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| 15:59 Uhr

Künstlerischer Ideenwettbewerb ist entschieden
Möglichkeitsräume für den Seecampus

Die Fassadengestaltung mit Graffiti und ein Schulgarten gehören zum Siegerentwurf von Martin Kaltwasser.
Die Fassadengestaltung mit Graffiti und ein Schulgarten gehören zum Siegerentwurf von Martin Kaltwasser. FOTO: Brandenburgischer Kunstverein Po / Entwurf Martin Kaltwasser
Schwarzheide. Im Ideenwettbewerb für die künstlerische Ausgestaltung des Seecampus Schwarzheide steht jetzt ein Sieger fest: Der Berliner Martin Kaltwasser gewinnt mit seinem Konzept, die Kreativität der Schüler für neue Räume zu nutzen.

Der Berliner Künstler Martin Kaltwasser hat sich im Ideenwettbewerb für eine künstlerische Weiterentwicklung des Bildungszentrums Seecampus Niederlausitz durchgesetzt. Die zehnköpfige Jury empfahl damit einen Entwurf, der unter dem Titel „Der Möglichkeitsraum oder Das Gestalt gewordene Zwischen“ möglichst große Teile der Schüler- und Lehrerschaft in die weitere künstlerische Arbeit einbeziehen will.

So schlug Kaltwasser keine fertige Gestaltung vor, sondern entwickelte eine ganze Reihe möglicher Teilprojekte. Dazu gehören ein Schulgarten, die Gestaltung der Gebäudefassade und kleine Objekte in Schulnähe als „Satelliten“ für verschiedene Nutzungen. In Workshops und anderen Beteiligungsformen sollen die Schulnutzer den Seecampus nun in ein „Laboratorium“ verwandeln und gemeinsam darüber entscheiden, wie die Schule sich verändern soll. Dabei setzt der Künstler auch auf die Zusammenarbeit mit Unternehmen und Bürgern im Umfeld des Bildungszentrums.

Auf den zweiten Platz wählte die Jury den Niederländer John Körmeling aus Eindhoven, der vorgeschlagen hatte, den kompakten, zur Außenwelt abgeschlossenen Seecampus-Bau mit einer frei tragenden, weit ausschwingenden Wendeltreppe zu ergänzen, die direkt auf das Dach führen würde. „Erweitert mit freiem Raum“, so der Titel, versteht den Raum neben und auf der Schule als Teil einer zu gestaltenden „Open-Air-Schule“ und will die Architektur „mit ihrem Gegenteil“ ergänzen.

Der dritte Platz geht an das Atelier Van Lieshout in Rotterdam und damit ebenfalls in die Niederlande. Mit „King Kong“ hatte Atelier van Lieshout einen „Affenfelsen“ vorgeschlagen, der auf seiner Vorderseite wie eine Tribüne gestaltet ist und den Schülern die Möglichkeit geben würde, sich in kleinen Gruppen zusammenzufinden und in einem Spiel aus Sehen und Gesehenwerden vor der Schule zu posieren. Zugleich bietet die ausgehöhlte Rückseite einen geschützten Raum, um sich zurückzuziehen und stellt dem modernistischen Campus so einen archaischen Gegenentwurf gegenüber.

Daneben empfahl die Jury auf ausdrücklichen Wunsch der beiden Schulvertreter, eine weitere Ausarbeitung und spätere Realisierung des Entwurfes „Patch“ von Franka Hörnschemeyer (unter Mitarbeit des Architekten Christoph Stolzenberg) zu prüfen. Die Künstlerin hatte die Installation eines flexiblen, frei gestalt- und veränderbaren Dachs über dem Schulinnenhof empfohlen. „Die Jury sah hier den Beteiligungswunsch nicht ausreichend berücksichtigt, sieht in dem Dachentwurf aber eine wünschenswerte Ergänzung der Campus-Architektur außerhalb des Wettbewerbs und seiner engeren Zielrichtung“, teilt Gerrit Gohlke, künstlerischer Leiter beim Brandenburgischen Kunstverein Potsdam, mit. Der Kunstverein ist Mitausrichter des Ideenwettbewerbes.

Dem Wettbewerb war ein mehrjähriger Beteiligungsprozess mit Workshops und Befragungen im Seecampus vorausgegangen. Die Künstlerinnen und Künstler, darunter auch Pawel Althamer aus Warschau und Hester Oerlemans aus Berlin, hatten im Laufe des Verfahrens direkt mit Schülern zusammengearbeitet.

Ihre Entwürfe waren die Antwort auf die dabei ermittelten Bedürfnisse. Die Jury widmete sich deshalb mit besonderem Augenmerk auch diesem Dialog zwischen Kunst und Schule und maß die eingereichten Entwürfe auch an ihrer Sensibilität für die Schülerwünsche.

In ihrer Begründung würdigte die Jury Martin Kaltwasser für seine radikale Öffnung gegenüber den beiden Schulen am Schwarzheider Bildungsstandort. „Statt allein einen profilierten Gestaltungsvorschlag vorzulegen, bietet Kaltwasser eine besonders profunde Schulanalyse an“, so die Erklärung der Juroren, „aus der er eine ganze Typologie der Lösungsvorschläge ableitet. Das Verfahren ist hier bereits ein Teil des Ziels. Rund um das Gebäude herum beschreibt er mögliche Räume, Platz- und Wandgestaltungen, die er erst im Dialog mit den Schülern endgültig fixieren will. Partizipation ist hier keine Modefloskel, sondern eine künstlerische Denk- und Handlungsform. Kunst will sich hier nicht selbst verwirklichen, sondern Freiräume für schulische Leidenschaft schaffen“, erklärte die Jury.

Kaltwassers Projekt schlägt dabei vor, die Außengestaltungen im Gebäudeinneren durch Wandgestaltungen widerzuspiegeln. Inneres und Äußeres sollen sich durchdringen und im Lernalltag daran erinnern, wie Kreativität und soziales Miteinander Räume für unseren Alltag verändern können.

Es komme nun darauf an, dass „aus dem kreativen Miteinander ein schlüssiges Gesamtbild wird, das für die Zukunft des Seecampus steht“, erklärte Landrat Siegurd Heinze, der dabei auf Martin Kaltwassers Projektbeschreibung verwies. In ihr hatte der Künstler von „Möglichkeitsräumen“ gesprochen, „aus denen heraus ein selbst gestaltetes, zur Identifikation einladendes Schulumfeld entsteht“ und eine „leidenschaftlich gelebte Alltagskultur“ verlangt.

Der Berliner Künstler Martin Kaltwasser hat den Siegerentwurf für das Kunstprojekt für den Seecampus Schwarzheide erarbeitet.
Der Berliner Künstler Martin Kaltwasser hat den Siegerentwurf für das Kunstprojekt für den Seecampus Schwarzheide erarbeitet. FOTO: Brandenburgischer Kunstverein Po / Steffen Rasche