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| 17:40 Uhr

„Meine Frau schießt besser“

Hans-Joachim Grasnick übt hier mit einem Luftgewehr auf dem Senftenberger Schießstand an der Erich-Weinert-Straße.
Hans-Joachim Grasnick übt hier mit einem Luftgewehr auf dem Senftenberger Schießstand an der Erich-Weinert-Straße. FOTO: T. Richter/trt1
Senftenberg. Ist vom Senftenberger Schützenverein 1425 die Rede, fällt in diesem Zusammenhang meist auch der Name Hans-Joachim Grasnick. Kein Wunder, engagiert sich der Oberschützenmeister bereits seit Jahrzehnten für diesen Sport. Doch auf dem Schießstand verspürt der 59-Jährige bis heute ein "Nervenflattern". Torsten Richter

Senftenberg. "Wenn ich bei Wettkämpfen auf dem Schießstand stehe, bekomme ich öfter graue Haare. Denn als Übungsleiter kann ich bei Fehlern meines Schützlings nicht helfen", berichtet Hans-Joachim Grasnick von besonders emotionalen Momenten seiner Trainerkarriere. Manchmal steige dabei der Blutdruck auf solche Werte, dass es für den Senftenberger besser sei, den Stand zu verlassen. "Ich bin außerordentlich temperamentvoll. Das ärgert mich selbst. Doch bereits bei meinen eigenen Wettkämpfen habe ich die eigenen Nerven nur ziemlich schwer im Griff", erzählt Hans-Joachim Grasnick, der sich schon seit mehreren Jahrzehnten als Schießtrainer engagiert und selbst zahlreiche Medaillen, Pokale und Urkunden mit der Waffe errungen hat. "Ich verspüre in solchen Momenten eine Art Nähmaschine im Bein. Das wars dann mit dem Ruhighalten der Waffe."

Seine Frau Elke Grasnick sei da anders. Eiskalt greife sie zum Gewehr, lege an und treffe. Und das mit Erfolg. Im Gegensatz zu ihrem Mann nahm die Senftenbergerin im vergangenen Jahr als Aktive an den deutschen Meisterschaften in Dortmund teil. Zwar reichte es nicht für eine Platzierung im Vorderfeld, aber dennoch war bereits die Qualifikation zu diesem hochkarätigen Wettkampf Auszeichnung genug. Er erkenne es neidlos an: Meine Frau schießt besser als ich", erklärt Hans-Jürgen Grasnick schmunzelnd. Dabei schieße sie erst seit etwa einem Jahrzehnt, ihr Mann dagegen bereits seit dem Jahr 1968.

Schüsse am Pionierhaus

Denn vor nunmehr viereinhalb Jahrzehnten nahm Grasnicks Schießkarriere ihren Anfang. "Mein damaliger Sportlehrer Werner Forkert nahm mich mit zu seiner Arbeitsgemeinschaft (AG) ,Sportschießen/militärischer Mehrkampf' ins damalige Senftenberger Pionierhaus. Die erste Waffe, die ich in der Hand hielt, war ein Luftgewehr", erinnert sich Hans-Joachim Grasnick. Bereits im Jahr 1971 stand der gebürtige Altdöberner und auf der Reppister Weinberghöhe aufgewachsene Mann in der DDR-Nationalmannschaft. Mehr noch: Grasnick holte mit seinem Team sogar mehrere Medaillen.

Angst, eine Waffe in der Hand zu haben, verspürte er selbst als Jugendlicher nie. Warum, erklärt der Senftenberger so: "Zu DDR-Zeiten waren die Sicherheitsbestimmungen noch höher als heute. Durch die sehr ansprechende Ausbildung wurde der Angst gleich vorgebeugt."

Während seiner dreijährigen Armeezeit hatte Hans-Joachim Grasnick dagegen kaum etwas mit Schusswaffen zu tun: "Im Rahmen der Luftwaffe schraubten wir an den MIG-Jagdflugzeugen herum." Später war der Lausitzer selbst als AG-Leiter tätig.

Nach der politischen Wende setzte sich der bis dato Pionierleiter nochmals auf die Schulbank und durchlief ein Studium als Erzieher. Heute arbeitet er in einem Senftenberger Wohnpark für Kinder und Jugendliche.

Zudem engagiert sich der schlanke Mann mit den charakteristischen silberfarbenen Haaren in erster Linie als Nachwuchstrainer beim im April 1990 wiedergegründeten Senftenberger Schützenverein 1425. Scheu, den Kindern den korrekten Umgang mit der Waffe beizubringen, verspüre er indes keineswegs: "Wer zu uns kommt, möchte Spaß haben. Und unsere derzeit sechs Nachwuchskräfte haben allesamt den Ehrgeiz, sich selbst zu beweisen." Nicht zuletzt könne das Schießen auch die Schulnoten zu verbessern helfen. Kein Wunder, wenn über längere Zeit auf dem Schießstand vollste Konzentration vonnöten ist. Nicht zuletzt spiele der Mannschaftsgeist eine entscheidene Rolle.

Schießen per Auflage

Natürlich greift auch Oberschützenmeister Hans-Jürgen Grasnick, wie der zweite Mann hinter Vereinschef Stefan Tröger bezeichnet wird, regelmäßig zur Waffe. Meist betätigt er das "Schießeisen" auf einer Auflage. Diese kleine Vergünstigung sei allen Schützen erlaubt, die älter als 46 Jahre sind. "Meiner Nervosität tut dies aber auch keinen Abbruch", sagt der Senftenberger. "Ich will zeigen, dass ich gut bin. Das klappt allerdings längst nicht immer."

Zum Thema:
Am Sonnabend, 8. März, ist der Schützenverein Senftenberg 1425 Gastgeber für den Kreisschützentag. Die Seestädter rechnen mit 30 bis 40 Kameraden aus dem gesamten OSL-Kreis. Es handelt sich um einen Erfahrungsaustausch der Schützenvereine.