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| 19:43 Uhr

Neue Bühne Senftenberg
Mehr Platz für Handwerker an der Neuen Bühne

Beengte Verhältnisse herrschen in der Tischlerei der Neuen Bühne Senftenberg: Für das Zusägen der sechs Meter langen Holzleisten muss Tischler Andreas Jennrich das Fenster öffnen.
Beengte Verhältnisse herrschen in der Tischlerei der Neuen Bühne Senftenberg: Für das Zusägen der sechs Meter langen Holzleisten muss Tischler Andreas Jennrich das Fenster öffnen. FOTO: Steffen Rasche
SENFTENBERG. Der Zweckverband der Neuen Bühne Senftenberg stellt die Sanierung und Erweiterung der Werkstätten in Aussicht. Von Heidrun Seidel

Diese Nachricht in der Adventszeit sorgt bei den Mitarbeitern der Neuen Bühne Senftenberg für Vorfreude: Die Zeit der Enge soll bald vorbei sein. Die Versammlung des Zweckverbandes „Neue Bühne – Niederlausitzer Theaterstädtebund Senftenberg“ hat in ihrer jüngsten Sitzung die Sanierung und Erweiterung des Werkstattgebäudes in Aussicht gestellt. Im nächsten Jahr soll der Umbau geplant und 2019 begonnen werden. Das wird ein Kraftakt, doch auf den freuen sich die Mitarbeiter sogar. Denn bei den aktuellen Arbeitsbedingungen in Schlosserei, Tischlerei, Malsaal, Schneiderei und den anderen Gewerken kommen die Theaterleute oft an ihre Grenzen.

„Wenn das Holz geliefert wird, müssen wir jedes Stück einzeln in die Werkstatt tragen“, erzählt Andreas Jennrich, der mit seinem Kollegen Patrick Schumacher in der kleinen Tischlerwerkstatt arbeitet. Die sechs Meter langen Leisten oder Bretter können nicht direkt in die Tischlerei geliefert werden. Mit manchen Teilen müssen sie sich  durch den Malsaal schlängeln und hoffen, dass die Theatermalerinnen gerade mal kein Bodentuch für die Bühne ausgebreitet haben. Besonders knifflig aber wird es, wenn sie Hölzer an den Maschinen auf die erforderliche Länge zuschneiden müssen. Damit das überhaupt funktioniert, haben sie sich erfinderisch gezeigt und eine Luke in die Wand gebaut. Durch die wird das eine Ende des Brettes gesteckt, damit am anderen gearbeitet werden kann. „Eigentlich müssten wir jedes Mal ein rotes Fähnchen als Warnzeichen draußen ans Brett hängen“, scherzt Andreas Jennrich.

„Doch im Ernst: Das geht schon oft genug an die Nerven. Ich staune auch, wie die Malerinnen das aushalten“, zeigt er auf den Malsaal, in dem Monika Respa und Gesine Wolf-Bergk arbeiten. Der auf den ersten Blick recht große Raum ist eine Art Bindeglied zwischen den Werkstätten. Hier werden die Bühnen überspannenden Bühnenbodentücher gemalt, auch Kulissenwände, Bühnen-Möbel hergerichtet und vieles andere mehr. Auf dem Fußboden liegt derzeit eine Kulissenwand für die Januar-Premiere „Das Mädchen von Weither“. In einer Ecke steht ein Tresen, der zum neuen Wunschkonzert gebraucht wird, in einer anderen große Regale, für die Bücherattrappen zur bevorstehenden Premiere des „Abschiedsdinner“ gebaut wurden Wer in einen nächsten Raum will, muss den Bauch einziehen, um durchzukommen. „Unser Dilemma ist, dass wir keinen Montageraum im Theater haben – und deswegen der Malsaal immer wieder dafür herhalten muss, um einzelne Bühnenteile zusammenfügen zu können. Ruhiges und konzentriertes Malen ist da oft nicht drin“, erzählt Gesine Wolf-Bergk. „Ich wohne ja in der Nähe und gehe dann manchmal abends in Ruhe arbeiten“, berichtet sie und lässt damit ahnen, dass es oft die Leidenschaft, das Verantwortungs- und Gemeinschaftsgefühl der Theaterhandwerker ist, dass trotz schwieriger Umstände beeindruckende Arbeiten entstehen. Nicht umsonst schwärmen Gast-Regisseure und –Bühnenbildner oft von den Fähigkeiten des Senftenberger Teams.

Besonders eng wird es, wenn wie beim Spektakel zur Spielzeiteröffnung für mehrere Inszenierungen gleichzeitig Bühnen- und Kostümbilder geschaffen werden müssen. „Im Sommer vorm Spektakel hat meine Kollegin draußen im Zelt gemalt“, berichtet Gesine Wolf-Bergk. „Da hat es gestürmt und das Zelt aufgebläht, das Styropor ist durch die Gegend geweht, das war schon  heftig.“ Doch auch in den letzten Wochen, als mehrere  Premieren auszustatten waren, wurde es eng, auch in der Schlosserei, bei den Schneiderinnen oder den Dekorateuren. So freuen sie sich, dass nun Abhilfe in Sicht ist. „Wir hoffen  ja schon ein paar Jahre, dass aus- und angebaut wird.“

Immerhin sind die Gebäude, so weiß der Technische Direktor Axel Tonn, meist aus den 50er-Jahren. „Ich habe Hochachtung vor den Verantwortlichen jener Zeit, in der es an vielem Notwendigen fehlte, ein Theater geschaffen und ausgebaut zu haben. Sie haben gezeigt, wie wichtig Kultur für die Menschen ist.“ Doch den heutigen Anforderungen genüge das Werkstattgebäude nicht mehr. Ob Raumgrößen oder Elektroleitungen: Da muss dringend nachgebessert werden. Deshalb freut er sich, dass nach vielen vergangenen Investitionen in Bühne, Ton, Technik nun auch das Okay für die Werkstätten gekommen ist. „Ich habe ja meinen Leuten versprochen, dranzubleiben.“ Wie sie Sanierung und Erweiterung genau ausgestaltet oder wie die Arbeiten beim laufenden Spielbetrieb ausgeführt werden können, wird im nächsten Jahr zu besprechen sein. Natürlich hat der eloquente und umtriebige Axel Tonn schon ein paar Pläne in der Schublade. Doch die müssen nun wieder den neuen Anforderungen angepasst werden. Aber davor scheut er sich nicht. Für ihn ist die angekündigte rund 4,5-Millionen-Investition auch ein wunderbares Signal in die Zukunft: dass es gut weitergeht mit dem Senftenberger Theater.