Die Baugrube war noch nicht einmal richtig ausgehoben, da klingelte bei Beata Schneidereit in Hohenbocka schon das Telefon. "Das Interesse an unserem Erweiterungsbau ist sehr groß", bestätigt die Chefin des ambulanten Pflegedienstes "Krankenpflege mit Herz". Die 15 Plätze für pflegebedürftige Senioren sind begehrt, das zeichnet sich schon lange vor der Eröffnung zum Jahresende ab.

Für Alexander Erbert, den Sozialdezernenten des Landkreises, ist das keine Überraschung. In der Tagespflege sieht er ein Zukunftsmodell - auch für den Landkreis Oberspreewald-Lausitz. "Es ermöglicht ein langes Leben im eigenen, vertrauten sozialen Umfeld", begründet er. Mit der wachsenden Zahl der Pflegebedürftigen im Kreis wachse zugleich die Herausforderung für die Angehörigen. Rund Dreiviertel der Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt. Entlastungsangebote wie das der "Krankenpflege mit Herz" helfen, die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zu gewährleisten. Die nächstgelegenen Tagespflege-Einrichtungen gibt es in Kroppen und in Senftenberg. Das sind für pflegebedürftige Ältere aber zu weite Wege.

Dabei brauchten die Bauherren Beata und Rico Schneidereit aus Hohenbocka trotz des allseits bescheinigten hohen Bedarfs für ihr Projekt einen langen Atem. Mit fertigen Plänen standen sie schon lange in den Startlöchern. Schließlich ist der Standort in Hohenbocka dafür nahezu ideal. Das 3500 Quadratmeter große Grundstück am Firmensitz des ambulanten Pflegedienstes ist ruhig im Grünen gelegen. Platz für einen Garten ist vorhanden. Er bietet später die Voraussetzung, um mit Farben visuelle Anreize zu schaffen, damit sich demente Gäste besser zurechtfinden können. Was den Baustart bis zum Schluss verhinderte, waren die fehlenden Fördermittel. Ohne Griff in den Fördertopf war die private rund 300 000 Euro-Investition nicht zu stemmen. Umso größer war die Freude bei den Schneidereits, als im Februar der lange erhoffte Fördermittelbescheid endlich in Hohenbocka eintraf. Für ihre Tagespflege bekommen sie 131 000 Euro aus EU- und Landesmitteln.

Nach dem ersten Spatenstich Mitte April soll jetzt alles ganz schnell gehen. Im Oktober, spätestens im November sollen die ersten Tagespflege-Gäste in Hohenbocka betreut werden. Die Mitarbeiterzahl wird dafür von bisher 30 auf 34 aufgestockt. "Gute Leute zu finden, ist unser größtes Problem", bestätigt die gelernte Krankenschwester Beata Schneidereit einen so gut wie leer gefegten Arbeitsmarkt im Pflegebereich. Sobald sie ihr Team verstärkt hat, will sie mit der ersten Tagespflegestätte im Amtsbereich Ruhland das Pflege-SOS entschärfen helfen.

Zum Thema:
Derzeit gibt es im Landkreis Oberspreewald-Lausitz rund 4500 Pflegebedürftige. Statistiker gehen davon aus, dass diese Zahl mit der insgesamt älter werdenden Bevölkerung deutlich steigt. Folgende Prognosewerte wurden ermittelt: 2020 - rund 5200 Pflegebedürftige; 2025 rund 5900; 2030 - rund 6300.Im Landkreis gibt es aktuell 145 Plätze in insgesamt zehn Tagespflegestätten.Übersicht: DRK-Tagespflege "Am Mädchenbrunnen" Calau; DRK-Tagespflege Lauchhammer; DRK-Tagespflege Kroppen; Seniorenresidenz Calau; Tagespflege "Haus am Spreewald" in Lübbenau; Tagespflege "Am Birkenwäldchen" Vetschau; ASB-Begegnungsstätte Senftenberg; Seniorenhof "Mückenberger Ländchen" Lauchhammer; Tagespflege "Am kleinen Wald" Calau sowie Tagespflege "Neue Freundschaft". Die im Bau befindliche Tagespflege in Hohenbocka erhöht ab Ende 2016 die Platzkapazität kreisweit auf 160 Plätze für pflegebedürftige Senioren.