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Lauter Schwerlastverkehr
Lkw-Krach verärgert Senftenberger

Diana und Ronny Brunzel ärgern sich über den Schwerlastverkehr auf der frisch sanierten Calauer Straße in Senftenberg.
Diana und Ronny Brunzel ärgern sich über den Schwerlastverkehr auf der frisch sanierten Calauer Straße in Senftenberg. FOTO: Jan Augustin / LR
Senftenberg. Die frisch sanierte Calauer Straße hat nicht nur Jubelschreie ausgelöst. Anwohner beklagen lärmenden Schwerlastverkehr und fordern eine Tonnagebegrenzung. Die Chancen stehen schlecht. Von Jan Augustin

Diana und Ronny Brunzel haben sich den Traum eines eigenen Heimes erfüllt. Seit einem Jahr wohnen sie in ihrem selbst aufwendig sanierten Haus direkt an der Calauer Straße. „Mittlerweile bereue ich das“, sagt Diana Brunzel. Grund sei der Lärm, den der Schwerlastverkehr auf der Reise durch das Wohngebiet verursacht. Eine Nacht mit durchgehendem Schlaf habe sie seit dem Sanierungsende der Calauer Straße in diesem Sommer nicht mehr erlebt. Dabei benötigt sie dringend diese Erholung. Denn die 48-Jährige arbeitet bei einem Kompressor-Produzenten in einem Dreischicht-System. Auch Ehemann Ronny Brunzel (49), der beruflich in Österreich beschäftigt ist und dort unter Tage Tunnelverbindungen für die Bahn herstellt, könne in der Lausitzer Heimat nicht mehr die nötige Kraft für seinen anstrengenden Job tanken. Beiden geht es nicht darum, das betonen sie ausdrücklich, den normalen Lieferverkehr von der Straße zu verbannen. Was sie meinen, sind die schweren 40-Tonner, die mit Schüttgut beladen in beiden Richtungen unterwegs sind.

Besonders schlimm sei es in der Frühe. Ende November zählt Diana Brunzel an einem Morgen zwischen 4.15 und 5.15 Uhr die an ihrem Schlafzimmer vorbeidonnernden Brummis. In dieser Stunde sei sie auf 85 Lkw gekommen. Auch den Nachbarn sei das zu laut. Für Pensionen und Gästehäuser sei der Zustand geschäftsschädigend. „Wir wissen aus Gesprächen mit Gästen, die hierherkommen, um ein paar erholsame Tage zu verbringen, dass sie diese Lärmbelästigung nicht gut finden“, sagt Diana Brunzel.

Ihr Vorschlag klingt plausibel: Der Lieferverkehr soll freie Fahrt behalten, ansonsten eine Tonnagebegrenzung von 7,5 Tonnen gelten. Der Schwerlastverkehr soll die Ortsumfahrung nutzen, um zur Autobahn zu gelangen. Drei Kilometer mehr wären die Brummifahrer unterwegs, dafür ohne Ampeln. „Das ist doch bestimmt ein lösbares Problem, ohne großen Aufwand“, glaubt Diana Brunzel.

Doch die Landkreisverwaltung Oberspreewald-Lausitz, in deren Obhut sich die Kreisstraße seit zehn Jahren befindet, sieht das anders. Das Straßenverkehrsamt teilt den Beiden mit, dass es zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine ausreichenden Begründungen für die Anordnung von Lkw-Verboten gibt. Eine eigens beauftragte schalltechnische Berechnung habe ergeben, dass die Grenzwerte bei einer Geschwindigkeit von 50 Km/h für Lkw und Pkw von 70 Dezibel am Tag und 60 in der Nacht nicht erreicht werden. Die errechneten Werte in der Calauer Straße liegen demnach bei 64 Dezibel am Tag und bei 55,2 Dezibel in der Nacht. „Daraus folgt, dass hier keine Maßnahmen zur Reduzierung des Lkw-Verkehrs oder einer Geschwindigkeitsbegrenzung gerechtfertigt sind“, heißt es in einem Antwortschreiben aus der Verwaltung. Ohnehin habe sich die Verkehrssituation und die Lärmbelästigung mit dem Ausbau der Straße „erheblich verbessert“. Versorgungsleitungen wurden in den Geh- und Radwegbereich verlegt, sodass Schächte und Kappen nicht mehr mit viel Krach überfahren werden müssen. Die Straßenbreite wurde verkleinert, um das Tempo zu drosseln. Weniger Lärm geht nun auch von dem neuen Straßenbelag ohne Bodenwellen aus. Zusätzliche Bepflanzungen sollen zudem die Belastung in Zukunft mindern. Die in diesem Sommer abgeschlossene Baumaßnahme sei gerade auch deshalb erfolgt, damit überörtlicher Verkehr, inklusive Lkw-Verkehr, die Straße passieren kann, argumentiert die Verwaltung. Bei den Brunzels bleiben die vierfachverglasten Fenster also auch künftig meistens geschlossen. Aufgrund des aus ihrer Sicht negativen Bescheids überlegen sie nun, eine Unterschriftenaktion in der Nachbarschaft zu starten.