| 16:18 Uhr

Hartes Geld
Klingende Münze als Kostentreiber

Fleißig gesammeltes Kleingeld. Doch kostenfreie Einzahlungen sind  außer für Minderjährige und bei Spenden meist nur bei der eigenen Bank und bis zu einem bestimmten Betrag kostenfrei möglich.
Fleißig gesammeltes Kleingeld. Doch kostenfreie Einzahlungen sind außer für Minderjährige und bei Spenden meist nur bei der eigenen Bank und bis zu einem bestimmten Betrag kostenfrei möglich. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. Hartgeld aus der Sparbüchse, größere Kleingeldbeträge aus dem Portemonnaie oder Einnahmen aus Parkgeld- oder Toilettenautomaten einfach auf der Bank einzahlen? Das kann teuer werden. Von Barbara Remus

. Hartgeld(an)sammlungen haben seit etwa drei Jahren eines gemeinsam: Wer sie bei Kreditinstituten loswerden oder eintauschen möchte, muss teils mit erheblichen Gebühren rechnen. Grund: „Die Banken sind seit Anfang des Jahres 2015 - seitdem die EU-Richtlinie zur Münzgeldprüfung ins deutsche Recht umgesetzt wurde - verpflichtet, auch Münzen auf Echtheit zu prüfen.“ Das teilt Tanja Beller vom Bundesverband deutscher Banken mit.

RUNDSCHAU-Leser wie Eva-Maria Lange aus Brieske haben einschlägige Erfahrungen gemacht: Nachbarn, so schreibt sie, sollten für das Umtauschen von fünf Rollen Hartgeld fünf Euro bezahlen. Beim Fleischer in einem Supermarkt werde darauf hingewiesen, dass Kleingeld nur noch in geringen Mengen entgegengenommen werde. Auf der Post habe sie erfahren, dass Kleingeld aus Sparbüchsen als Zahlungsmittel nicht mehr angenommen werde, weil beim Einzahlen auf der Bank Gebühren zu berappen sind.

Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Niederlausitz, Lothar Piotrowski, bestätigt diese Entwicklung. Zur eingangs genannten Prüfung des Hartgeldes ergänzt er: „Es geht nicht nur um die Echtheit der Geldstücke, sondern auch um deren Umlauffähigkeit hinsichtlich möglicher Beschädigungen. Diese ursprüngliche Aufgabe der Bundesbank haben jetzt die Kreditinstitute zu leisten.“ Das alles belaste besonders die Sparkassen, weil sie mit ihren Dienstleistungen in der Fläche präsent seien. „Unsere Sparkasse konkret hat 16 Geschäftsstellen im Landkreis Oberspreewald-Lausitz“, so Piotrowski. Auf die Kunden seiner Bank singt er ein Hohelied, will sie jedenfalls gegenüber Fremdkunden bevorzugen. Piotrowski betont: „Unsere Privatkunden kostet die Einzahlung von Hartgeld nichts. Geschäftskunden erhalten Safe-Bags, in die sie vier Kilogramm Hartgeld einfüllen können.“ Das Hartgeld transportieren Werttransportunternehmen zur Bundesbank. Und das, sowie die Prüfungen, koste ein Kreditinstitut richtig Geld. „Fremdkunden bitten wir deshalb auch gebührend zur Kasse“, so Piotrowski.

Von der VR Bank Lausitz in Cottbus erklärt deren Sprecher Steffen Meisel: „Grundsätzlich ist die Einzahlung von Hartgeld für Mitglieder und Kunden unseres Hauses möglich. Die Gebührenhöhe richtet sich nach der Höhe der Einzahlung. Diese Staffelung ist unter anderem im Preisaushang innerhalb der Angaben „weitere Regelleistungen“ aufgeführt.

Von der Postbank teilt deren Sprecherin Iris Laduch-Reichelt mit, dass eigene Kunden entgeltfrei Hartgeld in handelsüblichen Mengen auf das eigene Konto einzahlen können. Entsprechend des Münzgesetzes gelten als handelsüblich 50 Münzen je Kunde. Außerdem ermögliche eine neue Generation von Kassensystemen das bequeme und vollständig automatisierte Ein- und Auszahlen von Bargeld. Zählen, Einzahlen, Wechselgeld, und Ähnliches führe dieses Kreislaufsystem automatisiert durch.

Für das Bareinzahlen von Münzgeld gebe es an immer mehr Standorten Geldautomaten mit Einzahlfunktion für Münzgeld und Geldscheine. Auch von Nicht-Kunden werde prinzipiell Kleingeld angenommen. Es könne entweder entgeltpflichtig auf ein bei einer Fremdbank geführtes Konto eingezahlt oder kostenfrei gewechselt werden.

Degussa-Bank, Deutsche Bank und Commerzbank haben ihre Fakten ebenfalls übermittelt.  Zu denen gehört bundesweit, dass für Geldprüfungen „nur Zähl- und Sortiermaschinen verwendet werden dürfen, die den Vorgaben der Richtlinie entsprechen“, so Tanja Beller vom Bundesverband deutscher Banken. Und sie fügt hinzu: „Deshalb wird das Münzgeld zumeist gesammelt und an Werttransportunternehmen weitergeleitet, die die Prüfung übernehmen.“ Das Geld werde dann häufig in einem „losen Gebinde“ (sprich Beutel oder ähnlichem) unsortiert und ungerollt weitergegeben. Auf dem umgekehrten Weg erfolge durch die Wertdienstleister auch die Portionierung für Filialen. „All diese nachgelagerten Prozesse kosten zusätzlich Geld“, so Tanja Beller. Wie hoch die Gebühren sind, sei nach oben nicht begrenzt.