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Modellbau
Miniatur-Zeitreise durch die Lausitzer Heimat

Wenn Wulf Prein (r.) seine bis zu zwölf Meter lange Modellbahnanlage mit Dioramen-Charakter aufstellt, schlägt dem Großräschener Bastler Bewunderung entgegen. Auf den einzeln kombinierbaren Segmenten ist die Niederlausitz von der Vergangenheit bis zur Gegenwart dargestellt.
Wenn Wulf Prein (r.) seine bis zu zwölf Meter lange Modellbahnanlage mit Dioramen-Charakter aufstellt, schlägt dem Großräschener Bastler Bewunderung entgegen. Auf den einzeln kombinierbaren Segmenten ist die Niederlausitz von der Vergangenheit bis zur Gegenwart dargestellt. FOTO: Uwe Hegewald
Großräschen. Seit 30 Jahren bastelt Wulf Prein an einer Modellbahnanlage mit Dioramen-Charakter. Von Uwe Hegewald

Staunende Augen, wohlwollendes Nicken, aber auch rätselnde Blicke kennzeichneten das zurückliegende Weihnachtsmarktwochenende in Großräschen. Im Kurmärkersaal hatte Wulf Pein seine Modellbahnanlage aufgestellt und Betrachter bisweilen fassungslos gemacht.

Wie bitteschön bekommt man so viel Niederlausitz auf eine so kleine Holzplatte gepackt? „Mit Akribie, Freude am Hobby, ausreichend Zeit und ein wenig Fingerspitzengefühl“, fasst der Großräschener Bastler zusammen. Seiner Anlage hat er auch einen Namen gegeben: „Ansichten aus der Niederlausitz aus Vergangenheit & Gegenwart“.

Im Grunde ist es eine Zeitreise, auf die sich Betrachter begeben. Sie müssen sich nur fiktiv in einen der Waggons (Spur N) setzen und abwarten, wie Wahrzeichen und Sehenswürdigkeiten an einem vorbeiziehen. Begegnungen mit der Brikettfabrik Luise, den ehemaligen Bahnhofsgebäuden Anna-Mathilde (Sedlitz) und Großräschen-Süd, die beide dem Bergbau weichen mussten, sind ebenso möglich wie Augenblicke an der drehenden Holländermühle in Dörrwalde.

 Wulf Prein sieht den Vergleich, den ein Besucher äußerte, als treffend: „Das ist Heimatkunde – geschrieben bis in die Gegenwart.“ Die zeigt sich unter anderem an der markanten Landmarke, die der aus Mühlhausen (Thüringen) stammende Bastler aus 0,2 Millimeter dünnem Messingblech gefertigt hat. Als Vorlage für das Wahrzeichen am Sornoer Kanal dienten Fotografien. „Als das Objekt fertiggestellt war, bekam ich vom LSB-Zweckverbands-Vorsitzenden, Volker Mielchen, den Hinweis, dass auch verwertbare Bauzeichnungen verfügbar gewesen wären“, trägt Wulf Prein das zu späte Angebot inzwischen mit Fassung.

Seit rund 30 Jahren bastelt er an seiner Anlage, die insgesamt 15 Segmente umfasst. „14 sind ausstellungsfähig, in der Regel gehe ich mit zehn Segmenten auf Reisen“, erklärt der 75-Jährige.

Das Einmaleins eines Modellbauers erlernte er während seiner Kindheit in der AG „Junge Techniker“ und bei einem Freund. „Bei meinem Kumpel stand uns ein größeres Wohnzimmer zur Verfügung, um Züge der Spur H0 in Bewegung zu setzen.“ Beruflich zog es Prein nach dem Studium in die Lausitz, wo der Technik-Ingenieur im Gleichrichterwerk Großräschen sowie in der Kohle- und Energie-Branche tätig war. Inzwischen seit 1967 in Großräschen wohnend, bezeichnet er sich selbst als „Eingewohnter“.

Viele ehemalige Kollegen besuchten seine Bahn/Diorama-Anlage, staunten und gratulierten. Die Detailtreue seiner Filigranarbeit beeindruckt: Figuren sind nur wenige Millimeter groß, die sich bei einem dargestellten Parkfest im Schlosspark Sallgast (Elbe-Elster) sogar auf einer Tanzdiele drehen. Leuchtende Rücklichter von Fahrzeugen haben die Größe von Stecknadelköpfen.

Für rätselnde Momente sorgt Wulf Prein durch das Aufstellen eines Turmes, den nur wenige kennen. „Es handelt sich um den Berzit-Turm in Kahla (bei Plessa), eine der ältesten noch bestehenden Investitionsruinen Deutschlands“, erklärt er. Im 35 Meter hohen und 1920 erbauten Turm sollte ursprünglich Braunkohle nach dem sogenannten Berzitverfahren getrocknet werden. Dazu sei es jedoch nie gekommen. Was jedoch klappt, ist die Zusammenarbeit mit Gattin Margit. „Ohne eine verständnisvolle und helfende Ehefrau würde das Hobby nicht funktionieren“, sagt Wulf Prein.