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| 14:24 Uhr

Erntewagen rollen wieder in Grünewalde
Mit dem Ochsengespann zum Ernteumzug

Die Ochsen Paul und Oskar zogen beim Ernteumzug alle Blicke auf sich. Jürgen Schlüter bekam dafür den Pokal für das originellste Umzugsbild.
Die Ochsen Paul und Oskar zogen beim Ernteumzug alle Blicke auf sich. Jürgen Schlüter bekam dafür den Pokal für das originellste Umzugsbild. FOTO: Mirko Sattler
Grünewalde. Erneut ein farbenfrohes Erntefest haben die Besucher am Sonnabend in Grünewalde erlebt. Regionale Produktvielfalt im Fokus.

Ein Vierteljahrhundert wird in der Naturparkgemeinde Grünewalde das Erntefest gefeiert. Ein Vierteljahrhundert immer wieder mit wechselnden Themen. In diesem Jahr standen am Samstag die regionalen Produkte unter  dem Motto „Regionale Produkte - regionale Küche“ im Vordergrund.

Maik Gleitsmann hat aus seinem Garten dafür extra einen wunderschönen Erntewagen zusammengestellt. „Auf meinem Wagen finden wir Kartoffeln, Birnen, Äpfel, Zucchini, Mais, Paprika und alles, was man so im Garten anbaut“, verrät der Grünewalder, der zusammen mit Familie Scholz als Interessengemeinschaft der Hobbygärtner beim Festumzug mitwirkt.

Schafscherer Günter Lachmann aus Glashütte bei der Arbeit.
Schafscherer Günter Lachmann aus Glashütte bei der Arbeit. FOTO: Mirko Sattler

Auf die Frage, wie man so viel junges Gemüse und Obst ernten kann, meint er: „Ich beschäftige mich jeden Tag rund zwei Stunden mit meinem Garten. Dabei wird vor allem gewässert und mit natürlichem Dung gearbeitet. Als sogenannter Selbstversorger nutzen wir die Produkte in der Küche und als Winterfutter für meine Kleintiere“, so der 53-Jährige weiter.

Die Anzahl der Teilnehmer beim Umzug ist in diesem Jahr etwas geringer ausgefallen. Dennoch werden den Gästen wieder sehr eindrucksvoll und lebendig das Dorfleben, die Sitten und Gebräuche vorgeführt.
Mit dem wohl spannendsten Umzugsbild hat diesmal Jürgen Schlüter aus Sonnewalde gepunktet. Mit seinen Zwillingen Paul und Oskar zieht er die Blicke auf sich. Paul und Oskar sind zwei  dreieinhalbjährige Ochsen, der Rasse des Schwarzbunten Niederungsviehs. Ihre Gene stammen aus der Genreserve der damaligen DDR. „Diese uralte Rasse war bis zum Ende des Krieges überall zu finden. Später kamen an deren Stelle die Holsteiner Friesen, das moderne Milchvieh. Diese sehen auch schwarz-weiß aus, haben aber eine andere Körperproportion“, erzählt der 77-jährige ehemalige Bauingenieur.

Bis auf das Pflügen setzt er seine beiden Ochsen heute noch so ein, wie vor allem ältere Besucher es noch kennen. „Viele Gäste  erzählen, dass sie solch ein Gespann noch aus ihrer Kindheit kennen. Meine beiden Tiere kommen noch bei mir in der Grünlandpflege wie Gras mähen, Heu wenden oder Wiese schleppen zum Einsatz“, erzählt Jürgen Schlüter. Mit diesem seltenen Umzugsbild holt er am Samstag sogar den Pokal des originellsten Bildes.

„Mit unserem diesjährigen Motto wollen wir zeigen, was es an regionaler Vielfalt gibt. An den Ständen im Bereich des Festgeländes gibt es all diese Produkte zu kaufen“, sagt der Heimatvereinsvorsitzende Dr. Siegfried Thomas. Die Lauchstraße und das Mühlenmuseum selbst verwandelten sich dafür in eine Veranstaltungsmeile.

Während im Museum vor allem der kulturelle Teil bei Kaffee und Kuchen stattfindet, zeigt Günter Lachmann den Besuchern, wie ein Schaf von seiner Wolle befreit wird. „Viele denken, die Schafe frieren nach solch einer Schur. Doch das ist nicht so. Durch das viele Fressen halten die Schafe ihren Wärmehaushalt konstant. Nur ein klappriges Schaf friert. Würden wir die heutigen gezüchteten Schafe nicht scheren, würden sich auch Parasiten wie Haarlinge in der Wolle festsetzen, die nicht gut für das Schaf sind“, erzählt der 64-Jährige, der sich in der Anfangszeit als Schafscherer nur geschunden hat. „Anfangs habe ich zwei bis drei Schafe in der Stunde geschoren. Das war schon eine Quälerei für mich. Erst als mir ein Berufsschafscherer die richtige Technik zeigte, wurde es besser. Die weitere Übung tat sein Übriges“, so der Schäfermeister weiter, der bis Ende 1988 eine Merino-Langwoll-Schafherde betreute.

Dicht umringt von zahlreichen Festbesuchern befreite der passionierte Schafscherer zu jeder vollen Stunde ein Bio-Schaf von Dr. Siegfried Thomas von seiner dicken Wolle - begleitet von zahlreichen neugierigen Blicken der Besucher.
Der Grünewalder Züchter von Bio-Schafen wiederum, nahm im Beisein von Landes- und Kommunalvertretern seine Auszeichnung als „Ehrenamtler des Monats“ in Empfang. „Dr. Thomas hat vor 25 Jahren hier im Dorf aufgerufen, historische Gegenstände zusammen zu tragen. Das war der Grundstein für das kleine Museum. Aus der Idee heraus ist dann ein Heimatverein gegründet worden. Siegfried Thomas ist die gute Seele im Ort. Er leistet mit dem, was er tut, einen wichtigen Beitrag, dass sich die Grünewalder hier zu Hause fühlen“, würdigt Staatssekretär Thomas Grabinski.

Ausschlafen konnten die Grünewalder am Samstag vor dem großen Festumzug mit Sicherheit aber nicht. Denn spätestens ab 8 Uhr wurden sie von einem lautstarken Hähnekrähen auf dem Mühlenhof zum Aufstehen veranlasst.

Gesucht wurde der Hahn, der innerhalb von 30 Minuten die meisten Schreie abgibt. Fünf Hähne stellten sich dem Wettbewerb. Familie Beck räumte dabei sogar doppelt ab.

„Meine Frau hat schon zweimal gewonnen. Heute ist es das dritte Mal und somit bekommt sie heute den Pokal“, erklärt  Kurt Beck. Der Zwerghahn seiner Gattin krähte am Samstagmorgen 16 Mal. Das bescherte ihr den Sieg. Damit verwies sie ihren Mann auf den dritten Platz. Sein Hahn krähte nur fünf Mal. Der Tierliebhaber, der einer von vier Nachbarn ist, die in der Lindenstraße einen Hahn besitzen, freut sich riesig über die Platzierungen in der Familie. „Man muss sich mit den Hühnern beschäftigen, dann klappt es auch und sie legen fleißig“, meint der 78-jährige Grünewalder. Während des Umzuges hatte Kurt Beck seinen Platz auf einem Ochsengespann.