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| 16:50 Uhr

Aus dem Gericht
Milde Strafen im Prügel-Prozess

Senftenberg/Cottbus . Wegen gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung hat das Landgericht Cottbus am Mittwoch ein Trio aus Lauchhammer verurteilt. Tränen sind geflossen. Von Jan Augustin

Der Angeklagten bleiben im letzten Wort kurz vor der Urteilsverkündung die Sätze im Hals stecken. Ihr Gesicht ist gerötet, die feuchten Augen heften sich an das Blatt, das sie vorbereitet hat. „Ich habe nicht nachgedacht, als ich die Gewalt ausgeübt habe. Es tut mir leid“, liest sie mit brüchiger Stimme vor.

Seitdem sie im Herbst vergangenen Jahres im Gefängnis sitze, lebe sie drogenfrei. Dann rollen Tränen. Außer einem Schluchzen ist in den nächsten Sekunden nichts zu hören im Saal. Die 25-Jährige schafft es aber, die Stille zu brechen. Sie wolle ein Vorbild für ihren Sohn sein. In der Justizvollzugsanstalt beteiligt sie sich an einem Kurs extra für Frauen, der Kompetenzen stärken soll. Ziel sei es nun, berufsvorbereitende Maßnahmen zu absolvieren, um einen Ausbildungsberuf erlernen zu können. Flehend beendet sie: „Bitte geben Sie mir Bewährung.“

Das angeklagte aus Lauchhammer stammende Trio, zu der noch eine 37-jährige Frau und ein 40-jähriger Mann gehören, soll gemeinsam mit einem gesondert verfolgten Mittäter sein Opfer in einer Senftenberger Wohnung über zwei bis drei Stunden festgehalten und verprügelt haben. Der 28-Jährige, der ein Verhältnis mit beiden Frauen hatte, musste notoperiert und seine gerissene Milz entfernt werden.

Das Cottbuser Landgericht verurteilt die Frau und auch die beiden Mitangeklagten zu Bewährungsstrafen zwischen einem Jahr und drei Monaten bis zu einem Jahr und elf Monaten für die 25-Jährige.

„Mein Mandant wird sein Leben lang mit den Folgen leben müssen“, sagte Mirko Schubert, der Anwalt des Opfers. Dazu gehöre auch ein erhöhtes Infektionsrisiko. Der Geschädigte hatte erst als Zeuge, später dann als Nebenkläger im Prozess ausgesagt, teils mit widersprüchlichen Angaben.

Die Angeklagten hatten den Gewaltausbruch vor gut einem Jahr zugegeben. Die Situation sei eskaliert. Die 37-Jährige gab an, in der Nacht zuvor mehrfach von ihrem damaligen Freund geschlagen worden zu sein. Die ursprünglich von der Cottbuser Staatsanwaltschaft mitangeklagte räuberische Erpressung hatten sie aber immer abgestritten und konnte in der Beweisaufnahme auch nicht nachgewiesen werden. Für die 2. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richter André Simon steht aber fest, dass der Tatbestand der Freiheitsberaubung erfüllt ist. Es kommt nicht darauf an, ob die Räume verschlossen sind oder nicht, erläutert Richter André Simon. Entscheidend sei, ob er die Möglichkeit gehabt habe, die Wohnung zu verlassen. Dass er geschlagen wurde und versucht hatte, aus dem Fenster zu springen, sei Beweis dafür, dass er nicht freiwillig in der Wohnung war. Auch einen Krankenwagen, den er gefordert hatte, gewährten sie ihm nicht.

Bei der Höhe der Strafen kommt das Gericht den Forderungen der Staatsanwaltschaft und den drei Rechtsanwälten nahe. Nebenkläger-Anwalt Mirko Schubert hatte für härtere Strafen bis zu fünfeinhalb Jahren plädiert, da er sehr wohl auch von einer räuberischen Erpressung ausgeht. Mit dem Urteil sei er daher auch „nicht ganz zufrieden“. Wichtig sei jedoch, dass seinem Mandanten Schmerzensgeld zustehe, wie das Gericht anerkannte. Über die Höhe muss in einem Zivilverfahren entschieden werden.