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| 17:07 Uhr

Aus dem Gericht
Luftgewehr-Diabolo verfehlt Nebenklägerin nur knapp

Senftenberg. Ein vorbestrafter 37-Jähriger soll auf seine Ex-Freundin geschossen haben. Das Amtsgericht Senftenberg findet aber keine Beweise. Von Jan Augustin

Ein netter Plausch mit einer Bekannten vor der Haustür wird im April vergangenen Jahres jäh durch einen lauten Knall unterbrochen. Ein Diabolo kracht in die Plexiglasscheibe eines Vordaches, unter dem sich Silvi M.* schnell rettet, als sie kurz zuvor aus dem Augenwinkel ihren Ex-Freund auf dem Balkon entdeckt haben will. „Mit etwas in der Hand“, schildert sie nun als Nebenklägerin im Prozess am Senftenberger Amtsgericht. Ob es sich dabei um ein Luftgewehr handelt, kann sie auf Nachfrage von Straf­richter Harald Rehbein, Verteidigung und Staatsanwaltschaft nicht sagen. Auch die als Zeugin geladene Bekannte, mit der sie sich zuvor unterhalten hat, sagt aus, nichts erkannt zu haben. Die beiden Frauen verabschieden sich an diesem Aprilnachmittag. Silvi M. geht „unter Schock“ zurück in ihre Wohnung und ruft die Polizei. Die beiden eingetroffenen Beamten entdecken zuerst das Einschussloch in der Windschutzscheibe des Vordaches und dann auch ein Projektil in der Nähe. Danach gehen sie in die benachbarte Wohnung des Tatverdächtigen. „In der Wohnung haben wir ein auseinandergebautes Luftgewehr und Munition gefunden“, schildert der mit 32 Jahren jüngere der Polizisten vor Gericht. Der 37-jährige Ex-Freund, der wie Silvi M. Drogen konsumierte, streitet den Schuss damals jedoch ab. Und auch jetzt, vor dem Senftenberger Schöffengericht, lässt er über seinen Anwalt Armin Krahl ausrichten, nicht geschossen zu haben.

Angeklagt hat die Cottbuser Staatsanwaltschaft in diesem Fall den einschlägig vorbestraften und derzeit inhaftierten Lauchhammeraner wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung. Er soll aber auch gegen das Gewaltschutzgesetz verstoßen haben und seine Ex-Freundin trotz Gerichtsbeschluss aufgesucht und bedrängt haben. Der dritte Anklagepunkt dreht sich um einen aus einem Keller gestohlenen Akkuschrauber. Der Angeklagte soll das Gerät der Firma Makita entweder selbst geklaut haben oder als Hehlerware an sich genommen haben.

Doch der Prozess endet - so wie  nach der Beweisaufnahme auch von der Staatsanwaltschaft beantragt - mit einem Freispruch in allen drei Punkten. Das Schöffengericht findet trotz der Aussagen von sieben Zeugen einfach keine verwertbaren Beweise. Und die von beiden Seiten eingestandenen Kontakte zwischen Angeklagten und Nebenklägerin seien teilweise einvernehmlich gewesen. Selbst das Ergebnis eines waffenrechtlichen Gutachtens kann das Gericht nicht für eine Verurteilung heranziehen. Es kann weder bestätigt noch ausgeschlossen werden, dass es sich bei dem Luftgewehr des Angeklagten um die Tatwaffe handelt, erklärt Richter Rehbein. „Das einzig völlig objektive Beweismittel stand nicht zur Verfügung“, fasst er zusammen.

Mirko Schubert, Rechtsanwalt der Nebenklägerin, ist in diesem Punkt nicht zufrieden mit dem Freispruch. Er hatte für eine Gesamtfreiheitsstrafe von 18 Monaten plädiert. Gemeinsam mit seiner Mandantin will er nun überlegen, „ob wir Berufung einlegen werden“.

*Name geändert