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| 13:46 Uhr

Ich kaufe regional
Mehrwegverpackungen und ihre Tücken

In der mehr als 100-jährigen Traditions-Fleischerei in Schwarzheide bietet Andreas Socher Konserven in Gläsern an. Diese erweisen sich zum Transportieren, Lagern aber auch zum Aufwärmen der Produkte als multifunktionell einetzbar.
In der mehr als 100-jährigen Traditions-Fleischerei in Schwarzheide bietet Andreas Socher Konserven in Gläsern an. Diese erweisen sich zum Transportieren, Lagern aber auch zum Aufwärmen der Produkte als multifunktionell einetzbar. FOTO: Uwe Hegewald
Großräschen/Lauchhammer/Schwarzheide. Umweltbewusstsein ist gefragt, um das Verpackungsmüll-Problem in den Griff zu bekommen. Wie es in Großräschen, Lauchhammer und Schwarzheide läuft.

Einen eindeutigen Trend zu gestiegenem Umweltbewusstsein kann Manuela Luka-Lebus auch nach den Bildern nicht erkennen, die immer häufiger über den Bildschirm flimmerten: Es sind Bilder von riesigen Plastikinseln, die im Meer treiben oder von Kindern, die in Drittländern Müllberge durchkämmen, die ihnen aus Industriestaaten vor die Haustür gekippt wurden. „Es gibt Kunden, die sich für den Kauf von Kartoffeln oder Gemüse immer ihre eigenen Körbe oder Beutel mitbringen. Es kommen aber auch Leute ohne Transportkiste, die mal eben 40 Tomatenpflanzen mitnehmen wollen“, schildert Manuela Luka-Lebus die aktuelle Situation an der Verpackungsmaterial-Front.

Die kleine Großräschener Familien-Gärtnerei, wo sie im Verkauf tätig ist, ist auf umsichtigen Umgang mit Verpackungs-Ressourcen bedacht. „Gerne nehmen wir Pflanztöpfe aus Kunststoff zurück, um diese wiederzuverwenden. Zeitungspapier ist immer vorrätig, um Topfwaren für den Transport einzupacken“, zählt sie auf.

Fleischermeister Andreas Socher und seine Frau haben vor vielen Jahren den Verkauf von Produkten in Gläsern wiederentdeckt. „Einen Teil unserer Wurstwaren und verschiedene Suppen wecken wir noch klassisch ein und stellen die Produkte dann in den Gläserschrank unserer Verkaufsstelle“, erzählt Britta Socher. Die Gläser könnten nach Verbrauch des Inhalts privat weiterverwendet oder in Glascontainern entsorgt werden. „Bei uns stellt sich die Rücknahme von bereits verwendeten Gläsern äußerst kompliziert dar. Selbst das Befüllen von mitgebrachten Behältern, die uns Kunden über die Theke reichen wollen, um Verpackungsmaterial zu sparen, ist uns nicht gestattet“, bedauern die Sochers. Sie erklären das mit den strengen Hygiene-Vorschriften.

Gertrud Losensky (l.) gehört zu den Stammkunden bei Manuela Luka-Lebus (r.), die in ihrer Gärtnerei unter anderem auch Obst und Gemüse aus eigener Produktion anbietet. Im Idealfall greifen Kunden wie Gertrud Losensky zum Transport ihrer gekauften Waren auf wiederverwendbare Spankörbe zurück.
Gertrud Losensky (l.) gehört zu den Stammkunden bei Manuela Luka-Lebus (r.), die in ihrer Gärtnerei unter anderem auch Obst und Gemüse aus eigener Produktion anbietet. Im Idealfall greifen Kunden wie Gertrud Losensky zum Transport ihrer gekauften Waren auf wiederverwendbare Spankörbe zurück. FOTO: Uwe Menschner

„Vom Grundsatz her ist es korrekt, schließlich geht es hier um vorbeugendem Verbraucherschutz“, stellt Dr. Anke Kröber klar. Die Sachgebietsleiterin Lebensmittelüberwachung der Kreisverwaltung sagt, dass das mit der „Unkenntnis zum Reinigungsstatus der Behälter“ zusammenhänge. Keiner wisse, wer diese zuvor berührt hat und ob sich an dessen Händen möglicherweise krankheitserregende Keime befinden. Anke Kröber sieht die Produzenten und Händler in der Pflicht, auch wenn sie nicht die Verursacher seien.

Und wie sieht es mit dem klassischen Brötchenbeutel aus, der Samstagfrüh über die Backwarenauslage gereicht wird? „Bei durchgebackenen Waren ist das nicht das große Problem. Bei Konditorei-Produkten oder Torten sieht das schon völlig anders aus.“ Die Expertin mahnt insbesondere dort konsequente Sorgfalt an. Als einen zukunftsweisenden Weg sieht sie die Aktivitäten, die zwecks Verpackungsmüll-Vermeidung im Marktkauf Lauchhammer angeschoben wurden.

Wie Marktleiter Mirko Buhr der RUNDSCHAU mitteilt, hätten Kunden zum Beipsiel die Möglichkeit, sich ihren mitgebrachten To-Go-Becher mit Kaffee füllen zu lassen. Darüber hinaus stünden spezielle Mehrweg-Netze zur Verfügung, um darin Obst oder Gemüse zu verpacken und so Papier- oder Folientüten einzusparen. „Was unsere Fleisch- und Wursttheke anbetrifft, befinden wir uns derzeit in der Ausarbeitung eines Mehrwegkonzeptes, bei dem auch dort Kunden ihre eigenen Behälter mitbringen und befüllen lassen können. Das alles natürlich unter Berücksichtigung der erforderlichen, hygienischen Grundlagen“, sagt Mirko Buhr. Ob die Marktkauf-Offerte angenommen wird und ob diese eher den Nerv älterer oder jüngerer Kundschaft trifft, werde die Zeit zeigen.

An Generationen pauschalisieren lasse sich Umweltbewusstsein nicht unbedingt. „Zu uns kommen sehr oft auch junge Leute, die ihre Blumensträuße nicht eingepackt haben möchten und als Grund das Einsparen von Papier anführen“, erzählt Manuela Luka-Lebus von ihren jüngsten Erfahrungen in der Großräschener Gärtnerei.

(uhd)