| 16:04 Uhr

Masernrisiko bleibt weiter bestehen

Senftenberg. Der Oberspreewald-Lausitz-Kreis ist bisher von Masernerkrankungen verschont geblieben. Darüber freut sich Dr. Martina Pohle, Sachgebietsleiterin für Hygiene, Gesundheitsschutz und Fachärztin für Hygiene und Umweltmedizin im Gesundheitsamt des Kreises. Allerdings ist das Risiko, an der schweren Infektionskrankheit zu erkranken, auch in der Niederlausitz nicht völlig ausgeschlossen. Heidrun Seidel

"Es gibt immer eine Unbekannte, weil etwa vier Prozent der Kinder bei den Einschulungsuntersuchungen keinen Impfausweis vorweisen können." So dürfe einem die positiv scheinende Quote von 97,2 Prozent gegen Masern geimpfter Kinder bei den Einschülern 2013 oder 95,1 Prozent im Jahr 2014 nicht die Augen verkleistern. Denn diese Zahlen beinhalten nur die untersuchten Kinder mit Impfausweisen. Rechnet man die ohne Impfausweis hinzu, könne schnell die vom Robert-Koch-Institut benannte Marke von 95 Prozent unterschritten werden. Diese aber erst könne den Masernausbruch nahezu verhindern und auch jene schützen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können. Deshalb sei es wichtig, dass alle mitziehen. Masern bleiben eine gefährliche Infektionskrankheit, die zu schwerwiegenden Komplikationen führen kann. Diese seien ungleich höher als mögliche Impfkomplikationen. Während erkrankte Kinder zu 98 Prozent Hautausschlag mit hohem Fieber bekommen, rufe die Impfung diese Symptome höchstens bei fünf Prozent der Kinder und das abgeschwächt hervor. Noch deutlicher wird die Gefährdung der Erkrankten bei der Hirnhautentzündung. Daran kann ein Kind von 1000 bis eins von 10 000 Kindern erkranken, während es nach der Impfung schlimmstenfalls eins von einer Million Kindern betrifft. Todesfälle sind nach einer Masernimpfung nicht bekannt, doch sehr wohl bei einer Maserninfektion: statistisch stirbt ein Kind von 1000 an Masern Erkrankten. Die schweren Verläufe sollten auch die letzten Eltern wachrütteln. Martina Pohle begrüßt das Vorgehen einer Kita im Oberspreewald-Lausitz-Kreis, die die Impfung im Betreuungsvertrag verlangt. Von einer gesetzlichen Pflicht hält sie aber nichts.

Allerdings gibt es Länder, die einen deutlich besseren Masernschutz vorweisen können. So haben Estland, Ungarn, Bulgarien, Malta und die Slowakei keine Masernerkrankungen. Italien, Slowenien, Kroatien und Tschechien dagegen führen in Europa die Infektionshäufigkeit an, gefolgt von Deutschland und Lettland. Die USA sind seit 13 Jahren nahezu masernfrei. "Wer dort Aupair sein möchte, muss übrigens die MMR-Impfung, also Masern, Mumps, Röteln, vorweisen", sagt die Hygieneärztin anerkennend. Die EU dagegen musste ihr Ziel, masernfrei zu sein, schon zweimal verschieben. Nach 2010 und 2015 ist jetzt 2020 angepeilt.

Die Impfwoche haben viele Einwohner des Oberspreewald-Lausitz-Kreises genutzt, sich über Masern und die Impfung dagegen zu informieren. Außerdem haben etwa 190 Frauen und Männer ihren Impfstatus überprüfen und sich dazu beraten lassen. 115 internationale Impfausweise sind neu ausgestellt worden. Auch wegen Impfungen gegen Tetanus, Diphterie, Keuchhusten und Kinderlähmung haben viele den Weg ins Gesundheitsamt nicht gescheut. Einige haben sich gegen Hepatitis impfen oder sich für Reisen beraten lassen. Deutliches Interesse gilt nach Martina Pohle auch der FSME-, der sogenannten "Zeckenimpfung", die allerdings nicht im Gesundheitsamt, sondern von den Hausärzten angeboten wird. Wer in Bayern, Baden-Württemberg, Teilen von Hessen und Thüringen oder in Österreich Urlaub machen will, sollte sie haben. Allerdings schützt sie nur vor der gefährlichen Hirnhautentzündung durch FSME-Viren, nicht vor der Borreliose, die vor allem in der Lausitz auftritt.