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| 19:01 Uhr

Imker suchen Nachwuchs
Mit der Sonne kommt das Summen

Der Imker-Verein Lauchhammer hat aktuell 15 Mitglieder und sucht händeringend nach Nachwuchs. Der neue Vorsitzende Steven Voll (Mitte) ist selbst erst 24 Jahre alt und will die Verjüngung einleiten.
Der Imker-Verein Lauchhammer hat aktuell 15 Mitglieder und sucht händeringend nach Nachwuchs. Der neue Vorsitzende Steven Voll (Mitte) ist selbst erst 24 Jahre alt und will die Verjüngung einleiten. FOTO: Christian Wolf/privat
Lauchhammer. Christian Wolf aus Lauchhammer liebt die Imkerei und jede einzelne seiner Bienen. Diese Leidenschaft will er nun dem Nachwuchs näher bringen - und Probleme nicht verschweigen. Von Josephine Japke

In Christian Wolfs Garten ist es richtig voll. 144 000 Individuen leben dort aktuell auf engstem Raum dicht aneinander gedrängt, um jedes Fünkchen Wärme zu speichern. Still harren sie in der Kälte aus und warten geduldig auf die ersten Sonnenstrahlen. Dann machen sie sich wieder an ihre Arbeit und versorgen lokale Süßmäuler mit dem flüssigen Gold: die Bienen.

„Momentan halten die Bienen Winterruhe. Sie sitzen in einer Traube, um sich gegenseitig zu wärmen. Wenn alles optimal läuft, fliegen sie ab Mitte März los und machen sich auf die Suche nach den ersten Blüten“, erklärt Christian Wolf. Das Problem ist allerdings, dass es aktuell nicht optimal läuft, denn für Mitte Februar ist es den Bienen zu warm in ihren Holzverschlägen. „Sie fangen jetzt schon an zu brüten, haben aber nicht genug Vorräte, um den Nachwuchs durch die kalten Monate zu kriegen“, sagt der Fachmann und hebt einen Bienenkasten an, der wegen der verbrauchten Vorräte wesentlich leichter ist, als er im Normalfall sein sollte.

Schon im letzten Jahr musste er herbe Verluste wegen des zu warmen Wetters wegstecken. Denn die Obstbäume blühten zu früh, dann kam der Frost und die Blüten gingen ein. Keine Blüten bedeutet kein Honig. „Wir haben etwa 20 Prozent weniger ernten können. Das sind etwa 300 Kilogramm“, beschreibt Chris­tian Wolf den Schaden in vierstelliger Höhe. Er selbst hat 18 Bienenkästen. In jedem Kasten lebt ein Volk zu 8000 Bienen im Winter und 50 000 Bienen im Sommer. Zu Hochzeiten, zwischen März und Juli, schwirren daher also fast eine Million Bienen durch seinen Garten. „Da kann es hier ganz schön laut werden, wenn alle auf einmal summen“, sagt Christian Wolf.

Dass die Bienen mit Lauchhammer ein gutes Fleckchen Erde erwischt haben, ist er sich sicher. Denn rund um seinen Garten blühen erst die Obstbäume und dann der Raps. Da gibt es die ganze Saison über genug zu tun für den ­Hobby-Imker, der erst vor fünf Jahren seine Leidenschaft zum Nebenberuf machte. „Pro Volk kann ich etwa 50 Kilogramm Honig im Jahr ernten. Das ergibt etwa 100 Gläser“, sagt Christian Wolf. Pi mal Daumen sind das insgesamt 900 Kilogramm Honig, die geschleudert und abgefüllt werden müssen, ehe sie in örtlichen Reformhäusern zum Verkauf landen.

Bei all der Blütenpracht wäre noch viel mehr Bio-Honig für die Region drin. Doch Lauchhammers Imker plagen nicht nur warme Februar-Temperaturen, sondern auch Nachwuchsprobleme. „Aktuell hat unser Verein 15 Mitglieder, doch der Altersdurchschnitt ist sehr hoch und die Imkerei körperlich anstrengend, weshalb es vor allem unseren älteren Mitgliedern schwer fällt, am Ball zu bleiben“, erklärt Christian Wolf, der selbst im Vorstand des Vereins sitzt.

Da muss dringend Nachwuchs her. Nachwuchs, wie Uwe Buban, der erst vor vier Jahren im Alter von 50 seinem Interesse an den Bienen nachging und nun selbst stolzer Besitzer von sechs Völkern ist. „Jedem, der sich ebenfalls für Bienen interessiert, kann ich das ausdrücklich ans Herz legen. Allerdings nur mit der Begleitung durch einen Imker-Verein“, sagt Uwe Buban mit Bestimmtheit. Denn zu Vieles kann man mit den sensiblen Tierchen falsch machen. Und dafür sei das Hobby einfach zu zeit- und kostspielig.

„Es ist kein Hobby, wie Sport machen im Fitness-Center, das man einfach aussetzen kann, wenn man mal keine Lust hat. Hier geht es um Tiere, die gepflegt werden müssen“, stimmt auch Christian Wolf zu. Und dafür benötige man nicht nur Zeit, sondern auch ein Startkapital. Laut des Imker-Verbandes Brandenburg kostet ein „Starter-Set“ für Imker etwa 2000 Euro. Enthalten sind unter anderem drei Bienenvölker, Kästen, Werkzeug, Futter und Anzug.

Doch die Investitionen zahlen sich aus und sind es den beiden ­Hobby-Imkern allemal wert. „Es gibt immer weniger Bienenvölker, da ist es wichtig, dass wir sie, dieses Handwerk und die Tradition am Leben erhalten“, erklärt Christian Wolf und freut sich auf den Sommer - ebenso wie die Bienen. Die ersten fleißigen Insekten halten schon vorsichtig ihre Flügel in die Februarsonne und warten darauf, dass es endlich losgehen kann.