"Ich wusste überhaupt nicht, dass in Wünsdorf die Nachrichtenzentrale der Wehrmacht und später der Russen war. Dabei bin ich militärhistorisch sehr interessiert und kenne auch schon andere Bunker, vor allem die Berliner", staunte der Hauptstädter Iwan Schradar. Ausgerüstet mit leistungsstarken Taschenlampen begeben sich immer wieder Bunker-Fans unter einer fachkundigen Führung der Bücherstadt-Tourismus GmbH in die Tiefe.
23 Bunker waren einst durch Wohnhäuser perfekt getarnt. Im Schein der Taschenlampen ragten die Reste wie gespenstische Gerippe in den Himmel. In Pfadfindermanier können die Besucher durch Gebäudereste und Bunkergänge streifen. Werner Borchert von der Bücherstadt-Tourismus GmbH über die Geschichte der "Gehei menstadt" bei Zossen: "Sie war mit einer 17 Kilometer langen Betonmauer bis 1994 von der Öffentlichkeit streng abgeschirmt. 35 000 bis 40 000 Russen waren auf diesem knapp 100 Jahre militärisch genutzten Gelände nach dem Zweiten Weltkrieg stationiert". Borchert informiert aber auch über die friedliche Nutzung, die "Konversion" in den 90er-Jahren sowie den 40-prozentigen Wohnungsleerstand in der zum Großteil sanierten Anlage.
Die Spannung steigt auf dem Weg zur neun Meter tiefen Bunkersohle von "Zeppelin" und in den über 200 Meter langen Verbindungstollen. "Die Bunker waren mit den zivil bewohnten Mehrfamilienhäusern der Maybachsiedlung getarnt", erklärte Borchert anhand der wenig erhaltenen Fotodokumente aus den 40er-Jahren. Während die Bauten über der Erde bei einem Luftangriff am 15. März 1945, bei dem 120 Zivilisten den Tod fanden, stark beschädigt und 1946/1947 von den sowjetischen Besatzungstruppen gesprengt wurden, blieb der Nachrichtenbunker „Zeppelin“ aufgrund seiner Sandwich-Bauweise fast unbeschädigt.
"In den 60er-Jahren haben die Russen versucht, den Bunker ABC-sicher zu machen und vor den Haupteingang ein Schleusensystem gesetzt. Später wurde auch ein U-Boot-Dieselmotor zur Erzeugung von Notstrom gebaut", können Interessenten über Details in diesem dreietagigen Bau unter der Erde erfahren. Allein der Bunker „Zeppelin“ habe 40 Millionen Reichsmark gekostet.
Er sei mit 14 700 Quadratmetern drei Fußballfelder groß, so Borchert. Zwischen 1939 und 1945 diente er unter anderem der Fernschreib- und Fernsprechvermittlung und war mit modernsten Anlagen wie der automatischen Telefonvermittlung ausgestattet. (usch)

Gut zu wissen Tourdaten
 Mehrere Touren durch die Anlage bietet die Bücherstadt-Tourismus GmbH an: täglich um 14 Uhr die Tour durch May bach I und Zeppelin sowie jeden Samstag um 10 Uhr "Auf den Spuren der Russen". Weitere Infos unter
www.buecherstadt.com
und Telefon: 033702 9600.