Von Uwe Hegewald

„Ein wunderbarer Ausflug, abwechslungsreich, informativ und unterhaltsam“, fasst Regine Jurk aus Spremberg die LR-Radlertour durchs Lausitzer Seenland zusammen. Ehegatte Dieter ergänzt: „Wir haben sogar einen Wanderausflug unseres Vereins geschwänzt, um an der Ausfahrt mit der RUNDSCHAU teilzunehmen. Eine Tour, die die zwölf Teilnehmer noch lange in Erinnerung behalten werden.

Eine „Schuldige“ ist schnell gefunden: Anja Ittmann, passionierte Gästeführerin, die für die sechsstündige Reise ein Gesamtpaket geschnürt hat, das keine Wünsche offen lässt. Im Fokus steht die Wohnarchitektur im Lausitzer Seenland. „Wir wollen hinter die Türen der Häuser blicken, Leute kennenlernen und ihre Geschichten erfahren“, kündigt die aufgeweckte Gästeführerin am Start in Lieske (Gemeinde Neu-Seeland) an. Vom alten Schrotholzhaus bis zum Wohnen auf dem Wasser soll die mehrere Hundert Jahre währende Entwicklung des Wohnens reflektiert werden.

Bis in das Jahr 1474 reicht die Erwähnung eines Hauses am ersten Zwischenstopp zurück. „Als Kind fühlte ich mich immer in eine Märchenwelt versetzt, wenn ich bei Tante Anna zu Gast war“, erzählt Cornelia Schnippa. Sie ist die Taktgeberin im Schrotholzhaus, das ursprünglich nach Bloischdorf (Felixsee) umgesetzt werden sollte. Zum Glück fehlten seinerzeit die Mittel und so nahm sie allen Mut zusammen, um das ambitionierte Vorhaben Restaurierung anzuschieben. „Auch, wenn mich manche Leute für verrückt hielten“, so die Initiatorin, die viele Klinken putzen musste. „Das Haus hat so viele Kriege überstanden. Das kann doch nicht einfach dem Verfall preisgegeben werden“, erklärt Cornelia Schnippa ihre Philosophie.

Um die Arbeiten zu forcieren und zu finanzieren, ist inzwischen der Förderverein „Heimathof Lieske“ gegründet worden, der es ermöglicht, Spendengelder zu akquirieren. Später könnte im Schrotholzhaus eine Touristinformation ihr Domizil finden.

Einen Schritt weiter ist bereits Andreas Ittmann, der in Klein Partwitz lebende Bruder der Gästeführerin. „2012 habe ich den maroden Hof übernommen, der 30 Jahre leer stand und aus dem erst einmal 500 Tonnen Bauschutt entsorgt werden mussten“, informiert der 39-Jährige. Beim jetzigen Zustand können sich seine Besucher nur schwer in das von ihm geschilderte Bild von eingestürzten Dächern, desolaten Hauswänden und irreparablen Fußböden hineinversetzen. Mit seinem Quadcenter, das Andreas Ittmann seit 15 Jahren betreibt, hat er den historischen Vierseitenhof sogar zum Unternehmerdomizil erhoben.

Nach üppigem Mittagsmahl in der Geierswalder „Grubenlampe“ lernt die Radlergruppe visionäres Wohnen kennen. Anja Ittmann gelingt es sogar, den Mieter eines schwimmenden Hauses zu gewinnen, der den Blick hinter die Türen des futuristischen Gebäudes gestattet: Frank Hannig, Dresdner Stadtrat und Strafverteidiger. „Meine Familie findet hier im Lausitzer Seenland alles, was einen entspannten Aufenthalt verspricht“, so der Urlauber, der bereits zum dritten Mal hier zu Gast ist.

Damit noch mehr Gäste dieses Flair genießen können, haben Heike und Klaus-Dieter Struthoff vom Geierswalder Leuchtturm noch einmal viel Geld in die Hand genommen. Auf 3,5 Millionen Euro beläuft sich die Investition in 16 neue Zimmer und Ferienwohnungen. „Wir hatten ständigen Buchungsnotstand“, begründet die Inhaberin die Erweiterung, zu der auch eine Saunalandschaft und eine Bikini-Bar zählen. „Mit den Arbeiten befinden wir uns auf der Zielgeraden. Sie sind die erste Besuchergruppe, die vorab einen Blick genießen darf“, so die Leuchtturm-Chefin, die ursprünglich nur ein „Heuhotel“ errichten wollte. Anja Ittmann zieht symbolisch den Fahrradhelm vor soviel Unternehmer-Mut. „Bei Leuten wie Cornelia, Frank oder Heike muss uns um die Weiterentwicklung des Lausitzer Seenlandes nicht bange sein“, so die Inhaberin der Lausitzer Seenland Touren mit ihrem Sitz in der Linden­allee in Klein Partwitz.