| 09:48 Uhr

Wort zum Tag
500 Jahre Reformation

Senftenberg. Die Botschaft von der Kraft, die Menschen von ihren Sorgen und Nöten zu befreien, hat auch heute Gültigkeit. Von Manfred Hornich

500 Jahre, eine gefühlte Ewigkeit scheinen uns die Fragen und die Zweifel, die Zeit Martin Luthers entfernt zu sein. Es fällt uns schwer die Geschehnisse der Reformation zu fassen, uns mit den Fragen von Glauben, Religion, Kirche, Mönchtum, Gott und Bibel, Sünde und Buße zu beschäftigen.

Ja, kann dieses Ereignis überhaupt noch eine Bedeutung für uns haben, außer, dass es eben ein Teil unserer deutschen und europäischen Geschichte ist? Luther hatte große Ängste und Zweifel im Blick auf Gott. Darin war er zum Teil ein Kind seiner Zeit, der kirchlichen und weltlichen Umstände. Solche Ängste treiben den heutigen Menschen weniger um. Aber niemand wird bezweifeln, dass wir unter weniger Ängsten, Depressionen und Sorgen, oft an schwer zu diagnostizierenden Nöten zu leiden haben.

Pfarrer i. R. Manfred Hornich, Spremberg
Pfarrer i. R. Manfred Hornich, Spremberg FOTO: Manfred Hornich

Luther versuchte jener Glaubensnöte und Beschwernisse durch selbstauferlegte Buße und Kasteiungen Herr zu werden. Er suchte seinen Seelenfrieden, Frieden mit Gott und konnte ihn einfach nicht finden. Je intensiver er sich darum bemühte, um so erfolgloser schienen ihm seine Bemühungen. Er war am Verzweifeln. In einem Liedvers beschrieb er die Situation so: „Die Angst mich zu verzweifeln trieb, dass nichts denn Sterben bei mir blieb, zur Höllen musst ich sinken.“ Sehnsuchtsvoll suchte er nach einem Ausweg aus seiner Misere.

Die Lösung, besser noch die Erlösung, fand er im Glauben an Jesus Christus. Dies geschah in dem Augenblick, als er Glauben konnte, dass er sich seinen Seelenfrieden nicht erarbeiten, erkaufen konnte odre musste, sondern, dass ihm Gott „ohn all sein Verdienst und Würdigkeit“ gnädig war in Jesus Christus. Für die Vergebung all seiner Sünden, dass er ein armer elender sündiger Mensch war, dafür war der damals gängige Sündenablasshandel nicht erforderlich, auch gar nicht nötig. Dafür hatte Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes am Kreuz von Golgatha für die Sünden der ganzen Welt sein Leben gegeben, gebüßt. Von da an wusste er sich versöhnt mit Gott.

Im Grunde war diese Erfahrung der Anfang der Reformation, was soviel heißt, wie Rückbesinnung auf den Ursprung der Kirche, des Glaubens. Luther vernahm diese alte Botschaft, das Evangelium, ganz neu und es machte ihn froh. Diese erlösende und frohmachende Botschaft konnte er nicht für sich behalten gemäß dem Wort Jesu: Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern. So nahm die Reformation ihren Lauf. Diese frohe Botschaft, das ist die gute Nachricht für uns auch heute, hat ihre Gültigkeit, ihre Kraft Menschen aus Ängsten und Sorgen zu befreien, nicht verloren. Sie muss, wenn es sein soll, auch von Dächern herab gepredigt, bezeugt werden, damit sie von Menschen gehört werden, die ihrer bedürfen.

*Pfarrer i. R. aus Spremberg