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| 01:10 Uhr

Mut zur Lücke beweisen

Senftenberg.. Die Folgen des Bevölkerungsrückgangs sind auch im Stadtbild von Senftenberg unübersehbar. Ganze Wohnblocks werden abgerissen. Das geschieht nicht willkürlich, sondern im Rahmen eines Stadtumbaukonzeptes. Der strukturelle Wohnungsüberhang in Senftenberg wird derzeit mit 2600 Wohnungen beziffert. Von Annette Siemer

In einem Trendszenario ist sogar von 4900 leer stehenden Wohnungen die Rede - sollte ein positiver wirtschaftlicher Aufschwung ausbleiben. Auf der einen Seite bietet der Abriss von Wohnblocks neue Chancen. Neue Räume entstehen, die wieder ausgefüllt werden können. Das bietet vor allem dort neue städtebauliche Möglichkeiten, wo Plattenbauten gewachsene Strukturen sprengen. „Für die Menschen, die davon betroffen sind, ist es jedoch ein trauriger Prozess“ , sagt Baudezernentin Elke Löwe. Die Wohnungswirtschaft hingegen könne den gigantischen Leerstand wirtschaftlich nicht verkraften. Am Anfang stand die Idee, die Stadt von außen nach innen schrumpfen zu lassen. „Das war ein theoretischer Ansatz“ , sagt die Baudezernentin. „Inzwischen müssen wir Mut zur Lücke beweisen.“ Abgerissen wird zurzeit an verschiedenen Standorten.
In der Harnaustraße sind die drei Blocks der Wohnungsbaugenossenschaft mit insgesamt 144 Wohnungen bereits zu 70 Prozent verschwunden. Die Platten wurden einst in den alten Dorfkern hineingezwängt. In deren Abriss sieht Elke Löwe eine Chance, dass in dem Wohnquartier wieder die ursprüngliche Maßstäblichkeit entsteht. Die Blocks in der Hanseaten-/Kranichstraße stehen nicht mehr, ebenso wie jener in der Ernst-Thälmann-Straße.
In der Straße der Energie hat der Rückbau gerade begonnen, und vom Neumarktriegel steht nur noch ein kleiner Rest. 474 Wohnungen wurden im vergangenen Jahr zurückgebaut. Zusammen mit den Wohnblocks, die 2002 und 2003 aus dem Stadtbild verschwanden, sind es 656 Wohnungen - also nur ein kleiner Teil dessen, was noch bevorsteht. 2,4 Millionen Euro Fördermittel wurden bislang ausgegeben.
Im diesem Jahr sollen die so genannten Schlichtwohnungen in der Brecht straße abgerissen werden. Bis 2007, so lange dauert das Förderprogramm von Bund und Land, wird auch der Elfgeschosser in der Adolf-Hennecke/Bergbaustraße aus dem Stadtbild verschwinden. Für die Stadt tun sich damit ungeahnte Perspektiven auf: „Noch kehrt die Stadt dem See den Rücken zu“ , sagt Elke Löwe. Das soll sich ändern. Der Senftenberger See soll in der Stadt wieder erlebbar sein. Wie der Seezugang aussehen wird, steht noch nicht fest. Sicher sei, dass in diesem Jahr mit den Planungen begonnen und im Jahr darauf gebaut werden soll.
Fördermittel gibt es auch für Aufwertungsmaßnahmen, die ebenfalls im Rahmen des Stadtumbaukonzeptes ausgereicht werden. Was damit gemacht wird, darüber entscheiden die Stadtverordneten am 23. Februar.