnt Lothar Jankowiak wenig geschulte Sammler aber eindringlich. Schnell können tödlich giftige Exemplare im Korb landen. "Hier muss man genau wissen, was man tut", betont der Experte.

Der Saathafer, die Arzneipflanze des Jahres, entfaltet phytosanitäre Wirkung, hält also landwirtschaftliche Nutzflächen als Teil der Fruchtfolge gesund. Das bestätigt Landwirt Frank Domin aus Peickwitz. Aber auch für Hautpflegemittel wie Cremes, Körpermilch und Badezusätze für Allergiker ist die Pflanze höchst interessant geworden. Haferkrautextrakte werden gegen Neurodermitis und zum Behandeln von Wunden verwendet. Für die Ernährung des Menschen sind der hohe Ballaststoffanteil und die pflanzlichen Eiweiße ebenso wertvoll wie die ungesättigten Fettsäuren, die Dreiviertel des Gesamtfettanteils ausmachen. Aber die Peickwitzer bauen auf etwa fünf Hektar Fläche den Saathafer hauptsächlich für die Gänse an. Und Pferde fahren bekanntlich auf das Korn ab.

Über das Weiße Waldvögelein, die Orchidee des Jahres, hält Fritz Stopfkuchen aus Schipkau seine schützende Hand mit dem legendären grünen Daumen. Die zur Gattung des Knabenkrautes zählende Pflanze ist sehr rar geworden, obwohl sie in der Region naturgemäß heimisch ist. Der versierte Hobby-Botaniker bestätigt, diese Orchidee ist hier zu Lande fast ausgestorben. "Deshalb kommt zum Standort kein Wort über meine Lippen", betont er. Zu oft habe er schon zerstörerisches Wirken mit dem Spaten auf dem Waldboden sehen müssen. Vom Roten Waldvögelein seien noch einige Expemplare mehr bekannt. Aber die Rarität, die im Raum Klettwitz auch durch den Bau des Lausitzringes weiter gelitten habe, müsse rigoros beschützt werden. Versuche, die Orchidee umzusiedeln, scheiterten an der Sensibilität der schönen Pflanze mit dem herrlichen Blütenstand.

Die Knautien-Sandbiene ist eine echte Wildbiene, die in großen Vorkommen nur auf den Elbdeichen bei Mühlberg und an Kiesgruben zu finden ist. Das erklärt der Entomologe Thomas Wiesner aus Lauchhammer. Wiesen mit den 20 bis 30 Zentimeter hohen Knopfblumen sind der Lebensraum dieser fleißigen Biene.

Der Klatschmohn, die Blume des Jahres, ist noch präsent in der Landschaft, der Bestand aber rückläufig. Karl-Ulrich Hennicke aus Finsterwalde bedauert, dass die Ackerwildkräuter stark zurückgedrängt worden sind. Durch die Saatgutreinigung, große Monokulturen und den Einsatz von Herbiziden ist die ausgesprochen schöne Pflanze seltener geworden. Auf stillgelegten Flächen kehrt sie wieder stärker zurück.

Auch das Gänseblümchen, die Heilpflanze des Jahres, weiß der Naturfreund sehr zu schätzen. Ätherische Öle, Gerb- und Bitterstoffe entfalten im Salat, aber auch als Tee gegen den Husten und für starke Atemwege gute Wirkung. Auch leichten Durchfall soll das Ackerwildkraut stoppen.

Kriechtier: die Blindschleiche
Kriechtier: die Blindschleiche FOTO: pixaby.com
Orchidee: Weißes Waldvögelein
Orchidee: Weißes Waldvögelein FOTO: Bernd Haynold/wikipedia
Insekt: die Gottesanbeterin
Insekt: die Gottesanbeterin FOTO: pixaby.com
Pilz: das Judasohr
Pilz: das Judasohr FOTO: fotolia/Schmutzler-Staub
Libelle: die Gemeine Keiljungfer
Libelle: die Gemeine Keiljungfer FOTO: pixabay.com
Schmetterling: die Goldene Acht
Schmetterling: die Goldene Acht FOTO: pixabax.com
Nutztier: die Warzenente
Nutztier: die Warzenente FOTO: pixaby.com
Blume: der Klatschmohn
Blume: der Klatschmohn FOTO: pixabay.com
Arzneipflanze: Saathafer
Arzneipflanze: Saathafer FOTO: pixaby.com
Heilpflanze: Gänseblümchen
Heilpflanze: Gänseblümchen FOTO: pixabay.com