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| 18:45 Uhr

Kurzfilmtage in Senftenberg
Modehaus wird zum Filmschauplatz

Die Senftenberger Videofilmer stimmen sich vor dem Theater auf den Wettbewerb ein: (v.l.) Michael Franke (Festivalleiter und Kamera), Jürgen Haase (Kamera und Ton), Alexander Haase (Hauptdarsteller, Wachtmeister und Klubmitglied), Andreas Ristau (Kamera) und Matthias Schulz (Kamera, Drehbuch).
Die Senftenberger Videofilmer stimmen sich vor dem Theater auf den Wettbewerb ein: (v.l.) Michael Franke (Festivalleiter und Kamera), Jürgen Haase (Kamera und Ton), Alexander Haase (Hauptdarsteller, Wachtmeister und Klubmitglied), Andreas Ristau (Kamera) und Matthias Schulz (Kamera, Drehbuch). FOTO: PETER ASWENDT / Aswendt Peter
Senftenberg. Senftenberger Videofilmer räumen bei den 10. Kurzfilmtagen am Wochenende ab. Der vierte Polizeifilm mit Hobby-Hauptwachtmeister Alexander Haase setzt den Videokult fort. Starkes Teilnehmerfeld mit 48 Filmen. Von Peter Aswendt

Ambitionierte Minutenfilmer aus ganz Deutschland haben sich am Wochenende zu den 10. Senftenberger Kurzfilmtagen in der Kreisstadt getroffen. Dass von den Videofilmern Senftenberger organisierte Filmevent zeigte zwei Wettbewerbe - den 25. Deutschen Minutenwettbewerb und den Lausitzer Findlingscup. Wettbewerbsort war wie immer die Neue Bühne Senftenberg.

„Das hätten wir diesmal nicht erwartet, dass unser Polizeifilm im Finale landet“, sagt ein überglücklicher Festivalleiter und Videoklubmitglied Michael Franke. Der Minutenfilm mit dem bezeichnenden Titel „Knöllchen“ ist der Vierte aus der Polizeireihe, die die Senftenberger Videofilmer als Klubprojekt an den Start schickten.

Wie immer ist Klubmitglied Alexander Haase in der Wachtmeisterrolle. Mit beißendem Sarkasmus auf das akribische Knöllchenschreiben für einen Falschparker spricht er das falsche Pärchen an. Erst als die Frage kommt: „Zeigen Sie mal den Fahrzeugschein“, und die Antwort folgt „ich habe keine“, löst sich das Missverständnis auf: „Wir müssen zu unserem Auto, Mutti wartet“, so die zynische Antwort an den Wachtmeister, der etwas verdutzt dreinschaut. Diese tiefgründige Ironie in 60 Sekunden zu packen, ist eine kleine Meisterleistung, die aber von den Videofilmern aus Senftenberg in Perfektion beherrscht wird.

„Wir haben fast drei Stunden gedreht und nochmals zwei Stunden den Film geschnitten“, zeigt Jürgen Haase, der als Kameramann am Projekt beteiligt war, den Aufwand auf. „Die Geschichte hatten wir jeder etwas anders im Kopf und deshalb gaben wir unsere Ideen an Matthias Schulz weiter, der im Auto alles auf dem Notebook zusammenschrieb“, lacht der Minuten-Filmer. Gedreht wurde der Film in Großräschen auf dem Markt, schlicht und ergreifend aus dem Grund, da dort ein Halteverbotsschild steht. Das Auto war ein Wagen von einem Videofreund, die abgelaufene Plakette kam als Retusche auf das Nummernschild. Der abgefahrene Reifen wurde nur neben dem Auto hingestellt und ein günstiger Filmwinkel gewählt. Daran kann man erkennen, dass Minuten-Filmer totale Pragmatiker sind. Hauptdarsteller Alexander Haase hatte seine Uniform wie immer aus dem Theaterfundus, und als zynisches Pärchen fungierten die guten Bekannten Randy Schmeil und Christin Günther.

Der vierte Polizeifilm ist für den 31-jährigen Videofilmer schon zur Routine geworden: „Ich werde gar nicht mehr gefragt, ob ich den Wachtmeister spiele, das ist einfach so“, schmunzelt er. Dass ein fünfter Film für das nächste Jahr geplant ist, lässt er dabei auch schon ein wenig durchblicken.

Für den Minutenwettbewerb waren in diesem Jahr 48 Filme gemeldet. Darunter der Titelverteidiger Dr. Frank Dietrich vom heimischen Klub, der zusammen mit Matthias Schulz den Film „Wunderland bei Nacht“ an den Start brachte. Eine im Shoppingwahn befindliche Frau hatte ihren Mann samt Einkaufstüten im Senftenberger Modehaus Voigt vergessen. Als sie abends das Geschäft aufschließen lies, nimmt sie bloß die Tüten mit, der Mann bleibt zurück. Beißender Humor zum Einkaufswahn so mancher Frau – oder sind die Männer nur zum Tragen da?

Beide Filme, „Knöllchen“ wie auch „Wunderland“, hangelten sich mit Stimmenmehrheit durch den Wettbewerb und landeten schließlich im Finale. Das Kopf-an-Kopf-Rennen entschied dann mit wenigen Stimmen Unterschied das „Wunderland bei Nacht“ für sich. Den Senftenberger Erfolg machte noch der dritte Platz von Videoklubfilmer Wolfgang Jan mit dem Beitrag „Abnehmen“ perfekt.

Knapp 250 Zuschauer sahen und bewerteten die Filme des Wochenendes. Neben den Minutenfilmen gab es noch die Kurzfilme, die von einer Jury im sogenannten Findlingscup bewertet wurden. Hier gewann der Kurzfilm „Patagoniens Küstenbewohner“ von Erich Herold aus Singen. Den Publikumspreis bekam „Zmij – Der Drache“ von Angela Schuster aus Lohsa.

Für Festivalleiter Michael Franke war es indes der letzte Chefeinsatz beim Senftenberger Festival: „Ich ziehe mich nach sechs Festivalleitungen und 30 Jahren Videoklub aus Altersgründen zurück“, gibt er  bekannt. Auch seine Ämter im Vorstand wird er in Kürze niederlegen. Er bleibt aber Klubmitglied und Polizeifilmfan.

Die Erstplazierten des 25. Deutschen Minutenwettbewerbes, der übrigens den Bund Deutscher Filmautoren (BDFA) als Träger hat, werden Mitte Mai nach Rain am Lech zu den 76. Deutschen Filmfestspielen fahren. Und vielleicht geht’s dann in die große Filmwelt.