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| 19:13 Uhr

Große Pläne am Senftenberger Campus
Innovationszentrum soll Professoren-Büro werden

In das Senftenberger Innovationszentrum sollen Professoren der Medizinischen Hochschule Brandenburg einquartiert werden. Die jetzigen Mieter müssen voraussichtlich ausziehen.
In das Senftenberger Innovationszentrum sollen Professoren der Medizinischen Hochschule Brandenburg einquartiert werden. Die jetzigen Mieter müssen voraussichtlich ausziehen. FOTO: LR / Jan Augustin
Senftenberg. Für den Senftenberger Universitäts-Campus gibt es große Pläne. Sie klingen verheißungsvoll, torpedieren zugleich aber auch ein Vorhaben, für das sich die Politik hat feiern lassen. Von Jan Augustin

Mai 2015: Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) schneidet das rote Band vor dem Eingang des Senftenberger Innovationszentrums durch. Endlich ist es fertig, das mit 5,4 Millionen Euro geschaffene Labor- und Bürohaus für Firmen aus den Branchen Biotechnologie, Chemie und Medizintechnik. Für die Pressevertreter blickt Gerber gut gelaunt und optimistisch in die Kamera. Neben ihm stehen BTU-Präsident Prof. Jörg Steinbach, Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) und Oberspreewald-Lausitz-Landrat Siegurd Heinze (parteilos). Alle sind sich einig: Für den Wissenstransfer aus der Hochschule in den Wirtschaftskreislauf gibt es von nun an beste Voraussetzungen in Senftenberg. Das soll eine Erfolgsgeschichte werden.

Das ist das Innovationszentrum mangels Mietern bisher nicht. Aber es gibt einen neuen Plan:  Die Brandenburgische-Technische Universität (BTU) Cottbus – Senftenberg will das kommunale Gebäude über den Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen erwerben. Professoren von der Medizinischen Hochschule Brandenburg sollen ins Haus ziehen.

Das bestätigt BTU-Sprecherin Marita Müller. Hintergrund ist der Plan von Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD), einen landesweiten Gesundheitscampus aufzubauen. Für ihn hat sie jetzt mit dem fertiggestellten Forschungs-, Entwicklungs- und Personalkonzept den Startschuss gegeben. Die gemeinsame Einrichtung aus Universitäten, Forschungseinrichtungen und einem Netzwerk aus Kliniken soll die medizinische Versorgung im Flächenland langfristig sichern, die Gesundheitsforschung stärken und die Ausbildung fördern. Berufen werden sollen 16 neue Professoren.

Unter Beobachtung von Laborleiter Dr. Kai Großmann füllt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Juliane Scholz gerade eine Patientenprobe ab. Im vergangenen Jahr hat Generic Assays für ein entwickeltes medizinisches Testbesteck den Berlin-Brandenburger Innovationspreis gewonnen.
Unter Beobachtung von Laborleiter Dr. Kai Großmann füllt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Juliane Scholz gerade eine Patientenprobe ab. Im vergangenen Jahr hat Generic Assays für ein entwickeltes medizinisches Testbesteck den Berlin-Brandenburger Innovationspreis gewonnen. FOTO: LR / Jan Augustin

Gar nicht glücklich über die neuen Pläne für das Innovationszentrum ist Reinhold Hartwig, einer von zwei Geschäftsführern von GA Generic Assays. „Wir sind unzufrieden mit der Entwicklung, wir werden nicht mit einbezogen. Es wird über unsere Köpfe hinweg entschieden“, sagt er. Das mehrfach preisgekrönte Unternehmen entwickelt Medizintechnik und gilt als Musterbeispiel für einen gelungenen Wissenstransfer zwischen Hochschule und Wirtschaft. Seit der Eröffnung des Innovationszentrums nutzt die Firma als Mieter nicht nur die eigens für solch ein Haus ausgestatteten Räume und Labore, sondern auch das universitäre Know-how von Professoren und Studenten in unmittelbarer Nähe. Auf 300 von insgesamt 2000 Quadratmetern Nutzfläche hat sich GA mittlerweile ausgebreitet. Die Firma ist damit mit Abstand der größte Mieter im Haus – und fast der einzige. Und sie hat viel Geld in die Einrichtung gesteckt. Hartwig geht von mindestens 300 000 Euro aus. Wie es nun weitergeht mit der Senftenberger Forschereinheit des in Dahlewitz ansässigen Unternehmens, wisse er noch nicht. „Wir könnten nach Dahlewitz ziehen, aber dann ist Senftenberg der Dumme“, sagt Hartwig.

Das Innovationszentrum ist seit der Eröffnung vor drei Jahren nur mäßig ausgelastet. Größter Mieter ist Generic Assays. Das Ergeschoss ist komplett leer.
Das Innovationszentrum ist seit der Eröffnung vor drei Jahren nur mäßig ausgelastet. Größter Mieter ist Generic Assays. Das Ergeschoss ist komplett leer. FOTO: LR / Jan Augustin

Dass Unternehmen und Universität das Bauwerk künftig gemeinsam nutzen können – davon geht BTU-Sprecherin Marita Müller nicht aus: „Voraussichtlich wird der Eigenbedarf so groß sein, dass keine Vermietung an Externe möglich sein wird“, sagt sie und betont: „Wir brauchen das Gebäude sehr dringend.“ Der Senftenberger Campus platze aus allen Nähten. Den derzeitigen Mietern werde für eine Übergangszeit auf jeden Fall eine Frist von einem Jahr eingeräumt.

Der Verkauf des Innovationszentrums ist allerdings noch nicht in trockenen Tüchern. In einem ersten Sondierungstreffen mit allen Beteiligten habe man sich jetzt dazu verständigt, in weiteren Gesprächsrunden Details zu besprechen, erklärt Senftenbergs Stadtsprecher Andreas Groebe. Regelmäßige Treffen seien vereinbart. Fragen zu möglichen Erlösvorstellungen der Stadt kann zum derzeitigen Stand niemand beantworten, sagt Groebe. Der Verhandlungs-Prozess wird sich noch hinziehen. Zudem setzt ein Verkauf die Beschlüsse von Kreistag und Stadtparlament voraus. Landrat Siegurd Heinze und Bürgermeister Andreas Fredrich haben nach Bekanntwerden der Verkaufs-Pläne unisono mitgeteilt, dass sie jegliche Entwicklung der Uni, gerade im Hinblick auf den Gesundheitscampus, begrüßen und unterstützen.

Und nach den BTU-Plänen wird noch viel passieren in Senftenberg. Noch in der zweiten Jahreshälfte sollen zwei Fraunhofer Forschergruppen im Bereich der Polymermaterialien und der Biotechnologie ihre Arbeit aufnehmen. BTU-Präsident Steinbach ist stolz darauf und es zeige, „dass wir mit unserer Forschungsstrategie im fünften Jahr des Bestehens dieser jungen Universität auf dem richtigen Weg sind“. In Senftenberg entstehe langfristig ein wissenschaftliches Zentrum rund um die Schwerpunktthemen Biotechnologie, Chemie, Gesundheit, Pflege und Medizin. Die duale Ausbildung im Maschinenbau, in der Elektrotechnik und im Wirtschaftsingenieurwesen kommen hinzu. Es ist auch vorstellbar, dass sich „im Kontext der neuen thematischen Schwerpunkte“ neue Studiengänge entwickeln können, sagt Pressesprecherin Marita Müller. Sie ist sich sicher: „Der gesamte Campus Senftenberg wird gestärkt.“