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| 19:49 Uhr

Gesundheit
Medizinischer Leiter räumt Fehler im Umgang mit Patientin ein

 Eine adipöse Patientin musste im Klinikum Niederlausitz mehrere Stunden lang in einem Krankenlager auf dem Boden ausharren.
Eine adipöse Patientin musste im Klinikum Niederlausitz mehrere Stunden lang in einem Krankenlager auf dem Boden ausharren. FOTO: Mario Dreesen
Lauchhammer. Unzureichende Kommunikation und fehlende Hilfsmittel als Auslöser für Klinikzoff — Krankenhaus will nachrüsten. Von Christina Wessel

Der Vorfall an der Klinik Niederlausitz hat für viel Aufsehen gesorgt. Nach einer Operation im Krankenhaus in Lauchhammer musste eine Patientin mehrere Stunden auf einem Krankenlager am Boden ausharren. Die Hilfsmittel für einen Transport in ein gängiges Klinikbett standen nicht zur Verfügung. Für Sohn Mario Dreesen war dieser Umgang mit seiner kranken Mutter nach der Operation unverständlich. Er äußerte im Gespräch mit der RUNDSCHAU seinen Ärger, woraufhin es zu einem Treffen zwischen der Klinikleitung und den Angehörigen kam. Im Zuge dieser direkten Auseinandersetzung räumte Klinikchef Hendrik Karpinski Fehler ein. In einer gemeinsamen Stellungnahme der Familie Dreesen und dem Krankenhaus unterstreichen beide Seiten „das gemeinsame Verständnis der Geschehnisse“, zu dem man in dem zweistündigen Gespräch gefunden habe.

Bereits unmittelbar nach dem Treffen erklärte der ärztliche Direktor Karpinski auf telefonische Nachfrage, dass das Personal zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht von einem eigentlich vorhandenen zusätzlichen Tragetuch in einem Notdepot wusste. Ein Kommunikationsdefizit, das sich offenbar auch an anderer Stelle im Krankenhaus fortsetzte. Insbesondere im direkten Kontakt mit den Patienten. Ein Aspekt, der zu Änderungen im Haus führen dürfte. In der Stellungnahme heißt es: „Mario Dreesen und seine Lebensgefährtin (...) wurden in ihrer Betroffenheit (...) von den Mitarbeitern des Klinikums nicht gut aufgehoben und angenommen“. Hier stellt Karpinski offenbar weitreichende Änderungen in Aussicht. Dazu zählen die Erneuerung und Neuanschaffung entsprechender Hilfsmittel zum Transport schwergewichtiger Menschen. In dem Schreiben an die Presse formuliert er es so: „Gemeinsam wurde erkannt, an welchen Stellen das Klinikum Handlungsbedarf hat - in der Verbesserung der Logistik und in der Anschaffung zusätzlicher Geräte sowie in der Sensibilisierung der Mitarbeiter für Situationen extremer Anspannung eine Kommunikation zu pflegen, die den Erwartungen und Bedürfnissen der Patienten und der Angehörigen entspricht“.

Zu einem strittigen Punkt in der Auseinandersetzung zwischen Krankenhaus und Familie Dreesen gehörte auch die Frage nach den Lösungsversuchen in der Situation. So hatten beide Seiten behauptet, die Feuerwehr alarmiert zu haben, um die Patientin schließlich mithilfe eines Schwerlastrettungswagens aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Dazu heißt es jetzt: „Es ist möglich, dass der erste Kontakt zur Leitstelle durch Herrn Dreesen erfolgte“. Dem medizinischen Personal sei die Möglichkeit eines Einsatzes dieser Rettungsmittel nicht bekannt gewesen. Auf der anderen Seite habe die Familie Dreesen keine Kenntnis von den Methoden in der Pflege adipöser Menschen gehabt. „Die Erklärung, dass die vorübergehende Lagerung auf der Matratze als pflegerisches Konzept durchaus möglich und nicht abwegig ist (...), hat den Angehörigen gefehlt.“

Im Übrigen habe sich die Patientin in der Vergangenheit in der Klinik Niederlausitz gut aufgehoben gefühlt. Sie war dort zuletzt im Jahr 2013 in Behandlung. Und auch während des aktuellen Aufenthalts seien die Angehörigen „bis zu dem Positionieren auf der Matratze sehr zufrieden“ gewesen. Der Patientin geht es nach Angaben der Angehörigen „den Umständen entsprechend gut“. Mehr noch: In der gemeinsamen Stellungnahme, die Klinik-Pressesprecherin Daniela Graß an die RUNDSCHAU sendete, betont sie ihr Mitleid mit einer Krankenschwester, die sich bei dem Transferversuch den Rücken verletzte. Mario Dreesen dazu: „Trotz der offensichtlichen Schmerzen hat sie meine Mutter nicht losgelassen und sanft zu Boden gleiten lassen.“

Den Gesprächen zwischen Angehörigen und Klinikleitung sollen nun interne Treffen des Personals im Krankenhaus folgen. Die Pflegedirektorin des Hauses soll sicherstellen, dass „(...) der Sachverhalt zeitnah und intensiv ausgewertet wird“. Ansonsten werde man aber keine Mitteilungen mehr an die Öffentlichkeit machen, da man sich einig sei, dass es nicht förderlich ist, „die Medien miteinzubeziehen“.

Und auch von einer ursprünglichen Äußerung Mario Dreesens will man sich gemeinsam und mit Nachdruck in der Öffentlichkeit distanzieren: „Die Formulierung von einer ,menschenunwürdigen Behandlung’ der Patientin wird nun beiderseits als unzutreffend eingeschätzt.“