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| 21:48 Uhr

Plauderei
Medaillen liegen sicher im Safe

 Ehrfurchtsvolle Blicke auf die olympischen Medaillen: Die Sportkameradinnen Gabriele Bergmann, früher Weitspringerin bei Empor Rostock, Christina Lathan-Brehmer und Andrea Fischer, die ihre Sportkameradin in der Schulzeit in Senftenberg war (v.l.).
Ehrfurchtsvolle Blicke auf die olympischen Medaillen: Die Sportkameradinnen Gabriele Bergmann, früher Weitspringerin bei Empor Rostock, Christina Lathan-Brehmer und Andrea Fischer, die ihre Sportkameradin in der Schulzeit in Senftenberg war (v.l.). FOTO: Aswendt Peter / PETER ASWENDT
Senftenberg. Mit Olympiasiegerin Christina Lathan-Brehmer kommt die erste Frau, die 400 Meter unter 50 Sekunden gelaufen ist, aus Senftenberg. Rosi Ackermann war Patin in der Nationalmannschaft. Von Peter Aswendt

„Ich war schon immer flink“, lacht die attraktive 61-Jährige, auf ihre sportliche Entdeckung angesprochen. Christina Lathan-Brehmer war am Donnerstagabend Gast des Senftenberger Vereins für Heimatpflege. Moderiert von Hans-Peter Rößiger, Vorsitzender des Vereins, gab sie in der Wendischen Kirche interessante Einblicke in das Leben eines sportlichen Ausnahmetalents.

Es war eigentlich der typische Weg für eine begabte junge Sportlerin, den Christina Brehmer ging. „Ich ging damals in die Schule III in der Calauer Straße“, erinnert sie sich. „Mein Sportlehrer Herr Kühn hat damals meine Begeisterung für die Leichtathletik bei mir geweckt“, fügt sie lächelnd hinzu. Sie macht auch keinen Hehl daraus, dass der damalige Schulsport um Längen besser war als das, was es heute gibt. „Wir haben sehr viel und intensiv Sport getrieben, 100, 400, 800 Meter waren im Schulsport ständig zu laufende Strecken. Auch die Crossläufe über 3000 Meter gehörten dazu“, stellt sie klar.

Als ihr Talent entdeckt wurde, ging es außerschulisch zur Leichtathletik bei der Sportgemeinschaft (SG) Dynamo Senftenberg. Gerhard Lootze war der Erste, der ihr das Einmaleins des Laufens beigebracht hat. „Im Sommer trainierten wir im Stadion an der Harbig-Straße (Bautz-Sportpark) und im Winter in der Aktivisthalle (Niederlausitzhalle)“, erinnert sie sich an die damaligen Trainingsorte. Damals war ihre Lieblingsstrecke noch 800 Meter lang. Bei Kreismeisterschaften war sie nie zu bremsen. Deshalb sollte sie auch schon 1971 auf die Sportschule wechseln, was aber eine Erkrankung verhinderte. Darüber  war sie aber gar nicht so böse. „Ich war einfach noch zu jung und wollte aus meinem Umfeld nicht weg“, schmunzelt sie über den Umstand, dass sie die Sportschule rauszögern konnte.

Dann war der sportliche Ehrgeiz nicht mehr zu stoppen. Bei den Hallenmeisterschaften in Berlin lief sie ihren ersten persönlichen Rekord. Natürlich wurden die Sportfunktionäre der damaligen DDR auf sie aufmerksam. „Ich hatte zwar nicht die besten körperlichen Voraussetzungen, aber mein Ehrgeiz und mein Kampfgeist stimmten“, lacht sie. Folgerichtig kam dann die Delegierung zur SG Dynamo Berlin.

Es folgten erste Plätze bei den Spartakiaden und nationalen Juniorenmeisterschaften. International machte Christina Brehmer das erste Mal bei den Europameisterschaften der Junioren in Athen auf sich aufmerksam. Dort siegte sie gleich drei Mal: bei 400 Metern, der 4 x 100-Meter-Staffel und der 4 x 400-Meter-Staffel.

