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Multitalent brennt für Chemie und Informatik

Franziska Schneider (l.) und Lehrerin Elke Gutsch messen mithilfe eines programmierbaren Rechners den pH-Wert von Natriumhydrogensulfat.
Franziska Schneider (l.) und Lehrerin Elke Gutsch messen mithilfe eines programmierbaren Rechners den pH-Wert von Natriumhydrogensulfat. FOTO: Jan Augustin
Schwarzheide. Es gibt kaum eine Disziplin, die Franziska Schneider nicht beherrscht. Die junge Klettwitzerin ist auch international wettbewerbsfähig. Jan Augustin

Für einen kurzen Moment gerät Franziska Schneider ins Stocken. Dann fällt es ihr wieder ein, und sie muss lachen: "Ach genau, da sind ja noch die Sprachen." Bei so viel Talent kann man schon mal kurz den Überblick verlieren. Ja, auch beim Bundesfremdsprachenwettbewerb habe sie schon teilgenommen. In der 8. und 9. Klasse präsentiert sie der Jury ihre erstklassigen Englisch-Kenntnisse. Ob sie fließend spricht? "Gut, würde ich sagen", sagt die bescheiden.

Mit ihrem jüngsten Erfolg hat die 18-Jährige sogar weltweite Anerkennung erhalten. Bei einem internationalen Chemie-Wettbewerb schafft sie es unter die besten zehn Prozent. Das Royal Australian Chemical Institute hat ihr dafür eine Urkunde überreicht. Vergleiche mit globalem Ausmaß sind neu für Franziska Schneider - landesweite Wettbewerbe nicht. Mehrfach ist sie in den letzten Jahren bei Chemieolympiaden dabei - und schneidet immer gut ab.

Bei "Jugend forscht" im vergangenen Jahr erhält die Schülerin des Emil-Fischer-Gymnasiums in Schwarzheide den Sonderpreis "Umwelt". Gemeinsam mit ihrer Freundin hat sie untersucht, ob die Henna-Farben wirklich so unbedenklich sind wie angepriesen. Das Ergebnis: Ja, kauft man das Färbemittel in deutschen Apotheken, sei es ungefährlich. Henna-Pulver, das nicht im Fachgeschäft erworben wird, könne jedoch auch gesundheitliche Schäden verursachen, insbesondere wenn Zusatzstoffe beigemischt sind, erklärt die Schülerin, die mit der Mutter und der Oma in Klettwitz wohnt.

Ende April beginnen die Abiturprüfungen. Mathe, Physik, Deutsch und Wirtschaft hat sie sich ausgesucht. Ist kein Ausrutscher dabei, winkt ein Einser-Durchschnitt. Könnte klappen, sagt Franziska Schneider. Überzeugter klingt Elke Gutsch, die Chemielehrerin und Tutorin. "Wir hatten immer schon gute Schüler, aber mit so einem vielfältigen Talent noch nie", sagt sie. Dass sie nicht nur schulisch absolut spitze ist, sondern auch menschlich, begeistert die Lehrerin umso mehr: "Weil sie immer bereit ist, etwas zusätzlich zu machen. Sie guckt nicht auf die Uhr, sondern macht einfach."

Neben Englisch und Chemie kann Franziska Schneider auch Musik. Mit ihrem Gitarrensolo qualifiziert sie sich vor zwei Jahren bis ins Landesfinale. Im Schülerchor singt sie seit der 7. Klasse auch.

Und dann ist ja noch die Vorliebe für Zahlen. Bei der Matheolympiade des Oberspreewald-Lausitz-Kreises holt sie mehrfach Gold und Silber. Dass sie ein Faible für Informatik hat, liegt da nahe. Sie besucht Camps der deutschen Schülerakademie in Torgelow und am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam, wo sie ab September auch studieren will. Und danach? "Erst mal schauen. Langfristig will ich auf jeden Fall wieder in die Region zurückkehren", antwortet sie.

Zum Thema:
Aufgrund der "ausgezeichneten schulischen Leistungen und des hohen gesellschaftlichen Engagements" schlägt das Emil-Fischer-Gymnasium Franziska Schneider für das "Dehmel-Stipendium" vor. Die Beihilfe beträgt je 500 Euro für die ersten sechs Semester.