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| 17:59 Uhr

Ärger um Aussagen zum Senftenberger See
Inselsanierer tadeln Wunsch nach Rutschung

 Achtung Lebensgefahr: Bis April bleiben der Senftenberger See und sein Ufer Sperrgebiet.
Achtung Lebensgefahr: Bis April bleiben der Senftenberger See und sein Ufer Sperrgebiet. FOTO: LR / Jan Augustin
Senftenberg. Einige Aussagen aus dem Managementplan der Stiftung Naturschutzfonds für den Senftenberger See schlagen hohe Wellen. Von Jan Augustin

Eis hat sich fast über den kompletten Senftenbegrer See gelegt. Nur vereinzelt schwappen noch Wellen hier und da. Still und idyllisch ruht der See? Von wegen. Im Westen, auf Koschener Seite, treiben scheinbar reglos drei Arbeitsplattformen bestückt mit großen gelben Baggern im Wasser. In Inselnähe, im Bereich von Untiefen, schaufeln die schwimmenden Maschinen massenhaft Erde ab, um die Böschung abzuflachen und so das Rutschungsrisiko zu minimieren. Der abgetragene Sand wird über eine bis zu zwei Kilometer lange Schlauchleitung in die tiefsten Stellen des Sees gepresst.

Nach der Rutschung im September vergangenen Jahres, bei der ein etwa 200 mal 250 Meter großes Inselstück ins Wasser gebrochen ist, See und Ufer anschließend komplett gesperrt wurden, laufen diese Sicherungsarbeiten seit Wochen fast reibungslos auf Hochtouren. Nur an einem Tag waren die Arbeiten aufgrund der schlechten Sicht nicht möglich.

Hohe Wellen haben allerdings die Aussagen aus dem Entwurf des Managementplanes der Stiftung Naturschutzfonds geschlagen. Vor allem geht es um einen Satz am Ende des 90 Seiten starken Papiers. „Zufällige, oft lokal begrenzte Prozesse wie horizontale Sedimentverlagerungen (Sanddrift), kleinere Rutschungen oder Uferabbrüche zur Schaffung offener, konkurrenzarmer Pionierstandorte sowohl am Ufer wie auch in den Wasserbereichen sind aus Sicht von Natura 2000 elementare, ausdrücklich erwünschte Effekte und sichern bzw. fördern die Schutzziele.“

 Mit den Sicherungsarbeiten im Senftenberger See sollen Untiefen beseitigt, aktuelle Rutschungsbereiche angeschüttet und Tieflagen mit dem abgetragenen Sand aufgefüllt werden. Ziel ist es, das Gefahrenpotenzial für eine Rutschung zu reduzieren. Täglich sollen bis zu 3000 Kubikmeter Erde bewegt werden.
Mit den Sicherungsarbeiten im Senftenberger See sollen Untiefen beseitigt, aktuelle Rutschungsbereiche angeschüttet und Tieflagen mit dem abgetragenen Sand aufgefüllt werden. Ziel ist es, das Gefahrenpotenzial für eine Rutschung zu reduzieren. Täglich sollen bis zu 3000 Kubikmeter Erde bewegt werden. FOTO: LMBV/VT / LMBV/VT / Bearbeitung: Janetzko/lr

Kritik dafür hagelt es nun von der Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV). Wie LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber mitteilt, lassen sich die Zitate der Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg nur schwer in Einklang bringen mit den derzeit laufenden Sanierungsarbeiten und den bergrechtlichen Erfordernissen zur Sicherung der Insel im Senftenberger See. Die Aussagen aus dem Entwurf würden dem technischen Verständnis der Sachverständigen zu wider laufen. Uwe Steinhuber betont: „Die LMBV betrachtet Rutschungen grundsätzlich, egal ob in kleinerem oder größeren Umfang, im Bereich der bisher weitestgehend ungesicherten Insel für gefährlich.“ Aus Sicht der LMBV als bergrechtliche Verantwortliche sei der mit der Bergbehörde in Abstimmung befindliche und von der LMBV einzureichende Betriebsplan zum Sichern der Insel künftig die Richtschnur für das Handeln der Bergbausanierer im Senftenberger See. Die LMBV betont, dass die Sicherungsarbeiten in einem schonenden Verfahren erfolgen, naturschutzrelevante Aspekte streng beachtet werden.

Ulrich Schröder von der Natura 2000-Managementplanung war sich der Brisanz dieser Aussagen bewusst. „Da der Naturschutz nicht zum Selbstzweck existieren möchte, gilt es hier Kompromisse zu suchen“, sagte er. Unter den Aspekten der Gefahrenabwehr, der wasserwirtschaftlichen, fischereilichen und touristischen Nutzungen müsse man gemeinsam Lösungen finden.

 Die Sicherungsarbeiten an der Insel im Senftenberger See stoßen aus naturschutzfachlicher Sicht auf Ablehnung. Die LMBV kritisiert Aussagen aus dem Managementplan-Entwurf.
Die Sicherungsarbeiten an der Insel im Senftenberger See stoßen aus naturschutzfachlicher Sicht auf Ablehnung. Die LMBV kritisiert Aussagen aus dem Managementplan-Entwurf. FOTO: LR / Jan Augustin

Bei Wind und Wetter sind seit Anfang des Jahres pro Schicht 16 Mitarbeiter der Elsterheider Firma BUG Dienstleistungen auf und am Senftenberger See im Einsatz - und das sieben Tage die Woche. Täglich sollen so bis zu 3000 Kubikmeter Erde bewegt werden.

Das Ziel ist klar: Insel und See sollen zu Saisonbeginn ab April wieder sicher sein, die Sperrflächen wieder aufgehoben werden. Nur die unter Naturschutz stehende Insel soll weiter tabu bleiben. Wie in den Vorjahren soll ein etwa gleich großes Sperrgebiet um das Eiland mit einer Bojenkette gekennzeichnet werden.

Bei den Inselsanieren herrscht trotz des Ärgers über die Aussagen des Naturschutzfonds viel Optimismus: „Die Saison 2019 ist gesichert“, sagt LMBV-Projektmanager Michael Matthes vor Kurzem.