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| 15:27 Uhr

Das lange Warten auf einen MRT-Termin in Senftenberg und Lauchhammer
Terminnot: Engpass vor der Röhre

 Das lange Warten auf einen MRT-Termin gehört rund um Senftenberg zum Alltag. Mit dem Kauf eines zweiten Gerätes für das Krankenhaus Lauchhammer hat sich die Wartezeit kaum verkürzt. Von dem Gerät profitieren mit wenigen Ausnahmen nur stationäre Patienten.
Das lange Warten auf einen MRT-Termin gehört rund um Senftenberg zum Alltag. Mit dem Kauf eines zweiten Gerätes für das Krankenhaus Lauchhammer hat sich die Wartezeit kaum verkürzt. Von dem Gerät profitieren mit wenigen Ausnahmen nur stationäre Patienten. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
Lauchhammer. Zwei MRT-Geräte in Senftenberg und Lauchhammer – und trotzdem müssen Kassenpatienten monatelang auf einen Termin warten. Eine Röhre kommt hauptsächlich nur Krankenhaus-Patienten zugute. Von Andrea Budich

Frieder Sawinski aus Grünewalde leidet unter quälenden Rückenschmerzen. Vor 21 Jahren an der Lendenwirbelsäule operiert, drückt der Schmerz jetzt wieder mit voller Wucht durch. Um eine Diagnose zu bekommen, soll so schnell wie möglich eine Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt werden. Sein Hausarzt hat den Überweisungsschein Anfang Juli ausgeschrieben. Doch der nächste Termin ist frühestens im September frei.

Den begehrten Platz in der Röhre findet der 69-jährige einstige Schichtleiter im Tagebau Klettwitz-Nord weder in der Radiologischen Praxis in Senftenberg noch im Krankenhaus Lauchhammer.

In Senftenberg muss er auf einen Termin bis Mitte September warten, weil er kein akuter Notfall ist. In Lauchhammer dürfen im Institut für Radiologie und Neuroradiologie des Klinikums Niederlausitz bis auf wenige Ausnahmen nur Krankenhaus-Patienten durch die Röhre. Für Frieder Sawinski ist das kostbare Wartezeit, die er zum Therapieren und Gesunden verliert.

Langes Warten auf einen MRT-Termin in Senftenberg

Das lange Warten auf einen verordneten MRT-Termin trifft rund um Senftenberg nicht nur Frieder Sawinski. Dabei sollten sich doch mit dem vor zweieinhalb Jahren in Lauchhammer in Betrieb genommenen 1,6 Millionen Euro teuren MRT-Gerät die Wartezeiten deutlich verkürzen.

Der alarmierende Mangel an Röntgenassistenten ist jedoch nicht Ursache für die Lausitzer Termin-Misere. „Das ist nicht korrekt“, bestätigt Chefarzt Dr. Hartmut Husstedt aus dem Institut für Radiologie und Neuroradiologie am Klinikum Niederlausitz.

Das Klinikum habe eine Zulassung zur vollständigen ambulanten MRT-Versorgung bei der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg beantragt. „Diese ist aber abgelehnt worden“, so der Chefarzt. Für ambulante Patienten hat das Klinikum lediglich eine Zulassung für MRT-Untersuchungen im Kopf- und Wirbelsäulenbereich. Dafür muss jedoch eine Überweisung von einem Neurologen, Neurochirurgen, Nervenarzt oder Psychiater vorliegen.

Und genau diese Überweisung kann Frieder Sawinski nicht vorlegen. Mit seinem vom Hausarzt ausgestellten Schein muss er sich in der Radiologischen Praxis von Dr. Klaus-Günter Karich in Senftenberg einen Termin ergattern.

MRT-Termin nach der medizinischen Dringlichkeit

Schnell zum Zuge kommt der Frührentner aus Grünewalde aber auch dort nicht. Termine werden derzeit für Mitte September vergeben. Vor Anfragen können sich die Schwestern in der Radiologischen Praxis kaum retten.

„Entschieden wird immer nach der medizinischen Dringlichkeit,“ erklärt Dr. Karich. Wer seit Jahren unter Kopfschmerz leidet, gehört nicht zu den Akutfällen. Bei einem Tumorverdacht hingegen ist ein MRT-Termin noch in der selben Arbeitswoche drin.

Auch der Verschleiß eines Kniegelenkes besitzt keine Dringlichkeit. Bei Verdacht auf einen Kreuzbandriss nach einem Fußballspiel kann aber ganz schnell reagiert werden.

Bei Wartezeiten bis zu einem Vierteljahr werde derzeit sogar samstags gearbeitet. Drei Mal im Monat legen die Mitarbeiter der Radiologischen Praxis in Senftenberg Samstags-Schichten ein. „Aber auch das reicht noch nicht aus, die Lage zu entspannen“, sagt Dr. Karich.

MRT-Geräte voll ausgelastet

Ohnehin sind seine Geräte voll ausgelastet. Sie laufen von morgens bis abends, 14 bis 16 Stunden am Tag. „Durch die Röhre“ geschickt werden in der Radiologischen Praxis in Senftenberg auch Krankenhaus-Patienten. Die Zusammenarbeit mit dem Klinikum Niederlausitz auf Grundlage eines Kooperationsvertrages habe sich seit 14 Jahren bewährt.

Kassenpatient Frieder Sawinski geht trotzdem leer aus. Für das MRT-Gerät in Lauchhammer kann er nicht den passenden Überweisungsschein zücken. In Senftenberg fällt er durch die Dringlichkeits-Maschen und muss sich hinten anstellen. Der Bergbaurentner hat sich daher, wie viele andere Kassenpatienten auch, andernorts gekümmert. Am 5. September hat er in der Radiologischen Praxis Elsterwerda seinen MRT-Termin sicher. „Riesa und Dresden wären noch weiter gewesen“, nimmt der Rentner den Fahrweg sportlich.

 Das lange Warten auf einen MRT-Termin gehört rund um Senftenberg zum Alltag. Mit dem Kauf eines zweiten Gerätes für das Krankenhaus Lauchhammer hat sich die Wartezeit kaum verkürzt. Von dem Gerät profitieren mit wenigen Ausnahmen nur stationäre Patienten.
Das lange Warten auf einen MRT-Termin gehört rund um Senftenberg zum Alltag. Mit dem Kauf eines zweiten Gerätes für das Krankenhaus Lauchhammer hat sich die Wartezeit kaum verkürzt. Von dem Gerät profitieren mit wenigen Ausnahmen nur stationäre Patienten. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE