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| 02:47 Uhr

Mit Haut und Haar in der Seifenküche kreativ

Anke Lischka startet mit der Seifenmanufaktur AliSavon in Neupetershain durch.
Anke Lischka startet mit der Seifenmanufaktur AliSavon in Neupetershain durch. FOTO: Steffen Rasche/str1
Neupetershain. Anke Lischka (45) schwingt in Neupetershain das Zepter auf der Baustelle und den Kochlöffel – in der Seifenküche. Noch ist die Manufaktur, die nach dem strengsten Reinheitsgebot mithilfe der Familie hochwertige Seifen aus pflanzlichen Rohstoffen produziert, klein. Kathleen Weser

Zu klein für die steigende Nachfrage. Deshalb hat die gelernte technische Zeichnerin mit einer späteren Ausbildung im Bank- und Finanzwesen in den europäischen Fördertopf der ländlichen Entwicklung gegriffen. Eine neue Seifenküche und Räume für Kurse entstehen derzeit in Neupetershain.

Anke Lischka, deren äußerliches Markenzeichen ihr langes, kräftiges Haar ist, ist vor knapp zehn Jahren im Internet auf ein Langhaarnetzwerk gestoßen. "Meine erste selbst hergestellte Kosmetik ist eine Haarseife gewesen", erzählt die Unternehmerin. Das Rezept habe funktioniert. Und so sei sie neugierig geworden auf mehr - und ist in der virtuellen Seifenküche gelandet. "Ich habe weiter experimentiert", bestätigt sie lachend. Erfolgreich. Die ganze Familie wurde eingedeckt. "Das waren schöne, individuelle Geschenke", sagt Anke Lischka, die den Duft nach Kräutern, lieblichen Blüten und Honig liebt. Im Freundeskreis machte das glückliche Händchen der Lausitzerin am Seifenkochtopf die Runde. Und darüber hinaus. "Da ist mir der Gedanke gekommen, meine Seifen zum Verkauf anzubieten. Den bürokratischen Akt, der dafür nötig ist, hatte ich allerdings völlig unterschätzt", erzählt sie. Die erste Bekanntschaft mit der europäischen Kosmetikverordnung sei ernüchternd gewesen. Eine eigene Siedeküche mit einer Sicherheitsbewertung, Laboruntersuchungen und mikrobiologische Nachweise sind gefordert. Die Rohstoffe sind aufzeichungspflichtig. Mit Sicherheitsdatenblättern musste sie sich befassen. "Es war eine große und schwere Entscheidung, mich mit der Seifenherstellung selbstständig zu machen", sagt sie. Bereut hat Anke Lischka, dass sie ihr Hobby zum Beruf gemacht hat, aber nie. Im Gegenteil: Die kreative Frau hat Familie und Haus in der Lausitz. Das Pendeln zur Arbeit zur Bank in Berlin war stressig. Die Finanzkrise hatte ihr die Entscheidung zur Rückkehr abgenommen. In der Heimat überqualifiziert, deshalb durch die Arbeitsbehörde nicht vermittelbar und wegen der guten Ausbildung aber auch nicht förderfähig für eine Umschulung ist Anke Lischka zur Selbsthilfe geschritten. Mit Herz und Verstand baut sie ihr eigenes Unternehmen auf. Auf ausgesuchten Märkten wie den Festungsspielen in Senftenberg präsentiert sie die ausschließlich handgemachten Seifen und Deodorants aus natürlichen Rohstoffen. Die Palette der Badeprodukte und Körperpflegen ist bunt. Auf Messen und im Internet vertreibt Anke Lischka die Seifen aus hochwertigen Pflanzenölen und -fetten. "Es macht mich stolz, dass mir viele Stammkunden treu sind", sagt sie. Und auch, dass sie beispielsweise Menschen mit besonders sensibler Haut helfen kann, die bei herkömmlichen Produkten über Unverträglichkeiten klagen. "Es gibt sehr dankbare Kunden, die Linderung bei Schuppenflechten haben. Das sind individuelle Einzelergebnisse. Die Vielzahl aber freut mich sehr und ermuntert mich, weiter an meinen Rezepten zu tüfteln", erklärt die Unternehmerin. Eine neue Deo-Creme treffe den Nerv der Zeit. Auch an Lippenbalsam, Produkten für die Fußpflege und Rasierseifen, die im Kommen sind, wagt sich Anke Lischka. Badesalze sind ein Renner. Und die Nummer 1 der Seifen ist die Göttliche mit Olivenöl und Ingwer.

Als Geschenk- und Werbeartikel sind die Seifen gefragt. Soleseifen für Hotels in Bad Muskau kommen aus der Manufaktur in Neupetershain. Drei Sorten hat Anke Lischka entwickelt. Etwa 20 feste Partner vertreiben die Produkte der Lausitzerin. Die Läden in Lauenburg, Bad Liebenwerda, Görlitz, Hoyerswerda, Cottbus und in Burg im Spreewald sind handverlesen, bestätigt die Unternehmerin. Für Hotels und Herbergen im Lausitzer Seenland hätte sie große Lust, die passende individuelle Hauskosmetik zu fertigen. Um die Produktion erweitern zu können, muss die neue Seifenküche fertig werden. Die Baustelle brummt, dank heimischer Handwerker. Auch das ist Anke Lischka wichtig.

Zum Thema:
Sonnenkönig Ludwig XIV. hat die Seife in Frankreich bekannt gemacht. Die besten Sieder hatte er im 17. Jahrhundert nach Versailles geholt und in den Düften geschwelgt. Das Reinheitsgebot der Seife (1688) hatte der Monarch erlassen. Als besonders hochwertig galten sie mit einem reinen Ölgehalt von mehr als 70 Prozent. Aktuell steigt die Nachfrage nach Naturkosmetik. Und auch Seifen werden im Kaltverseifungsverfahren wieder handwerklich hergestellt. Hochwertigen pflanzlichen Fetten, Ölen und Wachsen wird Natronlauge beigefügt. Hinzu kommen Düfte und Farben. Der Seifenleim wird in Formen gegossen. Der Verzicht auf allergene Bestandteile wie Konservierungsmittel und Tenside macht sie für Allergiker zu einer Alternative zu industriell hergestellten Seifen.