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Mehr Straftaten aufgeklärt

OSL-Kreis.. „Überwiegend positive Erfahrungen“ haben OSL-Schutzbereichsleiter Jürgen Piesker und seine 440 Mitarbeiter im ersten Jahr nach der Polizeireform gemacht. Die Aufklärungsquote hat sich erhöht. Sorgen mache jedoch noch die finanzielle und materielle Ausstattung. Daniel Preikschat

Piesker legte den Gästen – darunter Landtagsabgeordnete, der Vizepräsident des Landtages Martin Habermann und Bürgermeister Klaus-Jürgen Graßhoff – viele Zahlen vor. Die wichtigste: Im Mai dieses Jahres konnte die Polizei im Schutzbereich 61 Prozent der Straftaten aufklären. Im Vorjahres-Zeitraum, der vor der Reform lag, waren es 53,9 Prozent. Eine Steigerung trotz schrumpfender Anzahl von Straftaten insgesamt, nämlich gut 4000. Jede zweite Straftat in diesem Monat Mai war ein Diebstahl. Was der Schutzbereichsleiter aber auch auf die vielen Durchreisenden im OSL-Kreis zurückführte. Konkret in Senftenberg seien am Markt und in der Bahnhofstraße viele Räder gestohlen worden.

Ärger mit Graffiti-Sprayern
Bei den 589 Sachbeschädigungen stieß sich Piesker an den Graffitis. Vor allem in Lauchhammer und Calau würde viel geschmiert. „Wir versuchen die Aufklärungsquote in Zusammenarbeit mit den Ordnungsämtern zu erhöhen.“
Laut Polizei-Statistik gesunken ist die Zahl der Verkehrs-Delikte. Gemessen an den Unfall-Zahlen würden Beamte des OSL-Schutzbereichs überdurchschnittlich viele Einsätze auf den Straßen, vor allem auf der Autobahn, fahren. Doch gerade die Todesopfer – auch im Mai gab es einen Toten im Straßenverkehr – würden zu immer neuen Anstrengungen verpflichten.
Zwischen dem Polizeipräsidium in Frankfurt/Oder und den Schutzbereichen gebe es eine Zielvereinbarung, so Piesker: Bis Jahresende soll die Zahl der Verkehrsunfälle gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent gedrückt werden. „Die problematischen Sommermonate stehen uns aber noch bevor“ , räumte Piesker ein. Stolz ist er darauf, dass Staus bei Lausitzring-Veranstaltungen Geschichte sein dürften. 20 Minuten Wartezeit beim Champ-Car-Rennen, das 62 000 Gäste sahen, sei das äußerste gewesen.

Mehr Personal, mehr Aufgaben
Im Monatsvergleich ebenfalls gesunken ist die Zahl der Körperverletzungen – und der Drogendelikte: von 63 auf 57. Die meisten wurden beim Cannabis-Konsum ertappt. In Calau wurde ein Dealer dingfest gemacht.
Im Schutzbereich OSL konnten dank der Polizeireform 140 Beamte mehr Dienst tun. Nur, so der Schutzbereichsleiter, sei heute auch das Spektrum der Aufgaben ein viel größeres. Die Wasserschutzpolizei wurde integriert, eine Autobahn-Polizei gebildet, die mit sieben Fahrzeugen 180 Autobahn-Kilometer zu kontrollieren hat.
Zehn Kommissariate gibt es heute im Schutzbereich. Neu hinzugekommen sind Einsatzkräfte des Mobilen Teams Mega wie auch der Soko Tomeg (Täterorientierte Maßnahmen gegen extremistische Gewalt). Bereichert haben den Schutzbereich außerdem Diensthunde der Rasse belgischer Schäferhund, die Fährten aufnehmen und Rauschgift aufspüren können.
Was es vor der Reform ebenfalls nicht gab, waren ein Personalrat und ein Gleichstellungsbeauftragter, der unter anderem die Interessen homesexueller Kollegen vertritt und solcher, die sich gemobbt fühlen.
Für Martin Habermann hat die Polizei-Reform funktioniert. „Auch wenn wir lange um den Erhalt des Polizeipräsidiums Cottbus gekämpft haben.“ Mit Piesker war sich Habermann einig, dass mit besserer personeller, finanzieller und materieller Ausstattung nicht zu rechnen ist. „Weitere Einsparungen werden sicher auch das Innenressort betreffen“ , sagte Habermann.
Trotz klammer Kassen ließ es sich Schutzbereichsleiter Piesker nicht nehmen, zum Jahrestag der Polizeireform Kollegen kleine Anerkennungen zu überreichen: Die Fahndungstruppe bekam fünf Mobiltelefone, die Autobahn-Polizei eine Digital-Kamera. Der Hundeführer darf sich über einen Beiß-Anzug freuen, die Abteilung Prävention über PC-Zubehör.

Hintergrund
Geschichte der Reform

Im Oktober 1999 wurde im Koalitionsvertrag festgehalten, die Organisationsstruktur der Polizei zu überprüfen. Straffere Abläufe, mehr Qualität, Eigenverantwortung und Bürgernähe waren die Ziele. Wirtschaftlicher und effektiver sollte der Apparat arbeiten.
Am 19. September 2000 beschloss das Kabinett die Reform. In der Folge wurde die Zahl der Präsidien von sechs auf zwei reduziert, die der Schutzbereiche von 21 auf 15. Seit dem 1. Juli 2002 arbeitet die Polizei nach Reform-Vorgaben.