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| 12:30 Uhr

Ehrenamt
Mit Können, Kind und Kegel

Sportwart Helmut „Kalle“ Haatz (l.) und die Vereinsvorsitzende Mandy Schön gehören zu den Säulen im Kegelsportverein (KSV) 1992 Altdöbern. Mit ihren sportlichen Aktivitäten im Frauenfußball und im Bohlekegeln gilt die heute in Kolkwitz lebende Schön als vielseitigste Sportlerin der Gemeinde.
Sportwart Helmut „Kalle“ Haatz (l.) und die Vereinsvorsitzende Mandy Schön gehören zu den Säulen im Kegelsportverein (KSV) 1992 Altdöbern. Mit ihren sportlichen Aktivitäten im Frauenfußball und im Bohlekegeln gilt die heute in Kolkwitz lebende Schön als vielseitigste Sportlerin der Gemeinde. FOTO: Uwe Hegewald
Altdöbern. Ohne Ehrenamt wäre das Leben im Landkreis OSL nicht so bunt wie es ist. Für ihr Wirken wird verdienstvollen Bürgern regelmäßig gedankt. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche. Heute: Mandy Schön, Altdöbern.

Wer Medienberichte verfolgt, sich persönliche Ausführungen von Keglern verinnerlicht oder Vereinsprotokolle liest, dem könnten die gegenwärtigen Entwicklungen im Kegelsport Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Der Altersdurchschnitt in Vereinen, die den Präzisionssport auf Bohle-, Schere- oder Classic-Kegelbahnen betreiben, steigt unaufhörlich. Nur spärlich hinzustoßender Nachwuchs trübt die Stimmung des für seine Geselligkeit und Emotionen bekannten Breitensports.

Bei den erfolgsverwöhnten Bohlekeglern des KSV Altdöbern 1992 ist das jedoch kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. „Nachwuchsgewinnung nimmt bei uns einen hohen Stellenwert ein. Im Idealfall gelingt es uns, Interessierte über die Arbeitsgemeinschaft Kegeln zu gewinnen, die über die Lilien-Grundschule angeboten wird“, führt Vereinsvorsitzende Mandy Schön an. Und sie führt einen Namen an, der mit der Jugendschmiede unmittelbar in Verbindung steht: Helmut „Kalle“ Haatz. „Seit mehr als zehn Jahren leitet er die AG, trainiert den kompletten Nachwuchskader und richtet Trainingspläne danach aus, wie Kinder und Jugendliche es zeitlich einrichten können“, sagt Mandy Schön anerkennend. Sein Engagement und die zahlreichen Erfolge „seiner“ Sprösslinge auf Kreis- oder auf Landesebene und sogar bei Deutschen Meisterschaften mündeten im Jahr 2016 in eine Einladung zum Tag des OSL-Ehrenamtes. „In der Regel ist Kalle viermal wöchentlich auf der Kegelbahn und schiebt in der Landesliga Herren ABC selbst noch Kugeln“, so die Vereinsvorsitzende.

Vor zwei Jahren hat sie den Vorsitz von Gerd Heine übernommen, der den Verein zuvor ein Vierteljahrhundert geführt hat. Als sich auf der Wahlversammlung keiner für die Funktion gefunden hat, habe sie letztendlich zugesagt. Mit dem Hintergrundwissen, dass viele im 50-köpfigen Verein bereit sind, Aufgaben zu übernehmen.

Im Januar war der KSV Altdöbern Ausrichter der Kreis- und im März Ausrichter der Regionalmeisterschaften. „Da war an jeweils drei Wochenenden die Hütte voll und jede helfende Hand gefragt“, erklärt sie. Ebenso bei den umfassenden Bauarbeiten in den zurückliegenden Monaten. „Wir haben ein neues Dach für die Kegelhalle bekommen, die Heizung auf Gasbetrieb umgestellt und gleichzeitig mehrere Räumlichkeiten auf Vordermann gebracht.“

Unter Regie des damaligen Abteilungsleiters Sektion Kegeln und Bauleiters Walter Quillisch ist die Kegelhalle 1988 in Betrieb gegangen. Heute trägt sie den Namen des rührigen, aber inzwischen verstorbenen Sportfreundes. Auf der Vierbahnen-Anlage hat auch Mandy Schön das Kegel-Einmaleins erlernt – und das gar nicht mal so schlecht. Als Teamleiterin holte sie mit der Frauenmannschaft schon den Landesmeistertitel nach Altdöbern und schaffte den zweimaligen Aufstieg in die Bundesliga. „Dass wir Landesmeister werden, war schon verrückt, mit einem Erfolg bei den Aufstiegsspielen hatte jedoch keiner gerechnet“, blickt sie zurück.

Im Juni dieses Jahres nahm Mandy Schön an den Deutschen Meisterschaften in Neumünster im Einzel (Platz 18) und an der Seite von Mathias Loewa (Vetschau) in der Mixed-Disziplin (14) teil. Qualifiziert hatte sich das Paar durch den Gewinn des Landesmeistertitels im Austragungsort Berlin.

Schön und Loewa sind auch außerhalb des Vereins ein eingeschworenes und erfolgreiches Paar. Krönendes Beispiel: Töchterchen Josephine, das im August fünften Geburtstag feiert und bereits sehr gekonnt Kugeln in Richtung Kegel bewegt.

Mandy Schön ist relativ spät zum Kegelsport gekommen. Ihr Herz schlug für den Fußball, wo sie bei Alemannia Altdöbern an der Frauenfußball-Geschichte mitgeschrieben hat. Unvergessen bleibt das Jahr 2003 mit zwei Aufeinandertreffen der Kickerinnen mit Turbine Potsdam. Konnte die II. Mannschaft noch mit 1:0 bezwungen werden, so folgte in der DFB-Pokal-Hauptrunde die Rache des späteren UEFA Women’s Champions League Siegers. „Die 14 Tore habe ich gekriegt“, gesteht die damalige Torhüterin heute ein – mit einem weinenden aber auch mit einem lachenden Auge: „Turbine-Trainer Schröder hatte damals mindestens 15 Buden gegen uns angekündigt.“

Schon während ihrer Fußballkarriere unternahm Mandy Schön gelegentliche Ausflüge zum Kegeln, wo sie später dauerhaft anheuerte. Ein Schritt, der inzwischen Schule macht. Mit Peter von Oesen und Uwe Zozmann sind zuletzt ehemalige Alemannia-Fußballer zu den Keglern gewechselt, um sich sportlich fit zu halten. Nachahmer sind jederzeit willkommen. Um dem Wunsch Nachdruck zu verleihen, nutzt der KSV Altdöbern regelmäßig vereinseigene Jubiläen, um zu Vereinswettbewerben aufzurufen. Ziel ist es, Mitmenschen für den Präzisionssport zu begeistern, um die Erfolgsgeschichte in der nun teilsanierten Kegelhalle fortzuschreiben.