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500 Jahre Reformation
Luther-Apfelbaum am neuen See

95 Thesen, 95 Reformationsbäume: In der Barnimer Baumschule Biesenthal ist der Martin-Luther-Apfelbaum aus alten Genreserven neu gezüchtet worden.
95 Thesen, 95 Reformationsbäume: In der Barnimer Baumschule Biesenthal ist der Martin-Luther-Apfelbaum aus alten Genreserven neu gezüchtet worden. FOTO: Andreas Pachali/Baumschule
Großräschen . 95 Reformationsbäume werden jetzt in Deutschland gepf lanzt. These 41 hat mit Winzerpaar nun Lausitzer Paten und bekommt einen Platz auf dem Weinberg mit Blick auf das versunkene Bückgen - als Symbol für die Heimat. Von Kathleen Weser

Am Weinberg des Großräschener Sees wird ein Martin-Luther-Apfelbaum in wenigen Tagen beginnen, Wurzeln zu schlagen. Als Symbol für die Heimat. Und damit erfüllt das Winzerpaar Wobar im Reformationsjahr auch den Bewohnern des der Kohle geopferten und im heutigen Großräschener See versunkenen Bückgen einen Herzenswunsch.

„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“ Dieses Zitat wird dem Reformator zugeschrieben. Dass es Pate steht für die Idee, zum 500. Reformationsjubiläum eine Apfelsorte namens „Martin Luther“ aus der Taufe zu heben, ist Winzerfrau Cornelia Wobar in Großräschen an einem Sonntag vor vier Jahren beim Kartoffelschälen in der heimischen Küche zu Ohren gekommen. „Zu der Zeit haben wir den Weinberg noch aufgerebt“, erzählt sie. Und Neugierige haben Weinbauer Andreas Wobar an den IBA-Terrassen oft bei der Arbeit über die Schulter geschaut - und ihre Lebensgeschichten erzählt. Der schmerzhafte Heimatverlust und schöne Erinnerungen bewegen die Menschen. Und der Wunsch, hier einen Ort zum Verweilen zu finden - auf einer alten Bank.

Der Lutherapfel
Der Lutherapfel FOTO: Andreas Pachali / Andreas Pachali/Baumschule

Das Bild ist Cornelia Wobar sofort vor Augen gewesen, als sie mit dem Messer die Lausitzer Knollen für den Kochtopf fertig machte und die Nachricht von den 95 Luther-Bäumchen hörte, die aus einer alten Genreserve der Obstsortenversuchsstation Müncheberg neu gezüchtet werden sollten. Das Winzerpaar hatte sich beim Studium an der Martin-Luther-Universität Halle kennengelernt. Beruflich dann in Großrä-

Dieter Spree, 11 Jahre Pfarrer in Bückgen mit Constanze Wobar i mjahr 2005 auf dem Grund des heutigen Großräschener Sees
Dieter Spree, 11 Jahre Pfarrer in Bückgen mit Constanze Wobar i mjahr 2005 auf dem Grund des heutigen Großräschener Sees FOTO: Lena Schmidt / Lena Schmidt/IBA-Studierhaus

schen angekommen, haben Andreas und Cornelia Wobar dann mit den Kindern im Erzählprojekt „Alles verloren, alles gewonnen“ der Internattionalen Bauausstellung (IBA) „Fürst Pückler-Land“ mitgemacht. Der Schweizer Künstler Jürg Montalta hatte mit dem Erzähltheater-Schauspiel die Einwohner des abgebaggerten Großräschener Ortsteils Bückgen in die stillgelegte Tagebaugrube Meuro gezogen. Dort, wo bis 1989 ihre Häuser und auch die Kirche standen, haben die Menschen gemeinsam über ihre Heimat und das Leben gesprochen, geweint und gelacht - den Verlust begonnen zu verarbeiten. Cornelia Wobar zeigt sich noch immer tief bewegt von diesem Erlebnis. Tochter Constanze hatte mit Pfarrer Dieter Spree, der elf Jahre lang auf der Kanzel in der Kirche Bückgen in Großräschen-Süd gestanden hatte, noch einmal in der geopferten Kirche gesessen - inmitteln des ausgekohlten Erdkraters an dem Platz, an dem das Gotteshaus stand und fiel. Mit einem liebevoll aus Streichhölzern gebauten Modell der Kirche zu Bückgen. „Damals habe ich die Dimension des Heimatverlustes sehr emotional und wirklich hautnah erfahren“, erzählt Cornelia Wobar. Einen würdigen und symbolstarken Ort der Rückkehr und einen Ankerpunkt für Heimat ist auch für sie mit dem schönen Gedanken verknüpft, einen Baum zu pflanzen. Schnell stand für die Familie fest, dass sie sich als Paten um einen der 95 Luther-Apfelbäume, die am Wochenende an 95 Orten in Deutschland gepflanzt werden, bemühen. Jedem der Bäume, die die neuen Nachfahren der bereits aus dem 12. Jahrhundert bekannten Apfelsorte Edelborsdorfer tragen sollen, wird eine der 95 Thesen Luthers zugeordnet. Wobars haben die These 41 gezeichnet:

95 sortenreine Apfelbäumchen haben die Barnimer Baumschulen Biesenthal dafür gepflanzt, die sie bis 2017 veredeln. Dann soll die Sorte unter dem Namen "Martin Luther“ beim Bundessortenamt offiziell eingetragen werden.mit s Ehepaar Wobar, Winzer in Großräschen in Brandenburg, hat einen Apfelbaum bestellt, der erst in rund vier Jahren geliefert wird. Der soll dann wurzeln schlagen in einem ihrer Weinberge. Als ein Symbol für Heimat soll er dort stehen – Heimat für Menschen in der Region, die ihr Zuhause durch den Tagebau Meuro verloren haben.