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Museum zeigt preisgekrönte Unikate

Behutsam setzt Wissenschaftler Tom Fehrmann die farbenprächtigen Eier in Szene. Seit Samstag ist die neue Sonderausstellung "Sonnenrad und Wolfszähne – verzierte Ostereier aus der Lausitz" im Museum Schloss & Festung Senftenberg zu sehen.
Behutsam setzt Wissenschaftler Tom Fehrmann die farbenprächtigen Eier in Szene. Seit Samstag ist die neue Sonderausstellung "Sonnenrad und Wolfszähne – verzierte Ostereier aus der Lausitz" im Museum Schloss & Festung Senftenberg zu sehen. FOTO: Christiane Klein/chk1
Senftenberg. Alles andere als Eier-Einerlei ist seit Samstag im Museum Schloss & Festung Senftenberg zu sehen. Die neue Sonderausstellung "Sonnenrad und Wolfszähne – verzierte Ostereier aus der Lausitz" spannt den Bogen von der Kulturgeschichte des Eis bis hin zur Familientradition des Bemalens. Christiane Klein / chk1

Gezeigt werden die filigranen Werke von 25 Lausitzer Ostereierkünstlern.

Ganz vorsichtig setzt Tom Fehrmann ein verziertes Straußenei auf ein Bett aus Getreidekörnern. Geschafft! Das Ei steht, und wieder ist eine Vitrine fertig dekoriert. Über mehrere Tage hat der Wissenschaftler in der vorigen Woche die neue zweisprachige Sonderausstellung aufgebaut und dabei Hunderte Eier in Szene gesetzt. "Zu sehen gibt es hier alles: vom Straußenei bis zum Spatzenei und vom Naturei über Glas bis hin zu Plastikeiern", sagt Tom Fehrmann und zeigt ein bemaltes Ei aus Kunststoff, das von dem jüngsten Ostereiermaler stammt, der bei der Ausstellung mitmacht: einem Dreijährigen aus Seidewinkel.

Gleich nebenan stehen in einer Vitrine die filigranen Werke von Erika Lehmann aus Dörrwalde, eine der ältesten Ausstellerinnen. Sie gehört neben Renate Richter aus Senftenberg und Mitgliedern des Museum-Fördervereins zu den Eiermalern aus der näheren Umgebung, die ihre zerbrechliche Handwerkskunst bei der Sonderausstellung präsentieren.

Die Werke von insgesamt 25 Oster eierkünstlern aus der Lausitz sind im Museum vertreten - die meisten kommen aus dem Raum Hoyerswerda, Schleife und Bautzen. Denn die Wanderausstellung stammt ursprünglich vom Sorbischen Museum Bautzen und wurde durch die Senftenberger noch ein Stück mit lokalen Eiermalern erweitert. Die Besucher erwartet in der Festung eine Fülle an Eiern, die die Vielfalt und Liebe zu dieser Tradition in der Lausitz zeigen. Unter den Ausstellern, deren Werke im Foyer und im Schlosssaal zu sehen sind, sind bekannte Namen wie die Volkskünstlerin Birgit Marusch aus Mulkwitz und Sylvia Panoscha vom Sorbischen Kulturzentrum Schleife, die Bergener Glas- und Porzellanmalerin Birgit Pattoka, Lektorin und Schriftstellerin Dorothea Scholze aus Bautzen und Hubert Bartsch aus Rietschen, der als Spezialist für zweifarbige Kratztechnik gilt. Sie und die anderen Ostereierkünstler sind der Beweis dafür, wie mit verschiedenen Techniken und althergebrachten Symbolen immer wieder neue Unikate erschaffen werden.

Woher die Tradition des Eiermalens kommt und welche kulturgeschichtliche Bedeutung das Ei hat, das erfahren Besucher im Eck kabinett des Museums. Auf hellblauen Bannern werden hier auf Deutsch und Sorbisch Wissenswertes über "Das Ei im Lausitzer Volksglauben" oder die Geschichte "Vom Zinsei zum Patenei" erzählt und die unterschiedlichen Techniken vorgestellt. In einer großen Vitrine hat Tom Fehrmann historische Schätze arrangiert, die zeigen, dass sich die symbolträchtigen Formen wie Sonnenräder und Wolfszähne längst nicht nur auf Eiern wiederfinden: Die typischen Zierformen sind unter anderem auf Hammelglocken, Butterformen, Zaumzeug und Textilien zu entdecken.

Zu den Schätzen, die im Eck kabinett gezeigt werden, gehört auch ein Skizzenbuch aus den 1930er-Jahren, in dem Hans Masula Schleifer Muster festgehalten hat. Seine Tochter Roswitha Baumert aus Drebkau hat nach diesen Entwürfen Eier verziert, die jetzt in der Sonderausstellung zu sehen sind. Und noch etwas ganz Besonderes hat die Schau in Senftenberg zu bieten: In einer Vitrine im Eckkabinett ist die komplette Preisträgerkollektion des "Wettbewerbes um das schönste sorbische Osterei 2016" ausgestellt.

Zum Thema:
Die Ostereiermesse im Lübbenauer Spreewaldmuseum am vergangenen Wochenende war ein voller Erfolg. Besucher und Aussteller füllten reichlich Räume und Gänge, manches österliche Kunstwerk wechselte den Besitzer. In drei Etagen zeigten 42 Aussteller ihr Können. Peter Lehmann und Gerd Dück präsentierten das Korbflechten, andere Aussteller befassten sich mit Osterdekorationen. Noch dichter als alle anderen Stände waren die der "Exoten" unter den Eierkünstlern umlagert. Eva-Maria Mirle aus Hähnichen/Oberlausitz zeigte, wie Eier kunstvoll mit Bohrungen versehen werden, die letztlich ein Muster ergeben. Ricarda Preuß aus Grumbach/Sachsen malte mit feiner Feder Aquarelle auf die Eier, Ines Vorberg aus Berlin zeigte ein ähnliches Verfahren, die Gouache-Malerei.