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Marktbus und Eigenheim-Grundstücke auf Agenda

Die Stadt Senftenberg prüft, ob ein Marktbus die Bürger der Ortsteile stärker am regen Markttreiben in der Innenstadt teilhaben lassen kann.
Die Stadt Senftenberg prüft, ob ein Marktbus die Bürger der Ortsteile stärker am regen Markttreiben in der Innenstadt teilhaben lassen kann. FOTO: str1
Senftenberg. Die Universitätsstadt Senftenberg hat sich als Wirtschaftsstandort und anerkannter Erholungsort neue Ziele gesetzt. Ganz oben auf der Wunschliste steht ein Marktbus. Kathleen Weser

"Wir wollen etwas tun, um die dörflichen Ortsteile besser an die Innenstadt anzubinden", bestätigt Wirtschaftsförderer Frank Neubert. Im jüngsten Bauausschuss hat er das Arbeitsprogramm des Fachamtes vorgestellt - mit dem Blick zurück und nach vorn.

Vor allem ältere Mitbürger beklagen, dass der Weg in die Innenstadt beschwerlich sei. An den Markttagen, an denen im Herzen Senftenbergs der Puls des Lebens stärker schlägt, seien nur schwer Parkplätze zu finden. Deshalb werde Abstand davon genommen, auf den doch attraktiven Märkten einzukaufen. Ein Marktbus könnte den Bürgerservice verbessern und auch einen Beitrag zum regeren Handel leisten. Mit einer Bürgerbefragung wollen die Wirtschaftsförderer jetzt ergründen, ob die Idee bei den Bürgern auf fruchtbaren Boden fällt. "Denn wir müssten es natürlich auch hinbekommen, den Marktbus wirtschaftlich zu machen", formuliert Frank Neubert eine Prämisse. Die Ortsteile Sedlitz und Brieske sind über die Stadtlinie und den Öffentlichen Personennahverkehr bereits mit der Kernstadt verbunden. Die älteren Einwohner von Hosena, Peickwitz, Großkoschen und Niemtsch indes sind deutlich weniger mobil.

Auf der Agenda der Rathaus-Spitze steht in diesem Jahr auch, das Sedlitzer Bahnhofsgebäude zu erwerben. Der Landesbetrieb Straßenwesen hat die Ortsdurchfahrt der Bundesstraße 169 und die Kreuzungsbereiche in den Ort ansehnlich neu gestaltet. Sedlitz soll aber über die motorisierte Durchreise auf der schnellen Verkehrsader hinaus auch als mit der Bahn erreichbares Eingangstor zum Lausitzer Seenland attraktiver werden. "Das Gebäude ist sanierungsbedürftig", erklärt Frank Neubert. Auf fremden Terrain aber könne nicht investiert werden. Das erfolgreiche Bemühen um das Objekt stehe vor dem erklärten Plan, touristische Wegweiser und Informationstafeln zu platzieren und neue Nutzer für das Bahnhofsgebäude zu finden.

Die Werbetrommel wird für Senftenberg auch im Stadtgebiet kräftig gerührt. Von 600 Plakatehaltern an den Straßenlaternen, mit denen Ordnung im Stadtbild geschaffen worden ist, ist etwa die Hälfte noch nackt. Das wollen die Wirtschaftsförderer jetzt ändern.

Auf die Plakathalter, die temporär von saisonalen Veranstaltern belegt werden oder zeitweise Werbungen tragen, sollen weitere kommunale Unternehmen und Einrichtungen sich in buchungsfreien Zeiträumen präsentieren. Von den Köpfen der Schauspieler des Theaters Neue Bühne Senftenberg bis zu Sehenswürdigkeiten in der Reiseregion reichen die Ideen. Bis Mitte des Jahres sollen sich die städtischen Partner dazu erklären. Dann sollen die freien Werbeflächen auch privaten Unternehmen angeboten werden, kündigt Wirtschaftsförderer Frank Neubert an.

Senftenberg wird als Wohnort stark nachgefragt. An geeigneten Baugrundstücken mangelt es allerdings. Mehr als 200 Anfragen von Bauwilligen liegen im Rathaus in der Warteschleife. Etwa 30 Schollen will die Stadt selbst in diesem Jahr anbieten und vermarkten.

Eine Initiative der Wohnungsbaugenossenschaft "die senftenberger" begleitet die Wirtschaftsförderung mit großer Freude: Der Großvermieter hat die ehemalige Kaufhalle in der Brechtstraße erworben. Sie soll als "Fleißighaus" für Existenzgründer und Jungunternehmer flott gemacht werden. "Das Vorhaben unterstützen wir gern", betont Frank Neubert. Interessenten mit Geschäftsideen, die keine Labore erfordern und daher nicht für das Innovationszentrum am Senftenberger Uni-Campus in Betracht kommen, werden auf die Kaufhalle aufmerksam gemacht.

Auch die medizinische Versorgung der Senftenberger hat die Rathaus-Spitze auf dem Schirm. Das versichert der Wirtschaftsförderer. Nachdem im vergangenen Jahr zwei Ansiedlungen von Ärzten auch aus dem städtischen Haushalt gefördert wurden, soll nun ein neuer Kinderarzt gewonnen werden.

Zum Thema:
Die Wirtschaftsförderung der Stadt Senftenberg hat im vergangenen Jahr etwa 70 Betriebsbesuche in Senftenberg absolviert. 15 Existenzgründer wurden beraten und begleitet. Sie sind in den Branchen Internethandel, Autohandel, Werbung und Einzelhandel tätig.75 Firmen aus der Stadt haben an einer Unternehmensbefragung teilgenommen, in der die Arbeit des Fachamtes im Rathaus bewertet wurde. Die Wirtschaftsförderung erhielt die Note 1,99. Die städtischen Gewerbeflächen sind fast vollständig ausgelastet. Freie kommunale Grundstücke sind nur noch an der Grubenstraße verfügbar. Weitere gehören der Bergbausaniererin LMBV. Auch touristische Ansiedlungen machen Senftenberg weiter attraktiver. Die alte Realschule am Neumarkt ist verkauft worden. Eine anspruchsvolle Herberge mit Gastronomie soll hier entstehen. Das "Hotel zum Löwen" und "Die Drogerie" am Jüttendorfer Anger wurden eröffnet.