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Lohsaer Kippe soll nicht ewig gesperrt bleiben

Grundbruchgelände vom Juli 2012. Der Weg über die Innenkippe verschwand mehrere Meter in der Tiefe. Eine Försterin konnte sich damals noch gerade so retten.
Grundbruchgelände vom Juli 2012. Der Weg über die Innenkippe verschwand mehrere Meter in der Tiefe. Eine Försterin konnte sich damals noch gerade so retten. FOTO: Torsten Richter
Lohsa/Bärwalde. Für die Bevölkerung ist das weiträumige Kippenland zwischen Lohsa, Lippen und Bärwalde bereits seit Jahren tabu. Das soll nicht für ewig so bleiben. Die Bergbausanierer arbeiten mit Hochdruck an Plänen für die Standsicherheit dieser Gegend. Torsten Richter

Sie gehört zu den abgelegensten, wildesten und gefährlichsten Gebieten der Mittellausitz: Die Landschaft im Dreieck von Lohsa, Lippen und Bärwalde präsentiert sich weitestgehend menschenleer und sich selbst überlassen. So gehört die Spülkippe am Ostufer des in Flutung befindlichen Tagebau-Restloches Lohsa II zu den Kernzonen im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Weitere Flächen werden von der Forst Lipa GmbH und Landwirtschaftsunternehmen eingeschränkt genutzt. "Für jede unserer Arbeiten müssen wir uns beim Sächsischen Oberbergamt an- und abmelden", sagt Dr. Hubertus Burkhard, Geschäftsführer der Forst Lipa.

Die Bevölkerung hat in dem rund 2200 Hektar großen Areal nichts zu suchen. Ungezählte Betreten-verboten-Schilder warnen vor Erkundungen. Denn ein größerer Grundbruch vom Dezember 2010 bewog die Behörden zur Totalsperrung der Lohsaer Innenkippe. Im Sommer 2012 geriet der Boden unter dem Hauptfahrweg nahe des Restloches Lohsa II erneut in Bewegung.

Die Bergbausanierer von der Lausitzer und Mitteldeutschen Braunkohlen-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, die öffentliche Sicherheit im Gebiet herzustellen. "Das Problem ist, dass die Kippe nie verdichtet worden ist", erklärt Eckhard Scholz, Leiter der Abteilung Geotechnik bei der LMBV. "Der Boden aus dem nahen Tagebau wurde zu DDR-Zeiten nur locker aufgeschüttet. Doch besteht bei den Lohsaer Sanden die Gefahr, dass sich diese verflüssigen. So kann es zu Grundbrüchen kommen."

Über Feldversuche im früheren Tagebau Seese-West bei Lübbenau arbeiten sich die Fachleute an mögliche Sanierungstechnologien für die Lohsaer Kippe heran. Inzwischen seien die entsprechenden Experimente abgeschlossen worden. "Es ist vorstellbar, dass wir schonende Sprengungen durchführen. Diese sollen der Kippe mehr Halt geben", sagt Eckhard Scholz. Dazu werde der Geotechnische Beirat, der sich aus verschiedenen Spezialisten zusammensetzt, tagen. Im Fall der Seeser Feldversuche müssten noch die Auswirkungen der dortigen Sprengungen auf die Kippenstruktur abgewartet werden.

Darüber hinaus seien für die Gegend zwischen Lohsa, Lippen und Bärwalde Erdtransporte denkbar. Mancherorts könnten besonders massive Erdlasten die Grundbruchgefahr erhöhen. Ob allerdings in diesem Atemzug der Lohsaer Rodelberg verschwinden muss, sei noch völlig unklar. Ebenso vorstellbar sei, dass Dünenzüge ihre Lage ändern. So werde sich das Landschaftsbild allmählich verändern.

"Um über ganz konkrete Maßnahmen zu reden, ist es jetzt noch zu früh", schränkt Eckhard Scholz ein. Er spricht von einem Zeithorizont von zehn bis 15 Jahren. Ohnehin seien die Maßnahmen für die Kippe Lohsa II erst für die Jahre nach 2017 eingeordnet. Bis dahin bleibe das Areal mit Sicherheit gesperrt.

Die LMBV habe in der Gemeinde Lohsa mehr als genug Arbeit. Paradebeispiele bildeten die geplante Sanierung des Knappensees sowie die Arbeiten am Silbersee. Darüber hinaus müsse auch an den Ratzener Fischteichen, die sich in unmittelbarer Nähe der Straße von Lohsa und Uhyst befinden, sanierungstechnisch unbedingt etwas geschehen. "Die Herstellung der öffentlichen Sicherheit genießt bei uns dabei oberste Priorität", stellt Eckhard Scholz dar.