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Mammutbaum wird mitten im Wohngebiet zum Riesen

Der gut gewachsene Mammutbaum in der Ückeritzer Straße in Senftenberg soll erhalten bleiben. Dafür bringt sich der Nabu ein. Die Wohnungsbaugenossenschaft unterstützt dies.
Der gut gewachsene Mammutbaum in der Ückeritzer Straße in Senftenberg soll erhalten bleiben. Dafür bringt sich der Nabu ein. Die Wohnungsbaugenossenschaft unterstützt dies. FOTO: Genossenschaft
Senftenberg. Nachdem in der Ückeritzer Straße in Senftenberg (unweit der Kaufland-Kreuzung) vor Jahren Wohnblocks abgerissen worden waren, ist ein Mammutbaum geblieben. "Es ist ein großes Glück, dass er nicht beschädigt worden ist", dankt Karl-Heinz Meinert vom Regionalverband Senftenberg des Naturschutzbundes (Nabu) Deutschland der einstigen Abrissfirma. Manfred Feller

Der Naturschützer möchte dieses etwa 40 bis 45 Jahre junge Exemplar erhalten und schützen - auch wenn das Gehölz sein Zuhause eher auf dem amerikanischen Kontinent hat.

"Der Senftenberger Mammutbaum ist fast ein Unikat", weiß Karl-Heinz Meinert. Ihm sei lediglich ein zweiter Baum in nennenswerter Größe bekannt. Jener in der Ückeritzer Straße habe einen unbeschädigten Stamm und besitze eine bestens gewachsene Krone. "Hoffentlich kommt niemand auf die Idee und bietet ihn für den Weihnachtsmarkt an", hofft der Senftenberger.

Der Baum ist etwa 15 Meter hoch und hat einen Stammdurchmesser von rund 75 Zentimetern. Ausgewachsen kann er hier durchaus 40 Meter und größer werden. Die ältesten Mammutbäume sind 3000 Jahre alt.

"Ich stand schon einmal an einem umgefallenen Mammutbaum in Kalifornien. Er war bestimmt 130 Meter hoch gewesen und sehr beeindruckend. In Europa haben wir nichts Vergleichbares", weiß der Naturschützer. Ihn interessiert, wer den Senftenberger Baum wann gepflanzt hat (Telefon 03573 798549).

Karl-Heinz Meinert hat sein Ansinnen bereits dem Nabu-Vorstand angetragen. Dieser bezweifelt, ob Nadelbäume und dann noch nicht heimische Arten überhaupt eine Chance haben. Obwohl der Mammutbaum wie die Sumpfzypresse (steht bereits als Naturdenkmal unter Schutz) nach seiner Kenntnis in Urzeiten ein Braunkohlebildner gewesen sei. Damit wäre der heimische Bezug gegeben.

"Der Mammutbaum in Senftenberg liegt der unteren Naturschutzbehörde bereits als Vorschlag vor. Der Eigentümer des Baumes hat signalisiert, diesen Baum schützen und erhalten zu wollen", teilt die Kreisverwaltung mit. Letztmalig sei die Liste der kreislichen Naturdenkmale Ende des Jahres 2007 durch Beschluss des Kreistages aktualisiert worden. Bei Bedarf werde die entsprechende Verordnung überprüft und auf den neuesten Stand gebracht. Das heißt: Nicht mehr vorhandene Naturdenkmale werden gelöscht und schutzwürdige Objekte neu aufgenommen. Die Vorschläge kommen von der unteren Naturschutzbehörde selbst, von Naturschutzverbänden, Planungsbüros, Kommunen und Bürgern.

In die engere Auswahl kämen seltene Bäume beziehungsweise jene mit einem Stammumfang von mehr als drei Metern. Bewertet würden der Standort, der Zustand des Baumes (Vitalität, Lebensdauer), die Eigenart und Schönheit sowie die Ortsbild- und Landschaftsprägung.

Eine gute Nachricht kommt von der Wohnungsbaugenossenschaft "die senftenberger" als Flächeneigentümerin in der Ückeritzer Straße. "Wir stehen dem Anliegen des Nabu offen sowie zustimmend gegenüber und würden uns freuen, wenn wir diesen Baum weiter wachsen lassen dürfen", lässt Vorstandsvorsitzender Horst-Ulrich König mitteilen. Allerdings gebe es ein Problem: Die unteren Äste ragen in den Fahrbahnbereich. Andererseits wird diese Straße wenig genutzt. Um die Symmetrie des Baumes nicht zu zerstören, würde die Genossenschaft das Verschneiden gerne vermeiden. Dem gegenüber steht die Verkehrssicherungspflicht. Genossenschaft und Nabu könnten gemeinsam nach einer Lösung suchen, damit die Säge nicht angesetzt werden muss. Vorgeschlagen wird, an der Straße einen entsprechenden Hinweis und einen Schutz anzubringen. Zudem müsste die dortige Laterne umgesetzt werden.

Die Stadtverwaltung sieht das Thema etwas anders, teilt Sprecher Andreas Groebe mit: "Da die Entwicklung der Fläche ungeklärt ist, ist eine Unterschutzstellung aus Sicht der städtebaulichen Entwicklung nicht unbedingt erstrebenswert." Zudem handele es sich um ein nicht heimisches Gehölz. Schließlich sei es eine Angelegenheit des Eigentümers, der gut abwägen möge.

Zum Thema:
Insgesamt gibt es im Landkreis Oberspreewald-Lausitz nach Angaben der unteren Naturschutzbehörde derzeit 313 Naturdenkmale. Das sind Einzelbäume, Findlinge und eine Quelle. Jedes Denkmal ist durch ein Schild gekennzeichnet. Diese Kennzeichnung wird jedoch nicht selten gestohlen. Das Schutzobjekt wird als solches nicht mehr erkannt. Dennoch bleibt der Schutzstatus erhalten.Herausragende Naturdenkmale im Landkreis sind unter anderem die Stieleiche am Friedhof in Saßleben, die Napoleonseiche an der Straße nach Werchow in Calau, die Sommerlinde an der Bushaltestelle in Cabel, die Pyramiden-eiche im Schlosspark von Lauchhammer, die Winterlinden auf dem Hof der Gaststätte Richter in Großkmehlen und die Sommerlinde an der Kirche in Lieske.