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Mit Gottes Segen Motoren angelassen

Rund 300 Biker nahmen vor der Auftakt-Ausfahrt am Sonntag auf dem Senftenberger Markt ihre Schutzengel entgegen.
Rund 300 Biker nahmen vor der Auftakt-Ausfahrt am Sonntag auf dem Senftenberger Markt ihre Schutzengel entgegen. FOTO: Peter Aswendt/asw1
Senftenberg. Sie können es kaum erwarten, wieder im Sattel zu sitzen. 300 Biker der Region haben am Sonntag auf dem Senftenberger Markt mit Gottes Segen und Schutzengel ihre Motoren zur traditionellen Auftakt-Ausfahrt in die motorisierte Zweiradsaison angelassen. Peter Aswendt / asw1

Da staunt selbst der Chef der Senftenberger Free Biker und Organisator der traditionelle Ausfahrt, Hubert Ambrosius, nicht schlecht: Der Senftenberger Markt ist Sonntagvormittag komplett gefüllt. "Ich bin jedes Mal begeistert, wie viele Biker an unserer Ausfahrt teilnehmen und das trotz der Schwierigkeiten, die von Jahr zu Jahr größer werden", schnauft der Free Biker-Chef durch.

Er spielt damit auf eine kurzfristige Absage der Begleitung des Motorradkonvois durch die Polizei an. Hintergrund ist die nicht erteilte Genehmigung des Straßenverkehrsamtes wegen einer fehlenden Haftpflichtversicherung des Veranstalters.

Wenngleich alle Beteiligten sich einig sind, dass diese Veranstaltung nicht sterben darf, stellt Hubert Ambrosius klar: "Ich hatte zwei schlaflose Nächte, die ich im nächsten Jahr nicht mehr haben möchte." Die fehlende Polizeieskorte lässt natürlich eine Ausfahrt im Konvoi nicht zu und zerstört den Charakter einer gemeinsamen Motorradausfahrt mit 300 Bikern vollends. "Ohne Genehmigung vom Straßenverkehrsamt dürfen wir nicht in den Verkehr eingreifen", erklärt Polizeihauptkommissar Jens Nobis.

Trotz aller Unbilden war der Free Biker-Start in die Motorradsaison wieder ein voller Erfolg. Schon um 10 Uhr rollten die ersten Teilnehmer auf den Senftenberger Markt. Unter ihnen die Biker der Oldtimerfreunde Schwarzheide, die mit Jawa 250, MZ 150 oder RT 125 gleich mal die erste Reihe belegten. "Für uns ist diese Veranstaltung Tradition", so der Clubchef Andreas Polansky, der mit seinem Jüngsten der alten Motorräder, einer MZ TS 150, Baujahr 1989, an den Start ging.

Oldi zwischen modernen Bikes

Christiane Schulz, ebenfalls eine Oldtimerfreundin aus Ruhland, war mit einer RT 125, Baujahr 1960, gekommen. "Ich habe durch meine Eltern das Benzin im Blut vererbt bekommen", erzählt sie. "Beide haben sich beim Motorradfahren kennengelernt", schmunzelt die Bikerin.

Zu seiner ersten Ausfahrt mit den Senftenberger Free Bikern kam Michael Alex aus Tettau mit einer EMW R 35 angereist. Sein Schätzchen mit Baujahr 1954 schnupperte zum ersten Mal in diesem Jahr die Luft der großen freien Welt: "Ich bin Oldtimerfan und freue mich, wenn ich mit meinem Oldi zwischen den modernen Bikes cruisen kann", lächelt der Tettauer. Torsten Schulz ging mit seiner Tochter Aileen mit seiner Suzuki M 800 auf Tour: "Ich bin zum fünften Mal dabei und es macht immer mehr Spaß", so der Senftenberger Biker. "Den Segen für eine unfallfreie Motorradsaison bekommt man nur in Senftenberg", fügt er hinzu.

Pünktlich um 11 Uhr erschallt dann "Hells Bells" aus dem Lautsprecher, ehe Polizeioberkommissarin Aina Gutschmidt nur Positives aus der Unfallstatistik des Polizeischutzbereiches berichten konnte. So gingen die Unfallzahlen im vergangenen Jahr im Landkreis von 3140 auf 2945 zurück und die Beteilung von Bikern sank von 41 auf 38. "Das Schönste an der Statistik ist, es gab keinen tödlich verunglückten Biker", verkündet die Leiterin des Polizeireviers Lauchhammer stolz.

Mit himmlischem Beistand

Tradition ist auch der kirchliche Segen für die Biker und das Verteilen der begehrten Engel. Diesmal war es Pfarrer Manfred Schwarz, der die Biker mit himmlischem Beistand auf große und unfallfreie Fahrt schickte. "Wenn Menschen um Segen bitten, dann müssen sie diesen erhalten", stellt Pfarrer Schwarz klar. Mit den beliebten Engeln, die Pfarrer Schwarz nicht nur als Talisman sieht, ausgestattet, gingen dann die Biker mehr oder weniger in Einzelfahrt unter der Führung von Hubert Ambrosius auf seiner Yamaha XVZ 1300 Royal Star auf die Rundtour, die gegen 14 Uhr am Senftenberger Stadthafen endete.

Bleibt zu hoffen, dass auch aufgrund des großen Zuspruches bis zum nächsten Jahr eine Lösung gefunden wird, die eine Tradition in Senftenberg erhält und für die Zukunft sichert.