Mit einem kritischen Blick betrachtet Birgit Krüger die Bleistiftzeichnung vor sich. „Stimmt die Perspektive? Ist die Linienführung in Ordnung?“ Die 44-Jährige geht in Gedanken noch einmal all das durch, was sie in den ersten zwei Tagen gelernt hat. Noch ein paar Korrekturen, dann kann sie beginnen, die Ölfarbe aufzubringen. „In meiner Jugend habe ich gern gemalt“ , erzählt die Schülerin von Ararat Haydeyan. Jetzt sei sie dabei, das alte Hobby wieder neu zu entdecken. Dazu gehöre natürlich in erster Linie das Erlernen der verschiedenen Techniken. Malen beginne allerdings schon beim Sehen. „Wer malt, sieht die Welt mit anderen Augen“ , sagt Birgit Krüger.
Das können ihre Kurskolleginnen nur bestätigen. „Seitdem ich male, nehme ich Details im Alltag viel deutlicher wahr“ , beschreibt Renate Lehmann, die gemeinsam mit ihrem Mann Günter – übrigens dem einzigen Mann in diesem Sommerkurs – bereits zum dritten Mal dabei ist. Man entwickle so eine Art fotografischen Blick. Ihren Lehrmeister Ararat Haydeyan wird’s freuen. Sein Ziel ist es, bei den Kursteilnehmern ein „anderes Sehen“ sowie ein Gefühl für Formen, Farben und Details zu wecken. Das fange schon bei der Auswahl des Motivs an. Im Rosengarten haben die Maler die Qual der Wahl. Dabei sei es völlig egal, ob man Vorkenntnisse mitbringt oder zum ersten Mal an einer Staffelei steht. Jeder werde nach seinen Fähigkeiten gefördert. „Auch wer schon viele Jahre dabei ist, findet immer wieder ein lohnendes Motiv“ , weiß Ararat Haydeyan.
Kunsterziehungslehrerin Cornelia Götze aus Prösen beispielsweise hat zu Hause schon viele Saathainer Motive. „Wenn ich sie vergleiche, kann ich schon Qualitätssprünge feststellen“ , sagt die Prösenerin. Am Anfang habe sie das jeweilige Landschaftsmotiv eher abgemalt. Heute lasse sie viel mehr Gefühl in die Arbeit einfließen. Weil es heute schön warm sei, habe sie sich auch für warme Farben entschieden.
So wie Cornelia Götze gibt es einige fortgeschrittene Schüler, die in jedem Jahr wieder ihre Staffelei im Rosengarten aufschlagen. „Es gibt immer wieder Anregungen, die man mitnehmen kann“ , so Gisela Mildner, die schon mehrere Volkshochschulkurse bei Ararat Haydeyan belegt hat.
Auch ihre Staffelei-Nachbarin Regina Günz malt schon seit knapp zehn Jahren, allerdings bisher ausschließlich Aquarelle. In diesem Jahr versucht sich die Falkenbergerin zum ersten Mal mit Öl. „Mal sehen, was dabei rauskommt“ , meint sie skeptisch und wird von ihren Kolleginnen sofort ermuntert.
Ölmalerei sei doch viel einfacher als Aquaralltechnik. Hier könne man auch mal einen nicht so gelungenen Strich „vertuschen“ .