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| 15:02 Uhr

Senftenberger bricht Ex-Freundin beide Kiefer
Eifersuchts-Drama endet in Klinik

Senftenberg. Aus Missgunst hat ein Senftenberger seine Ex-Freundin erbarmungslos zusammengeschlagen. Ein Zeuge beobachtet die Tat und ist schockiert. Opfer und Täter sind heute wieder ein Paar. Von Jan Augustin

Diese Szenen vergisst Walter G.* aus Senftenberg nie. Als er an einem Märzmorgen vorigen Jahres in seiner Wohnung die Jalousien öffnet, wird der 65-Jährige Zeuge eines brutalen Übergriffs. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite schlägt ein junger Mann mit aller Kraft auf eine im Auto sitzende junge Frau ein. Sie will flüchten, doch der Mann tritt ihr in Kampfsportmanier von hinten in den Rücken. Die Frau rappelt sich auf, rennt in einen Hauseingang. Wenig später stürzen beide wieder raus. Der Mann schlägt weiter auf die Frau ein. Walter G. hat längst die Polizei gerufen. Er solle von der Frau ablassen, schreit er herunter. Doch der Angreifer reagiert nicht, droht Walter G. – er wisse, wo er wohnt. Polizei und Rettungssanitäter kommen, und die Sache nimmt ein Ende.

Die Frau erleidet Rippenprellungen, der Oberkiefer und der Unterkiefer sind gebrochen. Nach Krankenhausaufenthalten in Senftenberg und Cottbus sind die Kiefer noch für drei Wochen mit Schrauben verbunden. „So eine Auseinandersetzung in dieser harten Form habe ich noch nie erlebt“, sagt ein entsetzter Walter G. im Saal des Senftenberger Amtsgerichtes.

Dort ist er am Donnerstag als Zeuge geladen und soll das Erlebte schildern. Die Verhandlung beginnt mit einer Stunde Verspätung – weil ein geladener Schöffe nicht erscheint. Zu weiteren Verzögerungen kommt es aber nicht. Die Sachlage ist klar – nicht nur die weiteren Zeugen bestätigen den Anklagevorwurf der gefährlichen Körperverletzung. Auch der wuchtig-muskulös wirkende 25-jährige Beschuldigte selbst gibt zu, dass der Vorfall so stattgefunden haben muss. Richter Harald Rehbein erkundigt sich nach dem möglichen Motiv. Ob er vielleicht aus Eifersucht so ausgerastet ist, fragt er. „Ich denke“, flüstert der Vater eines sechsjährigen Kindes und senkt den Kopf.

Sein Mandant sei allerdings zur Tatzeit so stark alkoholisiert gewesen, dass ihm die Härte des Aktes nicht bewusst gewesen sei, betont Rechtsanwalt Jens-Hagen Schneider. Ein paar Tage später habe er sich bei den Geschädigten entschuldigt. Neben der jungen Frau hat er auch den Fahrer des Autos geschlagen. „Er bedauert das Ganze“, sagt der Verteidiger. Ihm tue es leid, erklärt der Angeklagte.

Auch das Opfer, die junge Frau, ist als Zeugin geladen. Von den schweren Verletzungen sind keine Spuren mehr zu sehen. Die 20-jährige absolviert gerade eine Ausbildung zur Bürokauffrau. Kurz vor Prozessbeginn lächelt sie zutraulich ihrem damaligen Peiniger entgegen. Sie seien immer mal zusammen und dann wieder getrennt gewesen, schildert sie. Trotz des Gewaltausbruches vor anderthalb Jahren sind die Beiden heute wieder ein Paar, bestätigt sie. An die gegen sie gerichtete Attacke könne sie sich nicht mehr im Detail erinnern. „Ich kann nicht wirklich viel erzählen – ich war betrunken, sehr betrunken“, erklärt sie. Irgendwann sei sie im Krankenwagen aufgewacht. Ihr Ex-Freund habe sich damals „tausendmal entschuldigt. Ihm tut es auch leid, was passiert ist“.

Das Schöffengericht um Harald Rehbein lässt das Geständnis bei der Urteilsfindung mit einfließen. Kein Zweifel bestehe an der gefährlichen Körperverletzung. Jugendstrafsachen und ein noch ausstehendes Urteil vom Landgericht Cottbus können nicht mit eingerechnet werden. Der Angeklagte gilt so als nicht vorbestraft – bis jetzt. Das Gericht verurteilt ihn am Donnerstag zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung. 100 Arbeitsstunden soll er zudem für gemeinnützige Zwecke ableisten.

Für Zeuge Walter G. ist es indes absolut unverständlich, wie sich ein Mann so gegenüber einer Frau verhalten kann. Er selbst sei geschieden und räumt ein, dass eine Beziehung nicht immer nur harmonisch abläuft. Aber dieses Ausmaß sei für ihn nicht begreifbar. „Ich kann mich nur deshalb erinnern, weil das für mich mehr Horror war als das, was man im Fernsehen zusehen bekommt.“

*Name geändert