ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 09:40 Uhr

Mit eigenen Versen anderen Menschen Freude bringen

Calau.. Seit vielen Jahren kämpft Andrea Hoffmann mit den Folgen einer schweren Krankheit. Doch sie gab sich selbst nie auf und bewältigte die seelischen Auswirkungen dieses Schicksalsschlags auf die ihr eigene Art und Weise – mit dem Schreiben von Gedichten und Kurzgeschichten. Birgit Keilbach

Bereits während ihrer Schulzeit begann die 42-Jährige damit, ihre Gedanken in Versform zu kleiden. Ein Hobby, das für sie in den Hintergrund trat, als sie Ausbildung, die Geburt ihrer Tochter und den Arbeitsalltag zu bewältigen hatte. Mitte der 90er Jahre änderte sich das Leben der Calauerin grundlegend. Ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends. Nach ausgiebigen Untersuchungen stellten die Ärzte die Diagnose: Hypophysentumor. "Diese Nachricht war so schmerzhaft, dass ich keinen klaren Gedanken fassen konnte", erinnerte sich Andrea Hoffmann. "Warum gerade ich und warum gerade jetzt?" Das waren die größten Fragen, die in ihrem Kopf kreisten. Um sich abzulenken, begann sie Bilder für die kranken Kinder zu malen. Später ergänzte sie diese mit kleinen Versen.

Nach der Operation stellte sich heraus, dass für sie nichts mehr so werden würde, wie es war. Sie verlor ihre Arbeit in der Apotheke in Lübbenau und wurde erwerbsunfähig. "Es dauerte sehr lange, ehe ich diesen zweiten Schlag überwand, denn ich konnte mir mein Leben ohne meine Arbeit schwer vorstellen", erzählte die junge Frau. In dieser Zeit fand sie zu ihrem Hobby aus der Schulzeit zurück. Sie fasste ihre Sorgen und Ängste in Verse. "Ich dichtete sie mir von der Seele. Beim Schreiben konnte ich meine Krankheit und den Verlust der Arbeit vergessen", blickt sie auf diese Zeit zurück.

Bewältige Andrea Hoffmann zunächst ihre eigenen Probleme in Versform, spürte sie bald, dass sie damit auch anderen Menschen Freude bringen konnte. Freunde und Bekannte hörten ihr gern zu, ja sie wünschten sich zu manchem Thema ein paar Zeilen von ihr. "Dieser Zuspruch animierte mich immer wieder zum Schreiben. Er gab mit Mut und so nahm ich auch an Gedichtwettbewerben teil", beschreibt sie ihre Entwicklung. Es ist typisch für die 42-Jährige, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen, auch wenn nicht alles gleich gelingt.

So fasste sie sich 2001 ein Herz und beteiligte sich erstmals am Gedicht-Wettbewerb der Nationalbibliothek des Deutschsprachigen Gedichtes. Doch die eingesandten Verse waren zu lang. Aufgeben, das kam für Andrea Hoffmann nicht in Frage. Sie sandte 2002 erneut ein Gedicht ein und diesmal schaffte sie den Sprung in die Ausgewählten Werke der Nationalbibliothek. Zugleich bestand sie den Wettbewerb der "Dichterhandschrift", den die Brentano-Gesellschaft, Cornelia-Goethe-Akademie in Frankfurt/Main jährlich herausgibt. Bei beiden Gesellschaften bestand sie auch 2003 und 2004 die Auswahlkriterien, denn sie entwickelte ihre Fertigkeiten natürlich weiter.

"Bei diesen Wettbewerben bekommt man eine Beurteilung des Gedichtes durch das Lektorat und Hinweise darauf, was zu verbessern wäre", erzählte die Dichterin. "So konnte ich zum Beispiel an der Wortwahl und Länge der Gedichte arbeiten." Mit dem Gedicht "Alte Weide im März" fand sie 2004 auch Eingang in den Band 2 der Lyrik-Bibliothek des Herbert Utz Verlages. Ende November kam es heraus und kann über den Buchhandel bezogen werden.

Es sei schon immer ihr Traum gewesen, mit einem selbst verfassten Gedichtband auf den Markt zu kommen, verrät die Calauerin. In diesem Jahr will sie ihn verwirklichen. Die zahlreichen Buchlesungen, mit denen sie im letzten Jahr begonnen habe, vor Frauen, Rentnern, in der Selbsthilfegruppe und vor Kindern, bestärkten sie darin. Denn neben ihren Gedichten entstanden außerdem Märchen und Kurzgeschichten zu verschiedenen Themen, Gute-Nacht-Geschichten sowie selbst illustrierte Kinderbücher. "Für mich ist auch das wieder eine Herausforderung und ich freue mich schon jetzt auf das Ergebnis, wenn das eigene kleine Buch endlich vor mir liegt", blickt sie zuversichtlich auf das Jahr 2005.