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| 13:28 Uhr

Wort zum Sonntag
Arbeitsbiene und Faultier

Pfarrer Thomas Olickal.
Pfarrer Thomas Olickal. FOTO: Thomas Olickal
Großräschen. Passend zur Urlaubszeit hat der Großräschener Pfarrer Dr. Thomas Olickal seine Wort zum Sonntag geschrieben.

„Kommt mit und ruht ein wenig aus!“ Diese Worte Jesu können wir im Urlaubszeit gern in die Tat umsetzen. Jesus gönnt uns eine Zeit der Entspannung, eine Art „stressfreie Zone“: Jesus ist kein ruheloser Antreiber. Wie viel Menschlichkeit, wie viel Lebensklugheit spiegelt das Verhalten Jesu!

Er ermutigt uns: Lasst eure Seele nachkommen! Nehmt euch Zeit für euch selbst! Nehmt euch Zeit, Erlebtes zu verarbeiten, eure Gedanken zu ordnen. Seid einfach still! Schweigen und Hören ist bereits Gebet. Steter Lärm, dauernde Unrast machen den Menschen krank. Ruhe und Stille befreien von Hetze und Angst. Geht es uns nicht manchmal auch so, dass das Unwesentliche das Wesentliche auffrisst, dass wir das Wichtige vom Unwichtigen nicht mehr zu trennen vermögen? Wir merken es oft gar nicht, dass wir vor lauter Tun und Erledigen uns selbst verlieren, wenn wir nicht zur Stille, Besinnung und zum Gebet kommen.

Wussten Sie schon, dass im Bundesgebiet 1, 5 Millionen Bienenvölker leben, dass ein Bienenvolk im Sommer etwa 60 000 Arbeitsbienen hat; dass eine Arbeitsbiene nur etwa sechs Wochen alt wird; dass die Arbeitsbienen bis zu zehn Millionen Blüten besuchen müssen, um ein Kilogramm Honig zu sammeln; dass der kurze Lebensweg der Arbeitsbiene eine einzigartig Leistung ist? Darum nennen wir Menschen, die viel schaffen und leisten, arbeiten und wirken, bewundernd bienenfleißig.

Auf der anderen Seite gibt es das Faultier, das 75 Prozent seines Lebens verschläft.  Wenn das Leben nur Arbeit ist und die Menschen nur bienenfleißig sind, ist das genug? Wenn das Leben verschlafen wird und die Menschen nur faul genießen wollen, ist das nicht zu wenig?

Zwischen Arbeitsbiene und Faultier gibt es einen wunderbaren Weg, den Weg der Anspannung und Entspannung, Arbeit und Ruhe, Fleiß und Genuss ausgewogen versöhnt. Im Glauben an Gott sind wir weder Arbeitsbienen noch Faultiere, sondern Kinder Gottes. Jesus macht uns frei. Er ist unser Friede. Er macht uns nicht lässig, aber gelassen, nicht übermütig, aber mutig, nicht träge, aber tragfähig, nicht ängstlich, aber engagiert. Was uns immer wieder gut tut, sind die Atempause, die Stille und das Verschnaufen. Die Aktion braucht die Meditation. Das Wort braucht zuerst das Schweigen .Etwas Wahres kann sich nur formen in den Stunden, da wir bei uns selber sind und im Alleinsein mit uns nahe bei Gott. Ohne Sammlung gleichen wir einem leeren Krug oder einem wasserlosen Brunnen.

Es gilt für uns alle, immer wieder den Ausgleich zu finden zwischen den Anforderungen des Lebens und den Anforderungen, die die Seele stellt. Es ist gut, wenn wir immer wieder und ganz bewusst jenen „einsamen Ort“ suchen, wo uns die Kraft zum Leben zuwächst.

Bei Jesaja heißt es: „So spricht der Herr: Nur in Umkehr und Ruhe liegt eure Rettung. Nur Stille und Vertrauen verleihen euch Kraft.“ Jesaja 30, 15

Ich wünsche allen Leserinnen und Leser eine erholsame Urlaubszeit für Leib, Seele und Geist.

Pfarrer Dr. Thomas Olickal