Damals wurde sie gefragt,  warum sie sich eigentlich  für den Sport begeistern würde. „Ich sagte, ich will das kapitalistische Ausland kennenlernen“, lächelt sie beim Gesprächsabend spitzbübisch. Konsequenzen hatte die Geschichte nicht für ihre Karriere, denn es blieb eine interne Sache in ihrer Sportgruppe. Mit Kanada, ihrem sportlichen Lieblingsort, lernte sie dann das kapitalistische Ausland im Jahr 1976 richtig kennen.

Mit dem vorolympischen Länderkampf wurde die damals 18-Jährige aus Senftenberg in die Nationalmannschaft aufgenommen. „Wir mussten bei der Aufnahme ein Ritual durchlaufen“, erinnert sie sich. „Jeder hatte einen Paten, meine Patin war Rosi Ackermann. Dann mussten wir ein Kostüm anziehen“, erzählt sie und reicht alte Schwarz-Weiß-Fotos in die Runde der Zuhörer. Nach dem Länderkampf kamen die Olympischen Spiele in Montreal, wo sie eine Gold- und eine Silbermedaille gewann. „Es sind meine schönsten Erinnerungen. Auch weil das ganze Flair und die Menschen in Kanada so zauberhaft waren“, schwärmt sie noch heute.

Auch verbindet sie mit dieser Zeit einen Rekord, den ihr keiner nehmen kann: „Ich war die erste Frau, die über 400 Meter, elektronisch gestoppt, unter 50 Sekunden gelaufen ist“, zeigt sie sich stolz. An ihrer persönlichen Bestzeit von 49,66 Sekunden beißen sich noch heute aktuelle Sportler die Zähne aus. Natürlich waren sie damals ständig überwacht und durften sich nur in Gruppen bewegen. „Wir waren eben Diplomaten im Trainingsanzug, das war eben so“, stellt sie pragmatisch klar. „Wir haben auch eine Menge Geld für den Staat verdient, denn alle Siegprämien gingen auf das Konto des Olympischen Komitees der DDR“, erinnert sie sich.

Nach Verletzungen und der Geburt ihres Sohnes Maik hängte Christina Lathan-Brehmer ihre berühmten Spikes 1984 an den Nagel. Mit Beendigung ihrer sportlichen Karriere ließ sie sich privat in Großräschen nieder und arbeitete als Schwimmtrainerin. Aktuell ist sie im Amt für Straßenverkehr und Ordnung des Landkreises Oberspreewald-Lausitz für die Landesschifffahrt zuständig.

Fragen nach der Sportmarke der Kleidung bis hin, wie es denn so im Olympischen Dorf zwischen den Sportlern zuging, bewegten die Gäste im kleinen Saal der Wendischen Kirche. Auch die Frage nach der medizinischen Unterstützung, also Doping, wurde gestellt. Hier antwortete Christina Lathan-Brehmer ganz pragmatisch: „Natürlich haben wir einen Vitamintropf bekommen oder spezielle Eiweißmittel, aber es war bei Weitem nicht so, wie es heute ist. Ich würde es nicht als Doping bezeichnen“, sagt sie.

Übrigens gingen am Donnerstagabend die Medaillen nach Begutachtung durch die Gäste wieder zurück in den heimischen Safe nach Großräschen. Dort ruhen sie sicher bis zum nächsten Vortrag über das interessante Sportlerleben der Christina Lathan-Brehmer.

 Ehrfurchtsvolle Blicke auf die olympischen Medaillen: Die Sportkameradinnen Gabriele Bergmann, früher Weitspringerin bei Empor Rostock, Christina Lathan-Brehmer und Andrea Fischer, die ihre Sportkameradin in der Schulzeit in Senftenberg war (v.l.).
Ehrfurchtsvolle Blicke auf die olympischen Medaillen: Die Sportkameradinnen Gabriele Bergmann, früher Weitspringerin bei Empor Rostock, Christina Lathan-Brehmer und Andrea Fischer, die ihre Sportkameradin in der Schulzeit in Senftenberg war (v.l.). FOTO: Aswendt Peter / PETER ASWENDT