ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 00:00 Uhr

Mit dem Trabi ins Glück

Für Simone Michael ist der Trabi das beste Auto – schön klein, niedlich, keine Angeber-Karre. „Bei Reparaturen kann man alles selber machen. Es ist ein richtiges Bastlerauto, ostdeutsche Ingenieurkunst halt“ , schwärmt die Schipkauerin. Sie ist seit 2001 stolze Besitzerin eines himmelblauen Trabant 601 de luxe mit weißem Dach und zum dritten Mal beim Dorffest mit Trabitreffen in Lug nahe Saalhausen dabei. Von Bernd Balzer

"Wenn irgendwo Trabitreffen stattfinden, fahren wir hin. Die Trabibesitzer sind wie eine große Familie, helfen sich untereinander", so Simone Michael. Und Hilfe war auch in Lug notwendig, denn der Vergaser saute ein wenig. Schnell besorgte ihr Freund John Damm auf dem Festplatz eine neue Dichtung und im Handumdrehen war der Schaden behoben. "Ersatzteile sind noch leicht zu bekommen. Auf solchen Treffen kann man Teile kaufen oder tauschen", weiß John Damm, dessen Vater Roland auch ein perfekter Trabimonteur ist. "Mein Trabi ist Baujahr 1989 und noch ist alles original. Nur die Lampenringe haben wir silbern lackiert und ein Blaupunkt-Radio eingebaut. Das Besondere an meinem Trabi ist, dass alle Vorbesitzer Frauen waren. Und der olle Spruch, der Trabi sei leistungsschwach und schadstoffstark, ist quatsch. Mir reichen die 26 PS und fünf Liter auf 100 Kilometer gehen auch. Mit dieser geringen Umweltbelastung kommt die Natur schon zurecht", so die Schipkauerin überzeugt.
Beim 9. Niederlausitzer-Überland-Trabitreffen in Lug waren am Wochenende 124 Trabis u. a. aus Zittau, OstVorpommern, Dresden, Aue, Schwarzenberg, Berlin und Greiz dabei. Insgesamt standen 175 Fahrzeuge mit Wartburgs, Roburs, Mopeds und Motorrädern auf der Festwiese. "Mit dem diesjährigen Treffen können wir ganz zufrieden sein. Alles lief ruhig ab. Auch das Dorffest mit den Drebkauer Blasmusikanten war gut besucht", resümiert Peter Stein vom veranstaltenden Trabant-Club "Schorsch", der in Saalhausen gegründet wurde.
Unter den Teilnehmern des Trabi Treffs waren auch Rita Brandenburg aus Henriette und Philip Hostettler aus dem schweizerischen Rotkreuz. Beide trafen sich fast genau auf den Tag vor drei Jahren in Lug. Ihre Autos standen rein zufällig nebeneinander auf der Festwiese. Es war Liebe auf den ersten Blick. "Jetzt wohne ich auch in der Schweiz und habe neben meinem Trabi 601 Kombi, papyrusweiß, auch noch eine Schwalbe vor Ort. Wenn dann auch die grüne Trabi-Limousine und das Motorrad MZ-ES 150 meines Freundes vor dem Haus stehen, ist großes Staunen angesagt. Die Schweizer sind regelrecht sprachlos", erzählt die Kindererzieherin, die zusammen mit dem Informatiker zwölf Stunden für die 850 Kilometer von Rotkreuz nach Lug benötigte. Da die Liebe zum Trabi und ihre Liebe zueinander ewig scheint, ist es durchaus möglich, dass zu einem der nächsten Treffen in Lug die Hochzeitsglocken läuten.