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ADAC fordert:
Mehr Rettungsflüge auch nach der Dämmerung erlauben

Die Luftretter des ADAC aus Senftenberg landen mit ihren Maschinen nahezu auf jedem nur möglichen kleinen Fleck, um Menschen in Not zu helfen. Im vorigen Jahr waren die elf Piloten Tausende Male im Einsatz (Archivfoto).
Die Luftretter des ADAC aus Senftenberg landen mit ihren Maschinen nahezu auf jedem nur möglichen kleinen Fleck, um Menschen in Not zu helfen. Im vorigen Jahr waren die elf Piloten Tausende Male im Einsatz (Archivfoto). FOTO: Angelika Brinkop
München/Senftenberg. Der ADAC schlägt Alarm: Wer einen Herzinfarkt noch vor der Dämmerung bekommt, hat die Chance, dass ein Rettungshubschrauber ihn schnell zur Klinik bringt. Ein Herzinfarkt bei Dunkelheit? Großes Pech. Von Frank Hilbert

Der rasche Transport von Notfallpatienten ins Krankenhaus muss nach Ansicht des ADAC noch deutlich verbessert werden. Dafür müssten die Bundesländer eine Ausweitung der Betriebszeiten bei der Luftrettung und damit deutlich mehr Flüge in der Dämmerung ermöglichen, forderte der Geschäftsführer der gemeinnützigen ADAC Luftrettung, Frédéric Bruder, am Donnerstag in München.

In vielen Regionen Deutschlands entscheide nach wie vor die Uhrzeit über die schnelle lebensrettende Hilfe aus der Luft. „Bisher werden Rettungshubschrauber in den meisten Städten und Gemeinden nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang eingesetzt“, erklärte Bruder. „Wer davor oder danach in Lebensgefahr ist, dem kann aus der Luft nicht geholfen werden.“ Die modernen Rettungshubschrauber seien aber auch für Nachtflüge geeignet. Zudem könne mit speziellen Nachtsichtgeräten gearbeitet werden.

Die ADAC Luftrettung gGmbH veröffentlichte zugleich ihre Einsatzstatistik 2017. Danach starteten die mehr als 50 Rettungshubschrauber des ADAC im vergangenen Jahr zu rund 54 500 Notfällen. Das waren ungefähr gleich viele Einsätze wie im Vorjahr. Die Luftrettungscrews hoben demnach im Durchschnitt insgesamt rund 150 Mal am Tag ab. Die Zahl der versorgten Patienten blieb 2017 mit mehr als 49 000 annähernd auf dem Vorjahresniveau.

Einsatzursache Nummer Eins blieben mit fast 50 Prozent internistische Notfälle wie akute Herz- und Kreislauferkrankungen. Es folgten neurologische Notfälle wie Schlaganfälle sowie Sport- und häusliche Unfälle. Nur bei zehn Prozent der Einsätze flogen die ADAC-Helikopter zu einem Verkehrsunfall.

Die ADAC Luftrettung gGmbH ist nach eigenen Angaben mit mehr als 50 Hubschraubern an 37 Stationen eine der größten zivilen Luftrettungsorganisationen in Europa. Seit 2017 gehört sie zur gemeinnützigen ADAC Stiftung.

Bei den Einsätzen in Städten liegt die Berliner Luftrettungsstation des ADAC den Angaben zufolge vorne: Im vergangenen Jahr startete „Christoph 31“ demnach in der Region zu 3331 Notfällen. Er sei damit der Rettungshubschrauber mit den weltweit meisten Luftrettungseinsätzen pro Tag, hieß es. „Die Einsätze in Berlin stellen die Crew jeden Tag vor besondere Herausforderungen, weil Starts und Landungen inmitten von Häuserschluchten und belebten Straßen zu den schwierigsten überhaupt gehören“, betonte Bruder.

Fast ebenso häufig (3849 Mal) wurden in Summe die drei Brandenburger Luftrettungsstationen alarmiert. Mit zwei Hubschraubern und elf Piloten ist die Station in Senftenberg nach wie vor die größte der ADAC Luftrettung. „Christoph Brandenburg“ (1193 Einsätze) und „Christoph 33“ (1633 Einsätze) kamen insgesamt 2729 Menschen zu Hilfe. In Perleberg hob „Christoph 39“ 1023 Mal ab und versorgte dabei 940 Patienten.