Fix steuert Marcel Respa die Schere durch die dunkelbraunen Haare seines Kunden. Nur wenige, kleine Strähnen fallen auf den Boden. Die Langhaarmode, das ist das Steckenpferd des 25-Jährigen. Sie hat ihn ganz nach vorne gebracht: Er ist der zweitbeste Herrenfriseur in Deutschland. Nur dem Vize-Europameister des vergangenen Jahres musste sich der Schwarzheider in Frankfurt geschlagen geben.
Erfolg zu haben bedeutet für Respa jeden Tag zwölf Stunden Arbeit im Salon von Mutter Kerstin. Danach trainiert er noch zwei Stunden lang. Die Ausscheide auf hohen Ebenen sind anstrengend wie bei Sportlern: Zwei Tage lang ging es vor den Meisterschaften ins Trainingslager nach Darmstadt. Dort wurde, wie auch beim Kontest, am lebenden Modell geschnitten.
Die besondere Kreativität brachte dem Schwarzheider letztlich den Vizetitel unter 24 Konkurrenten. Sein Langhaarschnitt, dreifarbig, „irgendwo zwischen dänischer und deutscher Mode“ (Respa selbst), überzeugte die Jury - bestehend aus Nationaltrainern verschiedener Länder.
„Ich hoffe, dieser Titel hilft mir beim internationalen Durchbruch“ , sagt Marcel zurück in Schwarzheide. Denn nächstes Jahr steht die Weltmeisterschaft in Mailand an. Im Salon Respa wollen die Mitarbeiter demnächst mit einem Glas Sekt auf den Titel anstoßen. An den Preisen fürs Haareschneiden soll sich aber nichts ändern, lacht Vizemeister Marcel. „Dann würde ich zwar schnell reich werden, aber es könnte sich keiner mehr leisten.“

Hintergrund Die besten Frisöre
  Abgesehen von Marcel Respa errang Friseurin Diana Misera vom Salon Reike aus Lauchhammer-Ost einen achtbaren vierten Platz. Bei den Juniorinnnen kam Grit Sickert (auch Salon Respa) auf einen siebten Platz.