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Millionenspritze für Radfernwege

Bei diesen Wurzelaufbrüchen, wie hier auf der Niederlausitzer Bergbautour im Wald zwischen Woschkow und Dörrwalde, kommt selbst die Kreisradwegewartin Karin Hädicke in Bedrängnis. Um die Radfernwege in der Lausitz auf Vordermann zu bringen, stehen Fördermillionen in Aussicht.
Bei diesen Wurzelaufbrüchen, wie hier auf der Niederlausitzer Bergbautour im Wald zwischen Woschkow und Dörrwalde, kommt selbst die Kreisradwegewartin Karin Hädicke in Bedrängnis. Um die Radfernwege in der Lausitz auf Vordermann zu bringen, stehen Fördermillionen in Aussicht. FOTO: Jan Augustin
Dörrwalde. Pedalritter, die auf den Radfernwegen der Lausitz unterwegs sind, können bald auf noch besserem Untergrund rollen. Mehrere Millionen Euro sind für die Modernisierung geplant. Jan Augustin

Zwei Handgriffe, ein kräftiger Ruck und schon sitzt Karin Hädicke fest im Sattel. Ihr neues Auto mit dem vormontierten und bedienerfreundlichen Fahrradträger lässt sie am Wegesrand stehen. Die 62-jährige Senftenbergerin erkundet am Dienstag mit ihrem schwarzen Trekking-Bike die Niederlausitzer Bergbau-Tour. Der rote Rekord-Teufel, der nicht nur das Symbol für Kohle, sondern auch für die Radtour ist, führt auf etwa 500 Kilometern durch die Lausitz. Start und Ziel ist Cottbus. Spree-Neiße macht einen großen Teil aus und Oberspreewald-Lausitz. Dort geht's von Dörrwalde aus vorbei an Getreidefeldern in Richtung Woschkow.

Der Weg ist in einem tadellosen Zustand. Das Reifenprofil surrt auf dem heißen Asphalt. Doch dann kommt der Wald. Immer wieder wird die Fahrt zu einer Slalomtour, weil bis zu zehn Zentimeter große Wölbungen aus dem Weg ragen: Wurzelaufbrüche. Sie sind das größte Problem und gefährlich. Das bestätigt auch Karin Hädicke. Seit 2013 ist sie Wanderwegewartin für den südlichen Landkreis und Radwegewartin für den kompletten Kreis. Zwischen 1000 und 1500 Kilometer radelt sie pro Jahr durch OSL und kontrolliert die Strecken. "Ich kenne quasi jeden Weg und jedes Schild", sagt sie schmunzelnd unter ihrem Sturzhelm. Die Qualität der Wege sei überwiegend hochwertig. Allerdings ist das um die Jahrtausendwende gemeinsam mit Cottbus, Spree-Neiße und Oberspreewald-Lausitz großräumig ausgebaute Radwegenetz in die Jahre gekommen.

Kleine Reparaturen an Hinweisschildern schafft Karin Hädicke zwar noch alleine. Wenn Akazienäste den Weg versperren, setzt sie auch eigenmächtig die Schere an. Wenn jedoch Vandalen oder Metalldiebe zu forsch vorgehen, informiert sie die für die Radwege verantwortlichen Kommunen - die dann wiederum ihre Bauhofmitarbeiter rausschicken, um den Schaden zu beheben. "Die Kommunen sind engagiert dabei, es fehlt aber die finanzielle Kraft", sagt die Ehrenamtlerin.

Nun jedoch könnte eine ordentliche Geldspritze zumindest die entstandenen Wunden auf den Fernradwegen heilen. Der OSL-Kreis hat dazu einen millionenschweren Förderantrag bei der Investitionsbank des Landes Brandenburg eingereicht. Die Antragstellung basiert auf Abstimmungen mit den Kommunen und dem Zweckverband Lausitzer Seenland als Baulastträger. Ziele sind Modernisierung, Lückenschlüsse und eine verbesserte Ausstattung auf den touristisch relevanten Radfernwegen. Der Fördersatz liegt bei 90 Prozent. Den Eigenanteil müssen die Kommunen aufbringen. Eine Zustandsbewertung der Radfernwege hatte ergeben, dass insgesamt rund fünf Millionen Euro für die Modernisierung notwendig sind. Den größten Bedarf gibt es demnach im Calauer Raum, wo Gesamtkosten von rund 1,3 Millionen Euro zu Buche stehen. Aber auch im Amt Ruhland und in der Stadt Großräschen, zu der auch der Weg zwischen Dörrwalde und Woschkow gehört, liegen die Kosten mit je mehr als 800 000 Euro sehr hoch.

Zum Thema:
Karin Hädicke, was halten Sie von E-Bikes? Ich befürworte sie. Der Anteil nimmt weiter zu. Etwa ein Drittel der Touristen nutzen sie.Und sie selbst? Ich habe mir gesagt, ich bin noch zu jung dafür.Ihr Modell? Ein Stevens, 13 Kilo, 28 Gänge. Mit kompletter Ausrüstung hat es 1300 Euro gekostet. Mit oder ohne Helm? Mit, ich habe ein hohes Sicherheitsbedürfnis. Ihre Lieblingsroute in OSL? Sehr erholsam sind die Seenland-Route und der Spreeradweg.