ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 13:09 Uhr

Ehrenamt
Mit dem Spitznamen „T.d.J“ auf die Bahn

Ohne Ehrenamt wäre das Leben in der Region nicht so bunt, wie es ist. Für ihr Wirken werden deshalb jedes Jahr einige verdienstvollen Bürger aus dem Landkreis ausgezeichnet. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche. Heute: Jörg Gresch aus Lübbenau.

Den Spitznamen „Der T.d.J“ wird Jörg Gresch wohl nie wieder los. Er steht für „Trainer des Jahres“, verliehen im Jahr 2010 vom Deutschen Bohle Kegler Verband (DBKV). „Die Vetschauer Vereinskollegen haben halt ihren Spaß, mich so zu nennen“, sagt der Lübbenauer.

Vetschau? Lübbenau? Genau, seit dem Wohnungswechsel im Wendejahr pendelt der heute 54-Jährige zwischen den beiden Spreewald­städten. „1973 habe ich in Vetschau mit dem Kegeln angefangen. Auslöser war die Austragung der damaligen DDR-Meisterschaften im Bohlekegeln durch die Kegelvereine in Lübbenau und in Vetschau. Ich habe dort zugesehen und sofort Feuer gefangen“, erzählt Jörg Gresch von seinem Schlüsselerlebnis. Erst später habe er erfahren, dass bereits seine Großmutter und der Vater ihre Freude am Freizeitkegeln hatten.

Die sportliche Entwicklung des damals Neunjährigen bis in die Gegenwart besitzt Stoff für gleich mehrere Spielfilme: Aktuell ist er als 2. Jugendwart des Deutschen Bohlekegler Verbandes fürs Organisatorische in den Nachwuchsbereichen U 14 und U 18 zuständig. „Deutsche Meisterschaften, Länderspiele, Deutschlandpokal, Kadertraining“, zählt Gresch auf. Von 2005 bis 2017 war er als U14-Nationaltrainer tätig, und das, obwohl er seit 1993 (!) als Vorsitzender des Kreiskeglerverbandes Oberspreewald-Lausitz genug um die Ohren hat.

Das Herz des Ausnahmesportlers und -funktionärs schlägt für das Bohlekegeln und für „seinen“ 1. Kegelsportverein Vetschau (KSV). Der war es auch, der den Spreewälder zur Rückkehr in den Präzisionssport ermutigte. „Im Alter von 23 Jahren hatte ich einen schweren Motorradunfall. Zwei Jahre hat es gedauert, bis alles wieder einigermaßen im Lot war“, erzählt er. Dass er seitdem mit einem Handicap lebt, war für Jörg Gresch jedoch kein Grund, der Kegelbahn für immer den Rücken zu kehren. Im Behindertenkegeln – heute Parakegeln genannt – eilte er von Sieg zu Sieg. Dass er 14-maliger Deutscher Meister ist, erwähnt er nur am Rande. Vielmehr stört ihn, dass er 2017 seinen Titel nicht verteidigen konnte. „Ich habe es schlichtweg vergeigt und bin nur Dritter geworden“, so das nüchterne Urteil eines Sportlers, der bei Deutschen Meisterschaften „nur“ Bronze geholt hat.

Was Ehrungen und Auszeichnungen anbetrifft, hat der Lübbenauer etwas den Überblick verloren. „Das sind schon eine Menge“, räumt er ein. Insbesondere seine Verbands- und die Nachwuchsarbeit auf Kreis-, Landes- und Bundesebene hätten zu der Vielzahl von Ehrungen beigetragen. Über die (vorerst) letzte Auszeichnung zum „Sportsympathiegewinner 2017 des Landes Brandenburg“, auf der Mitgliederversammlung des Kreissportbundes OSL, hat sich Jörg Gresch besonders gefreut. „An der hängen Dank Landessportbund und Lotto Brandenburg 350 Euro für die Jugendarbeit“, betont er.

Nachwuchsarbeit sei das A und O – auch bei den hiesigen Kegelsportvereinen. Auch aus diesem Grund veranstaltet der 1. KSV Vetschau jährlich auf seiner 1972 errichteten Vier-Bahnen-Anlage im Stadtzentrum Kegel-Schulmeisterschaften mit bis zu 230 Kindern. „Wenn wir unter den Mädchen und Jungen entsprechende Talente entdecken, bleiben wir natürlich am Ball und versuchen, diese dauerhaft für den Bohle-Kegelsport zu gewinnen“, erklärt der Vereins-Jugendwart.

Jeden Dienstagnachmittag trainiert Jörg Gresch mit Kindern und Jugendlichen. Drei von ihnen haben es in den zurückliegenden drei Jahrzehnten zu Nationalspielern gebracht; miit U 23-Nationalspieler Alexander Gresch auch der Sohn des ersten Mannes der KSV-Kaderschmiede.

Inzwischen erntet der gesamte Verein die Früchte konsequenter Nachwuchsarbeit. „Dass die 1. Männermannschaft 2017 Landesmeister geworden ist, erfüllt uns alle mit Stolz. Schade nur, dass die Mannschaft ihre überragende Saison nicht mit dem Aufstieg krönen konnte“, bedauert der Sportsympathiegewinner. Nur wenige Holz haben gefehlt und der 1. KSV Vetschau hätte in seinem Doppel-Jubiläumsjahr in der II. Bundesliga gespielt. Doppel-Jubiläum? Richtig. Vetschau und seine Bohle-Kegler feiern 2018 25-jähriges Vereinsjubiläum und 100 Jahre Kegelsport in der Spreewaldstadt. Jörg Gresch prophezeit, dass der Kegelsport – egal ob Bohle oder Classic – durchaus eine Zukunft hat. Er macht das unter anderem an der Wahrnehmung in der Öffentlichkeit fest: „Als die U14 und die U18-Mannschaften des Landkreises 2017 jeweils die Deutsche Meisterschaft errungen haben, riefen wir zwecks Trikots-Sponsoring zu einer Spendenaktion auf. Bereits nach wenigen Wochen war der benötigte Betrag erreicht.

(uhd)