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| 20:29 Uhr

Chef des Zweckverbandes LSB geht
Mit Lausitzer Erfahrung zu neuen Ufern

LSB-Verbandsvorsteher Volker Mielchen verabschiedet sich aus der Lausitz.
LSB-Verbandsvorsteher Volker Mielchen verabschiedet sich aus der Lausitz. FOTO: Zweckverband Lausitzer Seenland / Steffen Rasche
Senftenberg. Viele Jahre lang hat Volker Mielchen im Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg und zuvor bereits bei der IBA Fürst-Pückler-Land die Idee der neuen Landschaften nach dem Bergbau mit entwickelt und realisiert. Nun verlässt er nach 17 Jahren die Lausitz - zu einer neuen Herausforderung der gleichen Art. Von Catrin Würz

Das wird heute wohl seine letzte große Amtshandlung in der Öffentlichkeit sein: Als Vorsteher des Zweckverbandes Lausitzer Seen­land Brandenburg (LSB) wird Volker Mielchen zur Herbst-Verbandsversammlung auf den IBA-Terrassen am heutigen Donnerstag sicher in gewohnt sachlicher Art die anstehenden Beschlüsse erläutern und aktuelle Informationen weitergeben. Vor 17 Jahren ist der gebürtige Ostwestfale in die Lausitz gekommen und hat seitdem die Entwicklung der Bergbaufolgelandschaft hin zu einer hoffnungsvollen Tourismusregion wesentlich mit gestaltet und mit befördert. Doch nun bricht der 47-Jährige seine Zelte in der Lausitz ab. Schon ab 1. Oktober stellt er sich einer neuen Herausforderung im Rheinischen Braunkohlerevier – dort, wo seit längerer Zeit auch seine Familie lebt.

Den Senftenberger See zu verlassen, fällt dem Familienvater indes nicht ganz leicht. „Das war eine sehr spannende Zeit für mich. So viele Dinge, die am Anfang nur eine Idee waren, durfte ich nun mit realisieren – und dabei unschätzbare Erfahrungen sammeln“, sagt Volker Mielchen im Gespräch mit der RUNDSCHAU.

Als junger Landschaftsplaner mit Ausbildung auch in der Betriebswirtschaftlehre war er 2001 zur Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückl­er-Land (IBA) nach Großräschen gekommen. „So eine IBA ist eine große Herausforderung und Chance zugleich für eine Region. Da wollte ich mitmachen“, erinnert er sich zurück. Bei der IBA konnte Volker Mielchen bereits erste Projekte des geplanten Seenverbundes mit erarbeiten. Die Wort-Bild-Marke als Logo für das neue Lausitzer Seenland entstand damals unter seiner Mitwirkung, aber auch Impulse dafür, wie sich die Region unverwechselbar machen kann. „Und darum geht es doch, wenn man sich als Landschaft bei den Gästen mit einer eigenen Identität vorstellen will“, sagt Mielchen heute. Auf solche Alleinstellungsmerkmale wie an einigen Überleiter-Kanälen ist er stolz. „Das blaue Licht und das Schleusenhaus am Koschener Kanal, die orangenen Lichtstelen am Ilse-Kanal und der Rostige Nagel am Sornoer Kanal - das sind die Dinge, die bei den Touristen im Gedächtnis bleiben“, ist er überzeugt.

Als im Jahr 2008 der Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg in persona des damaligen Verbandsvorstehers Michael Vetter auf ihn zu kamen, um ihn als Mitarbeiter zu gewinnen, zögerte Mielchen nicht lange. „Hier konnte ich jetzt direkt mitwirken, all die theoretischen Konzepte, Ideen und Strategien nun tatsächlich in die Realität umzusetzen“, erzählt er. Baurecht schaffen, Infrastruktur entwickeln, Fördermittel akquirieren, aber auch Tourismusmanagement betreiben. „Der Zweckverband, wie er jetzt aufgestellt ist, ist ein starkes Instrument für die sechs Mitgliedskommunen, das Kräfte bündelt und vieles schaffen kann“, bestätigt er. Seit 2014 steht er an der Spitze des Unternehmens Zweckverband LSB, das während der Urlaubssaison schon mal bis zu 130 Mitarbeiter beschäftigt.

Freilich habe Mielchen damals – wie viele andere auch – geglaubt, dass alles viel schneller geht. „Wir hatten für das Seenland andere, kürzere Zeiträume im Blick“, sagt er. Doch die Bergbausanierung gibt den Takt im Lausitzer Seenland vor. Inzwischen wird der Abschluss aller Arbeiten für die zehn Seen und zwölf Kanäle also erst Mitte der 2020er-Jahre anvisiert. „Ich hätte mir schon gewünscht, dass wir heute etwas weiter sind. Aber wir haben auch Verständnis dafür, dass die Bergbausanierung ihre Zeit braucht. Das ist nicht zu ändern.“

Als größten Rückschlag wird Volker Mielchen die Absage der Senftenberger Stadtverordneten an das Lagunendorf Sedlitz in Erinnerung behalten. „Die Stadtverordneten hatten 2014 nicht den Mut, in Vorleistung für das Lagunendorf zu gehen“, bedauert er. „Das ist schade. Doch es ist noch nicht zu spät. Es wird weiter an dieser Idee gearbeitet, die wesentlich für das Lausitzer Seenland ist“, bestätigt er.

Großen Mut habe man in der Region dagegen bewiesen, als der Senftenberger Stadthafen und die Landmarke Rostiger Nagel als offene Architekturwettbewerbe ausgelobt wurden. „Das hat große Aufmerksamkeit auf das entstehende Seenland gelenkt.“

Dass weiter viel zu tun bleibt, auch für seinen schon gewählten Nachfolger im Amt, Detlef Wurzler, ist klar. Im Jahr 2023 wird der Senftenberger See 50 Jahre alt. Bis dahin will der Zweckverband die teils 50 und teils 30 Jahre alte Infrastruktur am Seestrand erneuern. Am Großräschener und Sedlitzer See ist schon vieles auf den Weg gebracht. Und Mitte der 2020er-Jahre wird noch der Altdöberner See dazukommen, wenn die Flutung abgeschlossen ist. „Auch für dessen Entwicklung, für Radweg, Bootsanleger und Strandterrassen, müssen schon jetzt die Weichen gestellt werden.“

Und wie sieht Volker Mielchens persönliche Zukunft aus? Für seinen Neuanfang an neuem Ort kann der 47-Jährige seine Lausitzer Erfahrungen jedenfalls sehr gut gebrauchen. Im Rheinischen Braunkohlerevier wird Mielchen die Geschäftsführung für den erst vor einem Jahr gegründeten Zweckverband Tagebaufolgelandschaft Garzweiler übernehmen. In dem Verband haben sich vier Anrainerkommunen des Tagebaus Garzweiler zusammengetan, um so früh wie möglich für die noch im Umbruch befindliche Bergbaufolgelandschaft Perspektiven zu entwickeln. „Dort geht erst los, was hier in der Lausitz schon viele Jahre beendet ist“, weiß Volker Mielchen. In die Rekultivierung wollen die betroffenen Kommunen schon früh ihre Wünsche und Forderungen einbringen - und am Ende soll ebenfalls eine touristische Nutzung stehen, wenngleich auch nicht mit so überregionalem Anspruch als wichtiges Standbein wie im Seenland. Mit Lausitzer Erfahrung wird das auch sicherlich gelingen.