Während Kinder zwischen drei und sechs Jahren gerade einmal mit dem Fahrrad fahren können, drehen einige ihrer Alterskameraden bereits am Gasgriff von Motocrossmaschinen und fahren Rennen - gefördert von den Eltern. Je zeitiger sie beginnen, desto intensiver entwickeln sie das notwendige Gefühl für diese temporeiche und nicht ganz ungefährliche Freizeitbeschäftigung. Das ist in anderen Sportarten nicht anders.

Damit es einen Anlaufpunkt für Nachwuchsfahrer gibt, einer vom anderen lernen, gemeinsam trainiert und die technische Seite koordiniert werden kann sowie die nicht unerheblichen Kosten für jeden im Rahmen bleiben, hat der Ortrander Lars Täubert das Juniorteam Spies ins Leben gerufen. Eine gemeinsame Trainingswoche im Winter bei Mailand in Italien hat die Jungs bereits zusammengeschweißt. "Wir haben eine gute Fahrerlagergemeinschaft", stellt der Teamchef und Trainer fest. Der Werkstattmeister beim Ortrander Zweiradfachhandel Spies war einst selbst ein erfolgreicher Fahrer.

Gut in die Saison gestartet

Inzwischen hat der Motocrossnachwuchs den Saisonauftakt mit Bravour bestanden. Sohnemann Maximilian Spies hat den internationalen Wintercup in Dolle bei Stendal gewonnen. In diesem Vorbereitungsrennen der 85-Kubikzentimeter-Klasse der Zehn- bis 16-Jährigen wurde der hoch aufgeschossene Zwölfjährige souveräner Sieger. In dem 20-Minuten-Rennen deklassierte er die zumeist ältere Konkurrenz mit eineinhalb Minuten Vorsprung.

Es folgte ein 1. Platz beim Auftakt zur Deutschen Meisterschaft in Bad Salzungen. Nach sechs Läufen möchte der Ortrander Oberschüler Max, wie er nur genannt wird, ganz oben auf dem Treppchen stehen und Champion sein.

Zusätzlich wird er nach Auskunft seines Vaters an dem höherwertigen ADAC-Juniorcup teilnehmen. "Bei den sieben Rennen sind Fahrer aus 16 Nationen am Start", weiß Lars Täubert. An diesem Wochenende geht es in der Motocrosshochburg Fürstlich Drehna los.

Den Verein gewechselt

Die dortigen Verantwortlichen sind längst auf Maximilian aufmerksam geworden und haben ihn für sich gewinnen können. "Alle sind begeistert von Max. Dort genießt er eine bessere Förderung", hofft Lars Täubert auf weitere weite Sprünge seines Schützlings. Der kleine MC Gemeindeverband Ortrand könne diese Bedingungen natürlich nicht bieten, zumal es zu Hause nicht mal mehr eine Trainingsstrecke gebe. Wer auf guten Pisten unterwegs sein wolle, der müsse bis Luckau, Spremberg und Boxberg fahren. Die Qualität der Strecke am Lausitzring schätzen die Ortrander nicht so hoch ein, zumal diese im Winter geschlossen sei. Doch gerade dann müsse für die Saison trainiert werden.

Während Max Spies erfolgreich seine Runden im Motocross dreht, eifern ihm andere nach. So wie Richard Stephan aus Saalhausen. Vor zwei Jahren haben die Ortrander die motorsportbegeisterte Familie auf einer Strecke kennengelernt. Seitdem ist der heute Elfjährige dabei. In seiner ersten Saison belegte er in der Sachsenmeisterschaft Platz 10 unter etwa 25 Teilnehmern. Im neuen Jahr läuft es noch besser. Ein 1. und ein 3. Platz stehen nach den ersten beiden Rennen der Ostdeutschen Meisterschaft bereits im Startbuch. Der Junge fährt eine KTM mit 65 Kubikzentimetern und 17 PS. Spitze sind etwa 80 km/h. "Richard trainiert fleißig und bringt gute Leistungen. Seine Eltern unterstützen ihn", lobt Trainer Lars Täubert das Umfeld. Der Saalhausener möchte die Sachsenmeisterschaft gewinnen und soll in die Deutsche Meisterschaft hineinschnuppern.

Alterskamerad Fabian Barske aus Lauchhammer ist die dritte Saison Motocrosser und auf die nächststärkere Maschine umgestiegen. Er ist mit einer 85-Kubik-Husqvarna unterwegs. Beim 1. Lauf zur Sachsenmeisterschaft belegte er unter 38 Fahrern Rang 19. "Fabian soll in dieser Saison nur mitfahren", übt Lars Täubert keinen Druck aus.

Jüngster im Bunde ist der erst sechsjährige Moritz Firl. Auch in Ruhland fällt der Apfel nicht weit vom Stamm. Sein Vater Matthias ist einst Straßenrennen im Yamaha-R6-Cup gefahren.

"Moritz ist ein aufgeweckter und ehrgeiziger Junge", setzt Lars Täubert einige Hoffnungen in den Youngster. Während andere Eltern vor Angst die Hände heben, ist der kleine Moritz auf seiner 50er-KTM mit zwölf PS bis zu 60 km/h schnell und wagt schon respektable Sprünge. Dies hat in der Altersklasse der Sechs- bis Neunjährigen auch schon die Konkurrenz zu spüren bekommen. Als einer der Jüngsten belegte der Ruhlander beim 1. Lauf zur Sachsenmeisterschaft den 3. Platz.

Dass die Ortrander Mannschaft der Motocrosser immer wieder in Sachsen fährt, hat praktische und finanzielle Gründe. Die Wege sind kürzer als bei der gemeinsamen Meisterschaft von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Ein Punkt ist Teamchef Lars Täubert bei allen Fahrern wichtig: ordentliche Leistungen in der Schule. "Da passen die Eltern auf", versichert er.