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Wort zum Sonntag
Deutsch statt Latein

Ortrand. Sicher ist Ihnen das auch schon einmal passiert: Da gehen Sie zu einer Veranstaltung und verstehen von der Ansprache beziehungsweise vom Gesprochenen kaum etwas oder nichts. Das kann an vielen Dingen liegen, manchmal liegt es an der Sprache. So war ich vor einiger Zeit im Ohnsorg-Theater in Hamburg, aber, da ich kein Plattdeutsch kann, verstand ich von der Handlung nur so viel, wie durch das Agieren der Schauspieler mir verständlich wurde. Das Gesprochene konnte ich nicht verstehen.

So ähnlich stelle ich mir die Gottesdienste vor der Zeit Martin Luthers vor. Die Menschen kamen, um an dem Geschehen teilzunehmen, aber, da sie nicht Latein konnten, verstanden sie nichts. Latein war die Kirchensprache, sie war international und wurde in den Gottesdiensten gepflegt. Aber nur die wenigsten konnten Latein. So blieb ihnen vieles unverständlich.

Heute vor fast 500 Jahren wurde nun in Wittenberg zum ersten Mal in Deutschland ein Gottesdienst in deutscher Sprache abgehalten. Endlich war für alle Teilnehmer das Gesprochene und Gesungene verständlich. Die Pflege der Muttersprache in den Gottesdiensten hat sich dann in allen Kirchen durchgesetzt. Für internationale Gäste ist es aber ein Hindernis, dass es keine Weltsprache in den Kirchen mehr gibt. Für sie muss extra übersetzt werden. Aber die Freude über die eigene Sprache im Gottesdienst ist sehr groß und viele Prediger bemühen sich, auch heute die Sprache des Volkes gut zu treffen und nicht über die Köpfe hinweg zu predigen. Ja, in unserer Region gibt es auch für anderssprachliche Gruppen wie den Sorben und Wenden eigene Gottesdienste, damit sie ihre Sprache wiederfinden können.

Gehen Sie in Ihre Gottesdienste, heute und am Reformationstag, damit Sie Gottes Wort in Ihrer Sprache gut hören können.

Ihr Pfarrer Thomas Brilla aus Ortrand