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| 18:19 Uhr

Tödlicher Badeunfall in Großräschen
Mädchen (6) im Freibad ertrunken – Kripo ermittelt

Schwimmmeister Uwe Schwingeweitzen hat am Freitag sofort gehandelt. Für das Mädchen, das im Nichtschwimmerbecken trieb, kam jedoch jede Hilfe zu spät.
Schwimmmeister Uwe Schwingeweitzen hat am Freitag sofort gehandelt. Für das Mädchen, das im Nichtschwimmerbecken trieb, kam jedoch jede Hilfe zu spät. FOTO: Steffen Rasche
Großräschen. Trotz reibungsloser Rettungskette ist im Großräschener Freizeit- und Erholungszentrum am Freitag ein Kind (6) zu Tode gekommen. Die Ursache für den Unfall ist noch unklar. Von Jan Augustin

Die Kleinstadt Großräschen steht unter Schock: Ein sechsjähriges Mädchen aus Afghanistan ist im Großräschener Freibad zu Tode gekommen. Das Kind war trotz sofort eingeleiteter Rettungsversuche am Abend im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum verstorben. Die Ursachen für das Unglück sind noch nicht gefunden. „Es ist eine zutiefst bedauerliche und tragische Geschichte - das Schlimmste, was passieren kann“, sagt Polizeisprecher Torsten Wendt am Montag zum Tod des Mädchens. Warum das Mädchen unter Wasser geraten war und ertrank, ist noch unklar. „Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen“, sagt Wendt. Von Amts wegen ist die Kriminalpolizei in diesem Fall eingeschaltet. „Es wird geprüft, ob jemand die Aufsichtspflicht verletzt hat“, erklärt Oberstaatsanwalt Horst Nothbaum. Ein Fremdverschulden wird derzeit ausgeschlossen.

Die Anteilnahme bei den Rettungskräften, den Erziehern und den beteiligten Polizisten ist groß. In den sozialen Medien sprechen viele Menschen der Familie ihr Beileid aus. Auch Großrä­schens Bürgermeister Thomas Zenker (SPD) trauert und bringt sein „tiefes Mitgefühl“ zum Ausdruck. An Spekulationen zum Hergang des Unglücks kann und will er sich nicht beteiligen, erklärt er am Montagvormittag. Er selbst war am Freitag nicht vor Ort.

Die bei den Großräschenern beliebte Kindertags-Veranstaltung wird seit 15 Jahren von der Stadt organisiert. Mehr als 700 Gäste sollen im Bad gewesen sein, davon etwa 500 Kinder, viele Eltern, Erzieher und ehrenamtliche Helfer: Ein fröhliches Fest, das gegen 16 Uhr jäh unterbrochen wird. Ein Badegast hatte den scheinbar leblosen Körper im Nichtschwimmerbecken entdeckt, aus dem Wasser gehoben und den heraneilenden Rettungsschwimmern übergeben. „Es ging scheinbar um Sekunden“, erläutert Thomas Zenker. Die bei solchen Unfällen übliche Rettungskette sei fehlerfrei eingehalten worden. Nach Kontrolle der vitalen Lebensfunktionen seien die „geeigneten Sofortmaßnahmen“ eingeleitet worden. Der Rettungsnotruf wurde von Schwimmmeister Uwe Schwingeweitzen sofort abgesetzt, sodass eine Notärztin und Rettungskräfte per Hubschrauber schnell vor Ort waren, schildert das Stadtoberhaupt. „Alles ging in Windeseile. Trotzdem ist das tragische Unglück passiert“, sagt Thomas Zenker.

Vor Ort waren am Freitag neben den vielen Eltern, Erziehern, Lehrern auch alle Sozialarbeiter der Stadt Großräschen - sowie vier hauptamtliche Rettungsschwimmer. Im Vergleich zu anderen Bädern in der Lausitz ist das eine gute Quote. Das bestätigt auch der Leiter der Senftenberger Wasserwacht Jörn-Torsten Kusch. An den Stränden in Großkoschen, Niemtsch, Buchwalde und am Stadthafen sind je nach Wetter und Urlaubszeit teilweise bis zu 14 Leute im Einsatz. Die Mindestbesetzung liegt bei sechs ehrenamtlichen Mitarbeitern. Besetzt sein muss immer die Wachstation in Großkoschen. Außerdem sind regelmäßige Strandgänge und Boots-Kontrollfahrten mit dem Zweckverband Lausitzer Seenland vereinbart. Von dem Großräschener Unglück am Kindertag hat er über die Medien erfahren. „Es ist egal, wann es passiert, es ist immer schrecklich“, betont der ehrenamtliche Rettungsschwimmer.