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| 15:21 Uhr

600 Jahre Kleinleipisch
Milly dampft jetzt wieder

Brikettfabrik Millygrube in Miniatur FOTO: Mirko Sattler
Lauchhammer. Auf 600 Jahre Kleinleipisch blickt der Lauchhammeraner Ortsteil am kommenden Wochenende zurück. Bereit in Vorbereitung darauf ist die ehemalige Brikettfabrik Millygrube wieder aufgebaut worden - im Maßstab 1:100.

Ungezählte Stunden haben Ingo Florich und Raymond Wokurka vom Traditionsverein Braukohle in den Bau des 4,5 Quadratmeter großen Modells der einstigen Brikettfabrik Millygrube investiert. „Die Idee für eine solche Platte entstand schon vor längerer Zeit. Das Bild auf der Anlage entspricht ungefähr dem Baustand von 1918, als es in der Brikettfabrik eine Verpuffung gegeben hat. Viele Menschen sind bei dieser Kohlenstaubexplosion ums Leben gekommen. Nach 100 Jahren sollte auch für sie ein Gedenken errichtet werden“, so Wokurka.
Die Modellanlage im Maßstab 1:100 ist nicht die erste der beiden Modellbauer. „Wir haben schon vor 17 Jahren die Brikettfabrik Luise als Auftragsarbeit gebaut. Sie wurde original nachgebaut, wie sie zu Produktionszeiten aussah. Heute ist das Werk nicht mehr so wie einst zu sehen. Es wurde verändert. Kleinere Modelle wurden vor mehr als 20 Jahren schon einmal gebaut. So stammt das Modell der Brikettfabrik ,Unser Fritz’ in Kostebrau von uns. Wir stammen aus der Kohle und kennen noch die Anlagen“, so der 51-jährige Lauchhammeraner weiter.
Viele Brikettfabriken waren Produktionsanlagen, die wieder abgerissen, erweitert oder für andere Brikettfabriken genutzt wurden. „Die Millygrube wurde auch erweitert beziehungsweise umgebaut. Später hat sie hauptsächlich für die Kokerei nur noch die F4-Briketts produziert. Einige Teile der Brikettfabrik waren schließlich nur noch als Fragmente da, weil nicht mehr notwendig“, erklärt  Raymond Wokurka.

Viele Anlagenteile, die auf der Modellplatte zu sehen sind, kennen die Kumpel, die in den 70er- und 80er-Jahren dort gearbeitet haben, nicht mehr. Da die Brikettfabrik später mit Dampf versorgt wurde, war die Schornsteinanlage, wie auf der Anlage zu sehen, ab der 60er-Jahren überflüssig. Auch die Verladerinnen für den Landabsatz, die der Besitzer  Fritz Friedländer einst errichtet hatte, gab es nur noch als Fragmente.

Zu 99 Prozent ist die Modellanlage jetzt fertig. „Das Grundprinzip der Brikettfabrik mit Gewinnungsseite, Nassdienst, Vorbereitung, Trockendienst, Pressendienst, Verladung und Abtransport ist vorhanden. Nur noch Kleinigkeiten sind zu erledigen“, sagt Wokurka. Er hat bis zum Jahr 2001 in der Kohle gearbeitet.

Für die Erbauer des Millygruben-Modells war es sehr schwer, nur aus den ihnen bekannten Vorderansichten auch die Rückansichten zu gestalten. In sehr vielen Fällen musste improvisiert werden. Trotzdem wurde die Modellanlage sehr detailgetreu errichtet. Neben einem Pärchen beim Liebesspiel haben sich die Modellbauer beim Abtransport der Platte selbst mit eingearbeitet.

Gebaut ist die Anlage aus verschiedenen Materialien. „Teilweise sind vorgefertigte Teile verbaut worden. Dann sind Strukturpappe für die Ziegel und Haarfarbenkarton für Gebäude verbaut worden. Einige Fenster wurden gedruckt und aufgeklebt, weil es sie so nicht gab. Wir haben viel improvisiert. Zugute kam uns der Maßstab 1:100. Hier konnten wir Modelle von H0 und TT verwenden“, erzählt Ingo Florich. Er ist gerade dabei, die losen Teile mit Sprühkleber zu befestigen.

Die Anlage, deren Bau im September begonnen wurde, sollte über den Winter fertig werden. Während der Festtage in Kleinleipisch wird sie ausgestellt. Später kommen weitere Bergbaurelikte im Vereinshaus Kleinleipisch für eine Dauerausstellung dazu.

Brikettfabrik Millygrube in Miniatur FOTO: Mirko Sattler