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Jubilarin
Geburtstagsfeier für die Kult-Wirtin von Tettau

Margarete Sarodnik (vorn), die Wirtin von Tettau, feiert ihren 90. Gebutstag. Tochter Kerstin und Enkelsohn Sebastian freuen sich mit der Jubilarin, die nach wie vor die gute Seele des Gasthauses ist.
Margarete Sarodnik (vorn), die Wirtin von Tettau, feiert ihren 90. Gebutstag. Tochter Kerstin und Enkelsohn Sebastian freuen sich mit der Jubilarin, die nach wie vor die gute Seele des Gasthauses ist. FOTO: Rasche Steffen
Tettau. Ein erfülltes Leben im Unruhestand: Margarete Sarodnik (90) ist Herz und Seele des Tettauer Gasthofes und Familienbetriebes. Von Kathleen Weser

Einen Ruhetag kennt der Gasthof Sarodnik in Tettau nicht wirklich. „Bei uns wird auch nachdrücklich ans Küchenfenster geklopft, sollte die Tür mal verschlossen sein“, bestätigt Inhaberin Kerstin Sarodnik lachend. Dafür, dass es ohne die gemütliche Stammtisch-Runde und den vollen Saal zu Familien- und anderen Feiern im Dorf gar nicht geht, hat viele Jahre vor allem auch Margarete Sarodnik gesorgt: couragiert und liebevoll.

Die Wirtin im Unruhestand ist eine Institution in Tettau. Heute wird sie 90 Jahre jung. Und das sorgt praktisch schon im Selbstlauf für ein volles Haus. Die Jubilarin, die den Rummel um ihre Person zwar weniger mag, hat dafür umso lieber viele Gäste. Vor allem auf die Lieben, die der Arbeit wegen auch entfernt von der alten Heimat leben, freut sie sich sehr. Vier Kinder, sechs Enkel und fünf Urenkel machen die Kult-Wirtin, die nach wie vor die gute Seele des Gasthauses ist, stolz. Und die Nachbarn und Stammkunden kommen immer gern.

Im Gasthof wird aufgetafelt. Die deftige Schlachteplatte darf nicht fehlen. Und auch mit dem Likörchen darf gern auf die Gesundheit angestoßen werden. Der Genuss in Maßen und die Aufgabe, den Laden nach wie vor mit zusammen zu halten, halten Margarete Sarodnik jung. Das wahre Alter ist der gepflegten Frau mit den sanften Augen, aus denen immer wieder auch der Schalk blitzt, gar nicht anzusehen. „Ich schlafe viel. Die Mittagsruhe ist mir heilig, die darf keiner stören“, bestätigt sie schmunzelnd. Und morgens zum Frühstück studiert sie ausgiebig die Zeitung. Freunden in Berlin, die aus Lauchhammer stammen, schickt sie regelmäßig alle Nachrichten aus der Heimat. Und die 90-Jährige hört dann auch am Klingeln des Telefons sofort, dass es sich um die Rückmeldung nach der eingetroffenen Post mit der Heimatlektüre handelt. Den Plausch am Draht genießt sie dann besonders.

Margarete Sarodnik hat das Leben in der Familie selbst festgehalten. Sie fotografiert leidenschaftlich gern. Die Bilder füllen mehr als 60  akkurat sortierte Alben. Der Ortrander Fotograf hat augenscheinlich nur für die 90-Jährige noch die alte Technik für das Entwickeln der Filme, die sie nach wie vor nutzt, behalten. „Wir melden uns rechtzeitig an, damit das Gerät warmlaufen kann“, erzählt Enkelsohn Sebastian (27). Dann fährt er Oma in die Kleinstadt. Und während der bereitwillige Dienstleister die Filme entwickelt und die gewünschten Fotos abzieht, „gehen wir shoppen“. Der junge Mann, der Mikrobiologie studiert hat und eigentlich nur drei Monate lang im Familienbetrieb aushelfen wollte, ist nun bereits zwei Jahre in der Gastwirtschaft tätig. „Ich bin hier aufgewachsen mit der Gaststätte“, sagt er schlicht. Und die Wohngemeinschaft mit seiner flotten Oma läuft auch prima. Sebastian Sarodnik schaut gelassen in die Zukunft. Die Familie ist der Ankerpunkt. Daran lässt er keinen Zweifel.

Margarete Sarodnik nimmt rege teil am Geschehen im Dorf. Ein Stammgast ist Großvater geworden. Und das Enkelkind ist auch noch berühmt als RUNDSCHAU-Baby der Woche. Die 90-Jährige nimmt Anteil an Freude und Leid - setzt sich gern mit an den Tisch in der Gaststube auf einen Plausch. Dabei ist sie einst fast nach Tettau beordert worden: Erst als Tochter Kerstin im Anmarsch war, hatte der aus der Gastwirtschaft stammende Liebste sie aus dem Heimatdorf Schraden nach Tettau gelotst. Der große Sohn ist im Elternhaus in Schraden geblieben. „Wir hatten den Lebensmittelladen, und mein Vater war der Schmied im Dorf“, erzählt die Jubilarin. Vor der Karriere als Kult-Wirtin hatte sie zwölf Jahre lang die Post in Schraden ausgeteilt, jedes Haus und jeden Bewohner gekannt.