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| 13:26 Uhr

Spannende Heimatforschung
Manches Kirchenrätsel bleibt weiter ungelöst

Drei der fünf Autoren präsentieren ihr Werk vor der berühmten Großkmehlener Silbermann-Orgel: Frank-Harald Greß, Reinhard Kißro sowie Christian Kunath (v.l.n.r.).
Drei der fünf Autoren präsentieren ihr Werk vor der berühmten Großkmehlener Silbermann-Orgel: Frank-Harald Greß, Reinhard Kißro sowie Christian Kunath (v.l.n.r.). FOTO: LR / Torsten Richter-Zippack
Großkmehlen. Die neue Großkmehlener Festschrift räumt mit alten Mythen auf, weil Heimatforscher aufwendig recherchiert haben. Von Torsten Richter-Zippack

Reinhard Kißro beschäftigt sich schon von Kindesbeinen an mit der Historie der Großkmehlener Pfarrkirche St. Georg. Doch im Zuge der Recherchen für die jetzt erschienene Festschrift anlässlich 300 Jahre Barockumbau des Gotteshauses sowie 300 Jahre Silbermann-Orgel ist der 70-jährige Heimathistoriker aus dem benachbarten Burkersdorf auf neue Erkenntnisse gestoßen. „Bisher hieß es in der Kirche immer, dass die Männer unten sitzen und die Frauen oben. Doch das stimmt nicht. Richtig ist, dass früher auf der Südseite die Kleinkmehlener ihre Plätze hatten, auf der Nordseite die Großkmehlener. Die Burkersdorfer saßen oben und die Pfarrersfamilie ganz vorn.“

Darüber hinaus hat Kißro bei seinen aufwendigen Recherchen in diversen Archiven, unter anderem im Pfarrhaus von Pfarrer Thomas Brilla, herausgefunden, dass der Taufstein, wie bisher angekommen, kein komplett neues Werk sei, sondern dass er Teile seines Vorgängers enthalte. Auch die Annahme, der Dresdner Kirchenbaumeister George Bähr habe sich den barocken Grundriss des Kmehlener Gotteshauses komplett neu ausgedacht, stimme nicht. „Bähr hat lediglich den Plan der Kirche von Schmiedeberg im Erzgebirge abgekupfert“, sagt Reinhard Kißro. Manches sei aber auch dem langjährigen Ortrander Stadtarchivar nicht gelungen. Beispielsweise ein Foto vom großen Kirchenbrand vom 5. Juli 1944 aufzuspüren. Damals hatte ein Blitz den Turm in Brand gesetzt. Unklar sei ebenso, was es mit dem Mühlstein neben der Kanzel auf sich hatte, der auf Bildern aus den 1920er-Jahren zu sehen ist.

Spannende Erkenntnisse über den Orgelbaumeister Gottfried Silbermann hat der zweite Autor der Festschrift, Prof. Frank-Harald Greß aus Dresden, aufgeschrieben. So war es Silbermann, der den Kirchgemeinden fünf verschiedene Orgeltypen anbot. „Dabei heißt es immer, jede Orgel sei ein absolutes Unikat“, erklärt der Experte. Auch um Silbermann ranke sich noch manches Geheimnis. Beispielsweise, woher sein nicht unbeträchtliches Vermögen stammte, dass er direkt nach seiner Lehrzeit im Elsass mitbrachte.

Christian Kunath, der dritte Buchautor, befasst sich mit der Großkmehlener Kirchenpatronin Freifrau Johanna Eleonore von Brause. Der Dresdner Heimathistoriker beschreibt diese Person, die in den Jahren von 1668 bis 1734 lebte, als „eine gut situierte, hervorragende Managerin“. Weitere Autoren der 184 Seiten starken Festschrift sind der profunde Ortrander Landschaftskenner Dr. Dietrich Hanspach sowie die langjährige Leiterin des Frauensteiner Museums, Gisela Müller. Die Festschrift mit dem Titel „Die Pfarrkirche St. Georg zu Großkmehlen – Eine Festschrift zum 300-jährigen Jubiläum der Silbermann-Orgel“ ist unter anderem im Großkmehlener Pfarramt zu haben. Das Buch kostet 14 Euro.